Koranwissenschaften und Gebetbücher

10.03.2007 bis 22.04.2007

Pergamonmuseum

Die Handschriften des Korans haben, besonders in der islamischen Frühzeit, stets den höchsten ästhetischen Anspruch an Kalligraphie und Buchkunst dargestellt. Viel schlichter ist die Gestaltung von Kommentaren zum Heiligen Text, auch von Gebetbüchern für den mehr oder weniger begüterten Auftraggeber. Die Formen der Buchausschmückung werden seit der Seldschukenzeit (12./13. Jh.) und vor allem unter den Osmanen festgelegt. Unter den Gelehrten, die in stets verfeinerten Randkommentaren und Glossen versuchen, den Sinn der Offenbarung zu ergründen, hat sich gelegentlich sogar ein spielerischer Umgang mit diesen allmählich hinzugefügten Bemerkungen durchgesetzt. Die Zitate und Bemerkungen werden in winziger Schrift ("Staubschrift") in ornamentalen Feldern gruppiert, zu geometrischen oder vegetabilen Formen. Bei einem über das Osmanische Reich und wohl auch Iran weit verbreiteten Gebetbuch auf den Propheten Muhammad überraschen die Abbildungen von Mekka und Medina, aber auch heiliger Objekte wie seiner Sandalen, als visuelle Einstimmung des Gläubigen auf die Heilsgeschichte.