Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus

12.04.2019 bis 15.09.2019
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Der Expressionist Emil Nolde ist der wohl berühmteste ‚entartete Künstler‘: von keinem anderen Künstler wurden so viele Arbeiten beschlagnahmt, keine anderen Werke hingen so prominent auf den ersten Stationen der Ausstellung Entartete Kunst von 1937/38. Wie passen Noldes Verfemung und sein Berufsverbot zu unserem Wissen, dass er NS-Parteimitglied war und bis zum Kriegsende den Glauben an das nationalsozialistische Regime nicht verlor? Der Kunstkritiker Adolf Behne hob auf Noldes speziellen Fall ab, indem er ihn zum 80. Geburtstag 1947 pointiert als „entarteter Entarteter‘ bezeichnete.

Dass Emil Nolde ein Parteimitglied war, ist seit langem bekannt. Aber was dies mit seiner Kunst zu tun hat, und wie sich die historischen Umstände des Nationalsozialismus auf sein Kunstschaffen ausgewirkt haben, ist bisher noch nie umfassend in einer Ausstellung untersucht worden.

Noldes Seebüll in der Ausstellung

Die Ausstellung Emil Nolde – eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus beruht auf den Ergebnissen eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsprojekts, das erstmals die umfangreichen Bestände des Nolde -Nachlasses in Seebüll auswerten konnte und dabei so viel Neues zu Tage brachte, dass die hergebrachte Nolde-Erzählung revidiert werden muss. So wird die Ausstellung zum Beispiel die berühmten „Ungemalten Bilder” – die kleinformatigen Aquarelle, die Nolde angeblich während der Zeit seines Berufsverbots heimlich in Seebüll malte – in einem ganz neuen Licht präsentieren und als Teil einer langjährigen Praxis der Selbst stilisierung erklären.

Wie wichtig diese Selbststilisierung ist – und wie stark sie unseren Blick auf Nolde beeinflusst – wird den Besuchern durch eine Rekonstruktion des Bildersaals in Noldes Atelierhaus in Seebüll vor Augen geführt. Diese Rekonstruktion zeigt die Hängung von Gemälden und Aquarellen, wie sie der alte Künstler im Kriegswinter 1941/42 selbst vornahm.

Bislang ungezeigte Originale

Mit über 100 teilweise bislang nicht gezeigten Originalen, die mit Bezug auf Noldes Schriften und im Kontext ihrer historischen Entstehungsumstände präsentiert werden, möchte die Ausstellung die vielschichtigen Beziehungen zwischen Bildern, Selbstinszenierungen des Künstlers, Verfemdung und Legendenbildung aufzeigen: Wie wirkte sich das ‚Dritte Reich’ auf Emil Noldes künstlerisches Werk aus? Inwiefern korrespondieren einige seiner Werke, beispielsweise seine Darstellungen mythischer Opferszenen oder nordischer Menschen, mit seinen Sympathien für das Regime? Welche Auswirkungen hatten die Diffamierung und das Berufsverbot auf Noldes künstlerische Praxis, und auf seine politische Einstellung? Und wie entstanden die Nolde -Mythen der Nachkriegszeit?

Zur Ausstellung erscheinen ein reich bebilderter Essay - und Bildband (auch in einer englischen Auflage) sowie ein separater Band mit einer Chronik und über 100 Dokumenten im Prestel Verlag.

Eine Ausstellung der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, in Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll, kuratiert von Bernhard Fulda, Christian Ring und Aya Soika, ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie und unter stützt durch die Friede Springer Stiftung.

Neue Galerie

Die Ausstellung findet in der sogenannten "Neuen Galerie" statt. Die "Neue Galerie“ im Hamburger Bahnhof fungiert als Dependance für die Neue Nationalgalerie während der Dauer ihrer Sanierung. In wechselnden Präsentationen werden Ausschnitte aus der Sammlung zur Kunst des frühen 20. Jahrhunderts vorgestellt. Die "Neue Galerie" eröffnete mit Die Schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung 1933-1945 (2015) und zeigte Ausstellungen zu Ernst Ludwig Kirchner (2016), Rudolph Belling (2017) und Otto Mueller (2018).

Angebote für

Emil Nolde, Herrin und Fremdling, o. D. (wahrscheinlich Vorlage für das Gemälde Nordische
Menschen, 1938), Aquarell, 17,1 × 22,5 cm, Nolde Stiftung Seebüll,
Foto: Dirk Dunkelberg, Berlin
© Nolde Stiftung Seebüll
Die Geschichten der Bilder. Kurator*innenführung mit Aya Soika (Bard College Berlin) und Bernhard Fulda (Universität Cambridge)

Fr 03.05.2019 14:00 Uhr
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Kuratorenführung
Weitere Termine : Fr 13.09.2019  

Emil Nolde, Brennendes Gehöft, undatiert (Ausschnitt)
© Nolde Stiftung Seebüll
Akademie | Gesprächsreihe 9
Emil Nolde – ein verfolgter Künstler?

Di 14.05.2019 16:00 Uhr
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Akademie: Gespräche zu Kunst und Kultur (mehrtägig)

Besuchereingang

Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin

vollständig rollstuhlgeeignet

S+U Hauptbahnhof:
U-Bahn U55
S-Bahn S5, S7, S75
Tram M5, M8, M10
Bus TXL, 120, 123, 142, 147, 245, M41, M85, N20, N40

So 11:00 - 18:00
Mo geschlossen
Di 10:00 - 18:00
Mi 10:00 - 18:00
Do 10:00 - 20:00
Fr 10:00 - 18:00
Sa 11:00 - 18:00

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Besuch planen
Kassenschluss und letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

Emil Nolde Eine deutsche Legende. Der Künster im Nationalsozialismus
8,00 EUR ermäßigt 4,00

Hamburger Bahnhof + Sonderausstellungen
14,00 EUR ermäßigt 7,00
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Jahreskarte Staatliche Museen zu Berlin
Ab 25,00 EUR

Weitere Informationen

Tel 030 - 266 42 42 42 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)
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