Vortragsreihe zu "Der zweite Blick: Frauen"

Date:
Thu 29.09.2022 6:00 PM - 7:00 PM
Location:
Bode-Museum
Offer:
Lecture / Adults
Registration:
no booking/prior registration required
More Dates:
Thu 06.10.2022 Thu 13.10.2022

Mit der integrierten Ausstellungsreihe „Der zweite Blick“ werden Besucher*innen dazu eingeladen, sich in der Dauerausstellung des Bode-Museums mit aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen auseinanderzusetzen. Das übergreifende Anliegen der Reihe besteht darin, den offiziellen Museumsdiskurs um bislang verborgene Narrative zu ergänzen.

Mit „Frauen“, dem zweiten Teil der Reihe, stehen vor allem Darstellungen der Geschlechter- und Gesellschaftsrollen von Frauen im Mittelpunkt. Bis heute ist die Kunstgeschichtsschreibung von einem männlichen Blick geprägt, der auch den kunsthistorischen Kanon definiert. Sowohl das Wirken als auch die Geschichten von Frauen wurden in den westlichen Museen lange Zeit gänzlich ignoriert. Gerade diese Unsichtbarkeit der genannten Aspekte stellen bis heute ein verbindendes Merkmal nahezu aller Museen mit Sammlungen der sogenannten „Alten Meister“ dar.

 

VORTRAGSREIHE
im Bode-Museum, Gobelin-Saal

29.9.2022, 18-19 Uhr
Women, Women, Women: Portraiture and Feminism (Vortrag auf Englisch)
Referentin: Dr. Flavia Frigeri, Kunsthistorikerin, Dozentin und „Chanel Curator for the Collection“ an der National Portrait Gallery, London

1977 betonte die Kritikerin Rosetta Brooks die inhärente Spannung zwischen Frauen als Subjekte und Objekte männlicher Träumereien und ebenso die auffällige Abwesenheit von Frauen als eigenständige Künstlerinnen und Pionierinnen. Ausgehend von der Sammlung der National Portrait Gallery, London, untersucht dieser Vortrag, wie Frauen durch das Medium der Porträtmalerei im Laufe der Jahrhunderte dargestellt und falsch dargestellt wurden. Traditionell war es schwierig, eine Frau anhand eines Porträts als berufstätige Frau zu identifizieren. Männer werden immer noch viel häufiger für ihre beruflichen Leistungen anerkannt und gefeiert, da Künstler und Fotografen bei der Darstellung männlicher Figuren auf eine reiche ikonografische Tradition zurückgreifen können. Dasselbe gilt nicht für Frauen, die lange Zeit als „relative Kreaturen“ behandelt wurden (um Françoise Basch zu zitieren), deren Hauptaufgabe darin besteht, Familienmitglieder zu unterstützen, anstatt einen unabhängigen Weg außerhalb des häuslichen Umfelds zu beschreiten. Anhand ausgewählter Beispiele hinterfragt dieser Vortrag die Vorstellung von Frauen als „relative Kreaturen“ und lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie die Porträtmalerei an der Konzeptualisierung und Operationalisierung des „feministischen Imaginären“ teilnimmt, wenn Frauen auf eine geschlechtergerechte Welt hinarbeiten.

 

6.10.2022, 18-19 Uhr
Frauen ins Museum
Referentin: Dr. Petra Winter, Direktorin des Zentralarchivs und Leiterin der Provenienzforschung der Staatlichen Museen zu Berlin

Als das Kaiser-Friedrich-Museum 1904 seine Türen öffnete, strömten männliche und weibliche Besucher*innen hinein. Aber wie sah es hinter den Kulissen aus? Arbeiteten um 1900 Frauen im Museum? Und wenn ja, in welchen Berufen? Wie und wo findet man Informationen zum Wirken von Frauen in den Museen? Der Vortrag geht diesen Fragen anhand von Quellen aus dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin nach.

 

13.10.2022, 18-19 Uhr
Frauenbilder und Bilder von Frauen. Zur Verbindung von Outreach-Forschung und universitärer Lehre
Referent: Dr. Andreas Huth, Kunsthistoriker und Restaurator

In Vorbereitung auf die Ausstellung „Der zweite Blick“ befassten sich im Wintersemester 2019/2020 Studierende der TU Berlin mit feministischen Perspektiven auf die Skulpturensammlung im Bode-Museum. Statuen und Reliefs aus früheren Jahrhunderten waren für die meisten von ihnen bis dahin todlangweilige Objekte gewesen – eine Wahrnehmung, die Museen mit vormoderner Kunst gewöhnlich eher zu bestätigen als zu entkräften scheinen. Outreach-Kuratieren, kunstwissenschaftliche Forschung und universitäre Lehre können hieran zusammen etwas ändern. Der Vortrag möchte diskutieren, wie das gemeinsame Engagement aussehen könnte, welche Rolle die Lehre hierbei spielt – und was an schönen Sammlungen eigentlich problematisch ist.

 

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bitte beachten Sie die am Veranstaltungstag gültigen Aktuellen Informationen für Besucher*innen während der Corona-Pandemie.