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Claudia Skoda
Dressed to Thrill

18.12.2020 bis 11.04.2021
Kulturforum

Claudia Skoda (*1943 in Berlin) ist mit ihrer Mode eine Schlüsselfigur und Ikone der West-Berliner Undergroundszene der 1970er- und 80er-Jahre. Mit ihren außergewöhnlichen Designs revolutionierte sie das Verständnis von Strickmode; ihre spektakulären Modenschauen sorgten international für Aufsehen. Mit dieser ersten Einzelschau würdigt die Kunstbibliothek das Schaffen Claudia Skodas – in ihrer Heimatstadt Berlin. Die multimediale Sonderausstellung präsentiert rund 200 z. T. noch nie gezeigte Arbeiten von Claudia Skoda und Wegbegleiter*innen wie Martin Kippenberger, Luciano Castelli, Ulrike Ottinger, Tabea Blumenschein, Kraftwerk, Jim Rakete und vielen mehr.

Bereits in den 1980er Jahren galt ihr Design international als „Knitted Genius“ (Key, 1984) und sie selbst als „Queen of Texture“ (Paper, 1985). Sie ist für die Zeitschrift Elle neben Coco Chanel, Vivienne Westwood und Madonna eine der Frauen, die den Look des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Bis heute arbeitet Claudia Skoda mit Kreativen verschiedenster Disziplinen zusammen – und bleibt zugleich die Königin ihres eigenen Metiers: Das Stricken, bevorzugt auf der Maschine. In ihrer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft „fabrikneu“ in einer Fabriketage in der Zossener Straße in Kreuzberg traf sich ab Mitte der 1970er-Jahre die West-Berliner Bohème: Musiker*innen, Filmemacher*innen, Künstler*innen, Modemacher*innen.

Die Sonderausstellung im Kulturforum nähert sich dem Werk und Leben von Claudia Skoda in sieben thematischen Kapiteln:

fabrikneu: frühe Jahre, Fußboden und Modenschauen

Im Kapitel „fabrikneu“ werden die frühen Jahre Skodas und ihre ersten Modeschauen in Kreuzberg thematisiert, wie „Shake Your Hips“ (1975), „Neues Spiel“ (1976) und „Pablo Picasso“ (1977). Der damals noch unbekannte Martin Kippenberger kreierte einen Fußboden mit rund 1.300 Fotografien von sich, Ulrike Ottinger und Esther Friedman – „Eine Woche aus dem Intimleben der Fam. Skoda und Bekanntenkreis“, so der Titel des Werks.

In der Ausstellung wird der Fußboden und auf ihm eine Auswahl an frühen Strickdesigns von Claudia Skoda zu sehen sein. Parallel lassen Super-8-Filme, Dias und Fotografien die fabrikneu-Modenschauen wieder aufleben.

Verhältnis zur Musik

Im nächsten Kapitel wird das besondere Verhältnis Claudia Skodas zur Musik erörtert: Es gehörten nicht nur zahlreiche Musiker*innen zu ihrem Kundenkreis – u. a. David Bowie, Malaria!, Tangerine Dream, die Neonbabies, Donna Summer, Cher, Tina Turner und Rufus Wainwright – ihre Kollektionen sind auch voller Anspielungen auf verschiedenste Musikrichtungen – Jazz, Glamrock, Disco, Punk, Elektro.

1981 wechselte Skoda für kurze Zeit selbst die Disziplin und landete gemeinsam mit Rosie Müller mit ihrer EP „I bin a Domina“ einen Undergroundhit. Elektromusik-Pionier Manuel Göttsching mischte das Stück, Ralf Hütter und Karl Bartos von der Band Kraftwerk gestalteten das Cover.

Extravagante Modenschauen

Ein weiteres Kapitel widmet sich Claudia Skodas extravaganten Modenschauen, vor allem „Laufsteg“ (1978), „Big Birds“ (1979), „Trommelfeuer“ (1982) und „Veit Fights“ (1983). Skoda setzte sich für jede dieser Shows ein Thema, das konsequent als Konzept in Choreographie, Styling, Musik und Plakatgestaltung bis zu einem Grad verfolgt wurde, wie es zu dieser Zeit noch nicht in der Modebranche üblich war. Mit diesen multidisziplinären Gesamtkunstwerken wurde sie zur Vorreiterin in der künstlerisch kontextualisierten Modepräsentation.

Zu „Big Birds“ beispielsweise gab es keinen Laufsteg, stattdessen wurde der Raum mit Absperrgittern durchtrennt und nur von einzelnen starken Scheinwerferkegeln beleuchtet. Das australische Performance-Duo Emu schlüpfte zu Beginn der Schau aus einem großen Ei. Parallel dazu lief ein Film mit Pinguinen in der Antarktis. Performer schwangen sich fast nackt und am ganzen Körper geschminkt auf einem Hochtrapez über die Models, die sich wie Vögel zu Elektrobeats bewegten. Skoda hatte sie zuvor in den Zoologischen Garten geschickt, um das Verhalten von Vögeln zu studieren.

Self-made Woman

Claudia Skodas DIY-Attitude wird im Kapitel „Self-made Woman“ thematisiert. Von Anbeginn arbeitete Claudia Skoda eigenständig. Die ausgeklügelte Formgebung einzelner Kollektionsteile ist wegen ihrer Komplexität für die Herstellung in größeren Serien unrentabel. Skoda wählt nicht selten Garne, die von der Industrie gar nicht verarbeitet werden können.

Auch in der Werbung und im Vertrieb bleibt Claudia Skoda unkonventionell: Bis 1982 nutzte sie fabrikneu als Strickatelier, promotete ihre Mode ausschließlich auf Messen und Modenschauen und belieferte einzelne ausgewählte Boutiquen in Düsseldorf, Paris, London oder New York mit einzelnen Kollektionsteilen. Ihren ersten eigenen Laden eröffnete sie – nach Rat von David Bowie – in SoHo in New York.

1988 holte der West-Berliner Senat sie in ihre Geburtsstadt zurück, um die Eröffnungsgala zur Kulturstadt Europas zu organisieren. Mit „Dressater – Dressed to Thrill“ kuratierte Skoda eine multidisziplinäre Schau und lud dazu innovative Modedesigner*innen aus der ganzen Welt ein. Als die Mauer ein Jahr später fiel, fiel auch Skodas Entscheidung zu bleiben. Es folgten Läden auf dem Ku'damm, der Linienstraße und der Alten Schönhauser Allee.

Frauenfreundschaften und Frauenrollen

Skodas ikonisches „Jazz“-Muster war insbesondere Ende der 1970er als Unisex-Leggings allseits beliebt. Besonders liebt sie es jedoch den weiblichen Körper zu umgarnen. Ihre Kleider sind charakteristischerweise für selbstbewusste Frauen gestrickt: Hauteng, durchsichtig, expressiv, oft in erstaunlichen Farbkombinationen. Dieser verspielte und freizügige Zugang zum Thema Körper ist für sie kennzeichnend.

Im Kapitel „Frauenfreundschaften und Frauenrollen“ zeigt die Ausstellung, wie Skoda und ihre Kolleginnen und Freundinnen zusammenwirken. Unter anderem werden Fotoserien der Nachtsessions gezeigt, in denen Skoda gemeinsam mit Tabea Blumenschein und Jenny Capitain spontan feminine Looks in Rollenspielen vor der Fotokamera Ulrike Ottingers durchdekliniert – von glamourösen Diven der 1920er- bis zu blondierten Sexbomben der 1950er-Jahre.

Modefotografie von Kunstfotograf*innen

Im Kapitel „Modefotografie“ wird Skodas ungewöhnliche Herangehensweise sowie ihr Faible für Fotografie deutlich. Skoda lässt ihre Strickdesigns nicht von bewährten Modefotograf*innen, sondern von Kunstfotograf*innen ablichten wie Silke Grossmann, Tina Winkhaus und Daniel 'DJ Punk' Josefsohn. In der Modefotografie Skodas geht es nicht in erster Linie um die Darstellung ihres Produkts, sondern um ein ästhetisches Konzept, um Stimmung, um Materialität.

Kunst und Mode

Immer wieder bewegt sich Skoda mit ihren Kollaborationen nah an der Kunst: Für die Edition „Masterpieces“ von 1986 gewann sie Entwürfe aus dem Kreis der Neuen Wilden von der ehemaligen Galerie am Moritzplatz – Rainer Fetting, Anne Jud, Salomé, Luciano Castelli – die sie in limitierter Auflage in Strick umsetzte. Alle noch existierenden Entwürfe werden in der Ausstellung im Kapitel „Kunst und Mode“ gezeigt.

Ebenfalls wird die von Skoda konzipierte Performance „Deep Diving for Whales“ 1997 im Deutschen Guggenheim dokumentiert. Für diesen Anlass strickte sie farbenreiche Ganzkörperanzüge, von denen sich in einen Strickschlauch eingelassene, große, mit Helium gefüllte Ballons zur Decke streckten, während sich die Models amphibienhaft durch den Raum bewegten.

Ausstellung als multimediale Dokumentation

Die Ausstellung dokumentiert auf 400qm mit Mode, Fotografien, Plakaten, Filmen und Musik multimedial das Schaffen der Modemacherin Claudia Skoda in all seiner Vielseitigkeit. Zugleich wird ein Eindruck von der experimentierfreudigen Energie und dem Zeitgeist der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre in West-Berlin vermittelt. Ein Großteil der Exponate stammt aus Claudia Skodas eigenem Archiv sowie aus Privatarchiven von Zeitzeug*innen und Freund*innen. Viele der gezeigten Werke sind nie oder für lange Zeit nicht öffentlich zu sehen gewesen.

Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek

Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, die mit der „Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek“ eines der weltweit bedeutendsten Bild- und Textarchive zur Geschichte der Mode besitzt, wendet sich mit der Ausstellung verstärkt der wissenschaftlichen Erforschung der Modenetzwerke Berlins Ende des 20. Jahrhunderts zu. Mit der Ausstellung geht ein Großteil des privaten Archivs von Claudia Skoda in den Bestand der Sammlung über und steht somit zukünftigen Generationen von Forscher*innen zur Verfügung.

Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kettler Verlag, mit Beiträgen von Heidi Blöcher, Britta Bommert, Fiona McGovern, Esther Ruelfs, Marie Arleth Skov sowie einer persönliche Hommage von Wolfgang Joop an Claudia Skoda. Deutsch/Englisch, Hardcover, ca. 248 Seiten, ca. 200 Abbildungen, ISBN 978-3-86206-829-6, Buchhandelspreis 42 €.

Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek in Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin, gefördert vom Hauptstadtkulturfonds

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