Kult des Künstlers: Hans von Marées. Sehnsucht nach Gemeinschaft

01.10.2008 bis 11.01.2009

Alte Nationalgalerie

Für Ludwig Justi, den Direktor der Nationalgalerie, war Hans von Marées (1837-1887) "das erste große Beispiel für die grundsätzliche und vollständige Abwendung der Kunst vom Publikum, l'art pour l'art." Diese Einschätzung bezog sich auf das Spröde und Dunkle seiner Malerei, auch auf das Unverständnis welche diese fand. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Künstler neu entdeckt und sein Werk als einsame, bedeutende Leistung nunmehr gefeiert.

Dabei suchte Marées durchaus öffentliche Wirksamkeit und bemühte sich nachdrücklich um Freundschaft. Besonders beglückend waren 1873 die Monate der Arbeit an den Fresken in der Zoologischen Station in Neapel, wo sich Wissenschaftler und Künstler zu einem selbst bestimmten, bedeutenden Vorhaben zusammenfanden. Die überlieferten, großformatigen Studien zu diesen Ansichten des Lebens am Golf von Neapel werden im Zentrum der Ausstellung stehen. Es war das Gesamtkunstwerk >Zoologische Station< das noch in späteren Jahren Künstler wie Klee, Beuys und Picasso tief beeindruckte.

Sind die sechziger Jahre im Werk von Marées von der träumerischen Darstellung zeitloser Idyllen bestimmt, so werden in den Neapeler Fresken und den entsprechenden Studien die Formen fester, die Farben heller, der vita contemplativa ist nun die vita activa zugesellt. Die stark formalisierten Bilder des Spätwerkes beschwören eher allgemeine Menschheitsträume, wie das "Goldene Zeitalter". Immer jedoch geht es Marées um das Zusammensein des Menschen in harmonischem Einklang mit der Natur. Die Ausstellung im Mittelgeschoß umfasst etwa 100 Gemälde, Skulpturen und großformatige Rötelzeichnungen.