Humboldt Lab Dahlem: Probebühne 7

25.06.2015 bis 18.10.2015
Dahlem

Noch sind längst nicht alle Fragen beantwortet, und viele stellen sich erst jetzt. Dennoch präsentiert das Humboldt Lab Dahlem ein letztes Mal neue Arbeitsergebnisse. Ende 2015 läuft nach knapp vier Jahren das Zukunftsprogramm für das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst in den Museen Dahlem  – Staatliche Museen zu Berlin aus, das sich der Erprobung von Ausstellungsformaten im Humboldt-Forum verschrieben hat.

Unter den Projekten der Probebühne 7 finden sich ein Vermittlungslabor für Jugendliche, eine mit VertreterInnen einer Herkunftsregion der Sammlung entwickelte Online-Kommunikationsplattform sowie verschiedene Interventionen von bildenden KünstlerInnen. Symposien und Workshops gehören ebenfalls zum Programm – die Diskussion ist intensiver denn je. Parallel wird die Ausstellung »Prinzip Labor« gezeigt. Sie stellt die konkreten Resultate, Arbeitsweisen und Denkanstöße des Humboldt Lab Dahlem vor und zieht eine kritische und zugleich optimistische Bilanz dieser Experimente.

(K)ein Platz an der Sonne
Was bedeutet der deutsche Kolonialismus für Jugendliche von heute? Wo berührt dieses historische und belastete Thema ihre Lebenswelt? Und lässt es sich im Museumsraum überhaupt »erzählen« oder »darstellen«?
Zu diesen Fragen hat ein Team von VermittlerInnen, SzenografInnen und WissenschaftlerInnen mögliche Antworten herausgearbeitet und einen Raum entworfen, in dem verschiedene Stimmen zu Wort kommen. Darin werden unterschiedliche Vermittlungsformate und Diskussionsangebote für jugendliche BesucherInnen erprobt. »(K)ein Platz an der Sonne« versteht sich als Einladung, die für viele Bereiche des Ethnologischen Museums grundlegende Thematik des Kolonialismus aufzunehmen und zu verhandeln; die Erfahrungen werden für das Humboldt-Forum genutzt.
Ein Projekt von Ute Marxreiter, Charlotte Kaiser, Paul Beaury, Cassandra Ellerbe-Dück und Indra Lopez Velasco.
12.07. Kuratorinnenführung

Korea ausstellen
Ist es möglich, eine Raumgestaltung oder Inszenierung mit regionaler Prägung zu schaffen, die Klischees vermeidet und über eine folkloristische Anmutung und ein Zitieren lokaler Formensprachen hinausgeht? Diese Frage untersucht die Kuratorin Uta Rahman-Steinert mit den KünstlerInnen Jaeeun CHOI, Inhwan OH, Jae Yong RHEE, Meekyoung SHIN und MinHwa SUNG für den Sammlungsbereich Korea im zukünftigen Humboldt-Forum. Ziel ist es, dort den zahlenmäßig geringen Bestand an Werken koreanischer Provenienz des Museums für Asiatische Kunst durch eine aus dem Rahmen fallende Inszenierung hervorzuheben. Diese Kooperation stellt die interne Deutungshoheit der Institution Museum auch auf der Gestaltungs- und Präsentationsebene infrage. Gleichzeitig entwickelt sie einen unmittelbaren Gegenwartsbezug, der sich zu Fragen von Identität und Tradition positioniert.
Die Gestaltungsideen werden gemeinsam mit exemplarischen Werken der KünsterlInnen präsentiert. Kuratorische Beratung: Shi-ne OH.
04.10. Kuratorinnenführung

Paradies der Kopfjäger
Vor über hundert Jahren erlangten die Naga als Kopfjäger große Berühmtheit und wurden vom Westen als wilde Krieger stilisiert. Wie aber sehen sich die Naga als vielfältige und in Teilen moderne, urbane Gesellschaft heute? Wie sprechen sie über ihre Vergangenheit als gefürchtete Kopfjäger? Und warum waren Schädeltrophäen so wichtig?
Im Hinblick auf den entsprechenden Ausstellungsbereich im Humboldt-Forum eröffnet die Installation »Paradies der Kopfjäger« mit Filmen, Fotos, Tonaufnahmen, Texten und Objekten unterschiedliche Perspektiven auf das Kulturphänomen der Kopfjagd: Ein alter Nagakrieger erzählt, eine Frau legt alten Schmuck an, zwei Forscher und ein Pastor geben Auskunft, Männer auf der Dorfstraße sprechen über die Bedeutung besonderer Gegenstände.
Ein Projekt von Roland Platz, Luxoom Medienprojekte und Andrea Rostásy.
05.07. Kuratorenführung


Sammlungen schauen
Öffentlich zugängliche Schau- und Studiensammlungen nehmen in der Ausstellungsplanung für das Humboldt-Forum einen vergleichsweise prominenten Platz ein. Insbesondere das Ethnologische Museum, aber auch das Museum für Asiatische Kunst sehen mehrere sogenannte Schaumagazine vor: hohe und dicht gefüllte Vitrinen, in denen die Bedeutung des einzelnen Objekts hinter die des jeweiligen Sammlungsbestands zurücktritt.
Doch was bringt solche Dichte und Fülle dem Publikum? Was soll ihm gerade hier gezeigt und vermittelt werden? Und welche besonderen Möglichkeiten der Präsentation und der Erzählung bieten sich dazu?
»Sammlungen schauen«  geht diesem Potenzial nach und produziert ein Manual, das für die weitere Planungsarbeit entscheidende Vorgaben, Anregungen und Kriterien liefert. Für die Probebühne entwickeln die beiden Kuratorinnen Nicola Lepp und Nina Wiedemeyer eine Slide-Show, in der sie die musealen und medialen Herausforderungen verdichteter Präsentationen ausbreiten.


Springer, nochmals
Die Interventionen für »Springer, nochmals« erweitern die Dauerausstellungen im Ethnologischen Museum an ausgewählten Orten um künstlerische Perspektiven. Die Anregung dafür kommt – wie bereits in der Probebühne 1 – von der gleichnamigen Schachfigur, die überraschend Haken schlagen kann. Entsprechend erlauben die Gedankensprünge dieses Projekts, große thematische, regionale, kulturelle oder zeitliche Distanzen zu überwinden und damit gleichsam um die Ecke zu denken.
Die Kuratorin Angela Rosenberg hat vier internationale, in Berlin lebende KünstlerInnen eingeladen, ausgewählte Exponate neu in Szene zu setzen: Nevin Aladag, Kader Attia, Sunah Choi und Mathilde ter Heijne. Ihre Eingriffe zeigen exemplarisch Möglichkeiten einer subjektiven Auseinandersetzung mit Sammlungsobjekten auf, die den wissenschaftlichen Diskurs der Museumspräsentation inhaltlich und formal ergänzen können.
20.09. Kuratorinnenführung

Wissen teilen
»Wissen teilen« – der Projekttitel ist Programm. Seit dem Frühjahr 2014 arbeiten das Ethnologische Museum und die Universidad Nacional Experimental Indígena del Tauca (Venezuela) gemeinsam am Aufbau einer interaktiven Webplattform. Auf dieser kann Wissen um ethnografische Objekte aus Amazonien gebündelt, geteilt und erweitert werden. Neben historischen Ethnografika, die sich in Berlin befinden, werden auch neu entstehende Objekte aus Tauca diskutiert. Jede Beschreibung und Deutung dieser Objekte ist verhandel- und veränderbar: ein gemeinsamer und vielstimmiger Wissensraum entsteht.
Die Probebühne 7 präsentiert das von Andrea Scholz initiierte Projekt mit der vom Studio NAND programmierten Plattform erstmals der Öffentlichkeit: Es wird die Amazonasausstellung im Humboldt-Forum prägen; das Publikum erhält dadurch Einblick in lebendiges indigenes Wissen der Gegenwart.
27.09. Kuratorinnenführung

Das Humboldt Lab Dahlem (2012 bis 2015) ist ein Projekt der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

www.humboldt-lab.de

Lansstraße 8 / Arnimallee 25
14195 Berlin

eingeschränkt rollstuhlgeeignet

U-Bahn U3 (Dahlem-Dorf)
Bus M11, X83 (U Dahlem-Dorf); 101 (Limonenstraße); 110 (Domäne Dahlem)

So 11:00 - 18:00
Mo geschlossen
Di 10:00 - 17:00
Mi 10:00 - 17:00
Do 10:00 - 17:00
Fr 10:00 - 17:00
Sa 11:00 - 18:00

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Öffnungszeiten
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

Bitte beachten Sie, dass die Ausstellungen Südsee und Indianer Nordamerikas des Ethnologischen Museums sowie das Juniormuseum seit dem 11. Januar 2016 geschlossen sind.

Tel 030 - 266 42 42 42 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)
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