Design Lab #11
LithoMania

21.01.2022 bis 03.04.2022
Kunstgewerbemuseum

Das Design Lab #11 entsteht in Kooperation mit dem Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier. Als eines der bedeutendsten Zentren für Edelstein in Europa bildet Idar-Oberstein einen zentralen Knotenpunkt in einem weltweiten Netzwerk von Steinhandel und Steinbearbeitung. Hier kommen Studierende aus aller Welt zusammen, um sich mit dieser Materie künstlerisch und gestalterisch auseinanderzusetzen. Für das „Design Lab #11. LithoMania“ sind sie eingeladen, Edelsteine über die Schmuckgestaltung hinausgehend in ihrer komplexen Ambivalenz zu untersuchen.

LithoMania

Steinsammlungen, kleine Skulpturen, Juwelen aus kostbaren Steinen faszinieren Menschen, lösen Sehnsüchte aus. Gier und kriminelle Handlungen leiten sich daraus ab. Ihr Abbau zerstört Landschaften, ist Anlass für blutige Konflikte. Andererseits führen Handel und Verarbeitung von Steinen seit Jahrtausenden Menschen aus den entlegensten Regionen der Welt zusammen und sind Anlass für Austausch und Innovation. Die Identität einer sozialen Gemeinschaft kann sich an einzelnen, besonderen Steinen verankern. Sie gelten als heilig oder sind Teil von Objekten, welche in identitätskonstituierenden Riten von Bedeutung sind. Waren Edelsteine früher nur wenigen zugänglich, sind sie heute leicht konsumierbare Massenprodukte geworden. Trotzdem ermöglichen die Eigenschaften der Steine - ihre Musterung, Farbigkeit, Härte - über die sinnliche Wahrnehmung einen symbolischen Zugang zu dem Material, zu einer Ideen- und Vorstellungswelt, die oftmals eine tiefe emotionale Bindung hervorruft.

Kunstgewerbemuseen als Materialarchive

Kunstgewerbemuseen sind per se immer auch Materialarchive, denn ihre Sammlungen wurden seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert nach Material und Herkunft strukturiert und präsentiert - und werden es teilweise immer noch. Von der politischen Seite erzählen die Sammlungspräsentationen bislang jedoch selten etwas. Der Fokus liegt vielmehr auf der Virtuosität der handwerklichen Bearbeitung und dem künstlerischen Entwurf. Über die Jahrhunderte dienten edle und aus westlicher Sicht fremde und unbekannte Materialien der Repräsentation von gesellschaftlichem Status und politischem Einfluss. Insbesondere (Edel)steine galten darüber hinaus als magische Objekte und dienten dem religiösen Kult, wovon vor allem die Exponate der mittelalterlichen Kirchenkunst zeugen. In Renaissance und Barock, der Blütezeit der Steinschneidekunst, erhob sich der Künstler zum Beherrscher der Natur und formte den Stein entgegen seinen physikalischen Eigenschaften. Künstlerisch bearbeitete Steine findet man in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums aus unterschiedlichen Epochen und in ganz unterschiedlichen Formen und Funktionen, als Objekt oder als Schmuck.

Campus Idar-Oberstein

Idar-Oberstein lautet der Name eines einzigartigen Ortes in Deutschland, in dessen DNA Stein als Material eingeschrieben ist. Als eines der bedeutendsten Zentren für Edelstein weltweit bildet er einen zentralen Knotenpunkt im globalen Netzwerk von Steinhandel und Steinbearbeitung. Umgekehrt hat der Stein die Region und die Menschen über Jahrhunderte geprägt. Seit dem 19. Jahrhundert haben sich hier Spezialisten für das Schleifen und Gravieren von seltenen Steinen etabliert und Idar-Oberstein in eine große Werkstatt für besondere handwerkliche Kulturtechniken transformiert, deren Kenntnisse jedoch heute immer mehr verloren gehen.

Der Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier hat sich nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als die Geschichte und Tradition des Ortes, die mit ihm verwobenen Kulturtechniken und das kulturelle Wissen zu reaktivieren und mit zeitgenössischem Kunstverständnis und Könnerschaft in die globalisierte Gegenwart zu führen.

Publikation und experimentelle Kooperation

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation (Leseprobe online als PDF, 5,5 MB) im Verlag Arnoldsche.

Die Ausstellung wird kuratiert von Claudia Banz und Theo Smeets.

Folgende Studierende stellen aus:  Ana Bellagamba (MX), Natascha Frechen BFA (DE), Sandra Hartman (NL), Mana Jahangard (IR), Biljana Klekachkoska (MK), Sophia Kron (DE), Felicia Mülbaier (DE), Gina Nadine Müller BFA (DE), Elias Neuspiel (AT), Helena Renner (DE), Constanza Salinas (CI), Miriam Strake (AT),  Nioosha Vaezzadehangoshtarsaz (IR), Luisa Werner (DE), Lisha Wang (CN) und Ye Wang (CN) und folgende Künstler*innen:  Peter Vermandere (BE) und Cornelia Wruck (DE).

Eine experimentelle Kooperation und Sonderausstellung des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin mit Studierenden am Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier.

Über die Reihe „Design Lab“

Die Ausstellungsreihe „Design Lab“ lädt seit 2019 ausgewählte Designstudios, Studierende und Aktivist*innen ein, aktuelle Projekte vorzustellen und in einen Diskurs mit der Sammlung des Kunstgewerbemuseums zu treten. Kuratiert wird die Reihe von Claudia Banz, Kuratorin für Design am Kunstgewerbemuseum. Sie wird gefördert durch das Kuratorium Preußischer Kulturbesitz.

Matthäikirchplatz
10785 Berlin

vollständig rollstuhlgeeignet

U-Bahn: Potsdamer Platz
S-Bahn: Potsdamer Platz
Bus: Potsdamer Brücke, Potsdamer Platz Bhf / Voßstraße, Kulturforum, Philharmonie

So 11:00 - 18:00
Mo geschlossen
Di 10:00 - 18:00
Mi 10:00 - 18:00
Do 10:00 - 18:00
Fr 10:00 - 18:00
Sa 11:00 - 18:00

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Öffnungszeiten

Museumskarte Kunstgewerbemuseum Kulturforum
8,00 EUR ermäßigt 4,00
Kunstgewerbemuseum Kulturforum
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Jahreskarte ab 25 €
kostenfreies Zeitfenster nötig

Tel 030 - 266 42 42 42 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)
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