Armando als Zeichner

25.08.2001 bis 02.12.2001

Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett stellt mit einer Retrospektive das zeichnerische Werk des 1929 in Amsterdam geborenen und seit mehr als zwanzig Jahren in Berlin lebenden vielseitigen Künstlers Armando vor. Die künstlerische Sicht Armandos wurde wesentlich durch seine Erlebnisse als Jugendlicher in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges geprägt, als er in Amersfoort, einer Kleinstadt bei Amsterdam, lebte, in der deutsche Besatzer ein Durchgangslager und späteres Konzentrationslager errichtet hatten.

So wurde nach einem informell-gestischen Frühwerk, das in der Ausstellung mit Beispielen aus der Mitte der fünfziger Jahre vertreten ist, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit der Dialektik von Opfer und Täter, Schuld und Unschuld zu einem bestimmenden Thema sowohl seiner zumeist monochromen, ernsten Bilder als auch seiner oft mehrteiligen Zeichnungen, die fast ausschließlich auf dem sensiblen Einsatz des Graphitstiftes beruhen. Zuweilen kombiniert der Künstler die sparsame Linie mit dokumentarischen Schwarz-Weiß-Fotos, die die Erinnerung an mit dem Krieg verbundene Ereignisse wachrufen oder aber auch mit alten Postkarten vom Trödelmarkt. In dieser Kombination gestaltete Armando um 1980 eine ganze Serie relativ großformatiger Arbeiten mit dem bezeichnenden Titel "Anmerkungen zur Vergangenheit", der als Thematik generell über dem Gesamtwerk des Künstlers stehen könnte: Denn auch als Schriftsteller und ebenso in seinem bildhauerischen Werk, aus dem drei Skulpturen gezeigt werden, setzt er sich mit der Vergangenheit und dem Phänomen der verrinnenden Zeit auseinander, auch hier reflektiert er die Problematik von Macht und Gewalt, das nahe Beieinander von Gut und Böse mit den mannigfachen Zwischenstufen.

Daneben gibt es in Armandos Zeichnungen bis in die jüngste Gegenwart die spontane Niederschrift, den Ausdruck höchster geistiger Konzentration mittels der vibrierenden Linie. Diese zarten, geradezu immateriellen Gebilde stehen in einem auffälligen Kontrast zu den kompakten Bildern und Plastiken des Künstlers, die wie aus einer zähflüssigen Materie geformt erscheinen. Armando selbst erklärt die unterschiedlichen Ausdrucksweisen seines künstlerischen Tuns mit der Metapher des Baumes: "Alles, was ich mache, sind die Äste eines Baumes".