Seen By #16
Regeneration as Medium

26.11.2021 bis 16.01.2022
Museum für Fotografie

Die Werke der Ausstellung „Seen By #16“ nutzen das Konzept der Regeneration als künstlerisches, poetisches und ethisches Medium, wie es die US-amerikanische Dichterin und Aktivistin Audre Lorde (1934-1992) tat.

Audre Lorde verfasste, während sie sowohl gegen Brustkrebs als auch gegen dessen medizinischen Behandlungsmethoden kämpfte, eine Reihe von Thesen darüber, wie sie die Verzweiflung während des mühsamen Prozesses der Veränderung bekämpfte, nämlich indem sie 

„weiß, dass diese Arbeit weder mit meiner Geburt begann noch mit meinem Tod enden wird. Und es bedeutet, zu wissen, dass innerhalb dieses Kontinuums mein Leben, meine Liebe und meine Arbeit im Vergleich zu anderen eine besondere Kraft und Bedeutung haben.“ 

(Zitat aus: Lorde, Audre. Einleitung in „The Cancer Journals". New York City: Penguin Classics, 2020; ursprünglich geschrieben am 29. August 1980.)

Die mit einer Reihe von Essays unter dem Titel „The Cancer Journals“ veröffentlichte Einführung zielte darauf ab, Leidenschaft für das Überleben und die Handlungsfähigkeit sowie deren Kontinuität zu wecken – nicht nur für sich selbst und ihre Zeitgenossen, sondern für die Generationen, die von ihren Worten inspiriert werden sollten. 

Konzept der Regeneration als Prozess und Strategie 

„Regeneration as Medium“ nimmt Lordes Worte als „poethische“ Inspiration, um über das Konzept der Regeneration als Prozess der Erneuerung, der Wiederherstellung und des Nachwachsens nachzudenken, der nicht nur in der Natur durch Energiequellen, Mikroorganismen, Flora und Tiere wie uns selbst stattfindet, sondern auch als künstlerisches, poetisches und ethisches Medium. Wenn wir das Zitat als Hinweis auf die Möglichkeit betrachten, vergangene Praktiken von Künstler*innen und Aktivist*innen als generativ für uns selbst oder unsere Praktiken als regenerativ für die Zukunft zu lesen, können wir beginnen, das Konzept der Regeneration, wie es in der Natur praktiziert wird, zu denken und es auf die Arbeit der künstlerischen und poetischen Praktiken anzuwenden. „Regeneration as Medium“ übernimmt das Konzept der Regeneration als eine Strategie der Widerstandsfähigkeit, des Überlebens und der Handlungsfähigkeit und setzt es als künstlerisches und poetisches Medium um, das im Dienste der heutigen sprachlichen und politischen Bedürfnisse stehen kann.

Über die Arbeiten der Ausstellung 

Die Arbeiten der Ausstellung untersuchen Regeneration durch die Vektoren affektiver und persönlicher Geschichten und Kosmologien, durch Dekolonisierung und Heilung von etablierten Narrativen, durch Aktivierung und Transformation des (physischen und sozialen) Körpers, durch Darstellung des Versagens und der Versprechen neuer Medien und Technologien. Die Werke beziehen nicht-menschliche Perspektiven ein, um kollektive Themen anzusprechen und über speziesübergreifende Allianzen nachzudenken, wobei die Erde als Gefäß und Protagonistin der Geschichte fungiert. 

Ein Großteil der Arbeiten befasst sich mit der engen Beziehung zwischen Zerstörung und Schöpfung und fragt nach Möglichkeiten der Regeneration durch historische oder somatische Transformation oder durch den Schutt von Enttäuschung und Verlust. Das Konzept der Regeneration dient als Prozess der Widerstandsfähigkeit und Wiederherstellung, der eine Überarbeitung, eine Unterbrechung oder ein Umweg ist, um jenseits oder durch das zu leben, was vorher da war, und existiert innerhalb künstlerischer und poetischer Praktiken als integrale Modalität des Erinnerns, der Neuvorstellung und der Wiederbelebung von Diskursen, Praktiken und uns selbst.

Teilnehmende Künstler*innen: Benita von Hornstein, Domenik Krischke, Elina Saalfeld, Hannah Lansburgh, hari_klia, Heiko-Thandeka Ncube, Kimia Godarzani-Bakhtiari, Nico Arauner, Selou Sowe, Torben Jost und Victoria Martínez. Die Ausstellung wird kuratiert von Nomaduma Rosa Masilela.

Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin

Ausstellungsreihe „Seen By“

Seen By #16 ist Teil der Ausstellungskooperation „Seen By“ der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin und der Universität der Künste Berlin im Museum für Fotografie. Sie hat zum Ziel, kuratorische und künstlerische Strategien im Umgang mit zeitgenössischer Fotografie neu zu denken. Mehr Informationen: www.smb.museum/seenby 

Jebensstraße 2
10623 Berlin

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