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Schwarze Götter im Exil
Pierre Verger und Mario Cravo Neto

02.09.2004 bis 07.11.2004

Unter der Schirmherrschaft des brasilianischen Kulturministers. Ein Projekt des Goethe-Instituts und der Stiftung Pierre Verger Salvador/Bahia in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum Berlin, dem Museum für Völkerkunde München und dem Museum der Weltkulturen Frankfurt. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

Kein Fotograf des 20. Jahrhunderts hat die wechselseitigen kulturellen Beziehungen und den kontinuierlichen Wissenstransfer zwischen Europa, Afrika und den beiden Amerikas so umfangreich erforscht und dokumentiert wie Pierre Verger (1902-1996). Während sein Werk in Europa weitgehend unbekannt geblieben ist, gilt Verger in seiner Wahlheimat Brasilien und darüber hinaus in ganz Lateinamerika seit langem als einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er spielte eine bedeutende Rolle als Wegbereiter der visuellen Anthropologie, der eine ganze Generation von Künstlern, Literaten und Wissenschaftlern beiderseits des Atlantiks beeinflusst hat. Im Ethnologischen Museum zeigen das Goethe-Institut und die Stiftung Pierre Verger die erste Ausstellung von und über Pierre Verger in Deutschland mit über 300 Fotografien, Filmen, Interviews und Textdokumenten ergänzt durch Ritualobjekte der Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin.

Pierre Verger wurde 1902 in Paris geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Lateinamerika. Als international bekannter Fotoreporter besuchte er 1946 erstmalig Salvador de Bahia, das fortan zu seiner zweiten Heimat werden sollte. Ein halbes Jahrhundert lang hielt er das Leben in dieser heimlichen Hauptstadt der afrobrasilianischen Künste und Kultur mit ihren mehr als 500 Kultstätten in Bildern fest. Bis an sein Lebensende blieb Verger aktives Mitglied in einer afrobrasilianischen Candomblé.
Die Ausstellung veranschaulicht das gemeinsame afrikanische Erbe Brasiliens, der Karibik und Nordamerikas wie es sich heute in Musik und Tanz, in Architektur, Kunst und Küche ausdrückt. In seinen faszinierenden Fotografien und Studien über die afroamerikanischen Religionsgemeinschaften beschrieb Verger die wechselseitigen Einflüsse im transatlantischen Dreieck bis in unsere Gegenwart hinein. Im brasilianischen Candomblé, dem haitianischen Voudou oder der kubanischen Santería erkannte er das starke kulturelle Band, durch das beide Seiten des Atlantiks in einem permanenten geistigen und spirituellen Austausch miteinander stehen. In seiner direkten fotografischen Handschrift hielt Verger die Bedeutung dieser Rituale des Alltags für die kreolisierten Gesellschaften der Neuen Welt fest.

Mario Cravo Neto wurde 1947 in Salvador de Bahia geboren. Seit seinem 17. Lebensjahr lernte er Skulptur und Fotografie bei seinem Vater, dem bekannten Bildhauer Mario Cravo Júnior. Cravo Neto beschäftigte sich intensiv mit Vergers Werk und kuratierte seine letzte Ausstellung zu Lebzeiten in New York. Er erhielt zahlreiche Preise und gilt heute als einer der bedeutendsten Fotografen Brasiliens.

Weitere Informationen unter unter www.schwarze-goetter-im-exil.de