Ideal und Form. Skulpturen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung der Nationalgalerie

Dauerausstellung
Friedrichswerdersche Kirche

Die von Karl Friedrich Schinkel geplante und in den Jahren 1824 bis 1830 erbaute Friedrichswerdersche Kirche ist seit 1987 Museumskirche und zugleich Dependance der Alten Nationalgalerie. Sie bietet die einzigartige Möglichkeit, Skulpturen des 19. Jahrhunderts in einer weitestgehend original erhaltenen Architektur aus eben jener Zeit zu erleben – und das bei wechselndem Licht immer wieder neu. Als die umfassendste Sammlung skulpturaler Kunst des 19. Jahrhunderts nimmt der Skulpturenbestand der Nationalgalerie eine herausragende Stellung innerhalb der deutschen Museumslandschaft ein. 

Ideal und Form

Die Ausstellung „Ideal und Form“ zeichnet mit Skulpturen und Plastiken von der Schinkelzeit bis zum Kaiserreich die Entwicklungslinien des langen 19. Jahrhunderts in die Moderne nach und lädt ein, die seinerzeit bereits international ausgerichtete Berliner Bildhauerschule neu zu entdecken.

Mit mehr als fünfzig zum Teil überlebensgroßen Skulpturen gibt die Ausstellung einen Gesamtüberblick über die Berliner Bildhauerschule und ihre internationalen Verflechtungen. Ausgestellt sind bedeutende Werke von Johann Gottfried und Emil Wolff, Christian Daniel Rauch, darüber hinaus Werke von Bildhauerinnen wie Angelica Facius, Elisabet Ney oder Anna von Kahle sowie Werke der Deutschrömer, unter ihnen einzigartige Arbeiten von Adolf von Hildebrand oder Arthur Volkmann.

Anfänge der Berliner Bildhauerschule – Französische Einflüsse

1747 etablierte Friedrich der Große als erster preußischer Herrscher ein offizielles Hofbildhaueratelier, das für die Entwicklung der Bildhauerkunst in Berlin hin zu einer Berliner Bildhauerschule von größter Bedeutung werden sollte. Vor Johann Gottfried Schadow bekleideten drei französische bzw. in Frankreich geschulte Künstler das Amt des Hofbildhauers, darunter Jean-Pierre Antoine Tassaert, an dessen Mendelssohn-Porträt sein Schüler Schadow mitarbeitete. Die in Frankreich erprobten Techniken der Marmorbearbeitung sowie des Bronzegusses galten als vorbildhaft und grundlegend für die Ausbildung eigener Talente.

Zwischen Antike und Moderne – Berliner Bildhauer in Rom

Erst das persönliche Erleben der antiken Kunstwerke konnte – nach Ansicht des wichtigsten Vordenkers des Klassizismus, Johann Joachim Winckelmann – einen Künstler vollenden. So wurde Rom Kulminationspunkt einer internationalen Bildhauerszene und der Besuch der „ewigen Stadt“ fester Bestandteil fast jeder Bildhauervita. Einige Künstler wie Rudolf Schadow, Heinrich Kümmel oder Emil Wolff blieben fast ihr ganzes Künstlerleben in Italien, vermittelten und restaurierten antike Originale und adaptierten die normative menschliche Gestaltung für eigene, beim Publikum beliebte Themenkreise. Erst zur Jahrhundertwende sollte Paris zum wichtigsten Ort der Künstlerausbildung avancieren.

Erfolgsexporte – Berlin in England und den USA

War zu Anfang des Jahrhunderts die würdevolle, auf Ausgleich und Harmonie ausgerichtete Erscheinung der Antike Maßstab jeder Komposition, so studierten die angehenden Bildhauer in Italien ab der Jahrhundertmitte zunehmend die kraftvollen und dramatisch bewegten Werke Michelangelos und Berninis. Weltausstellungen und Wettbewerbe mit internationaler Beteiligung sowie persönliche Sammlerinteressen beförderten die Verbreitung deutscher Bildhauerei in England und Amerika. Abgüsse von gefeierten Werken der Berliner Bildhauerschule wie August Kiss’ „Amazone“ oder Albert Wolffs „Löwenkämpfer“ finden sich ebenso in den USA wie auch zahlreiche Werke der nach Texas emigrierten Bildhauerin Elisabet Ney.

Erneuerer – Deutsch-Römer zwischen Berlin, Rom und Paris

Dem neobarocken Pathos ihrer Lehrer setzte um 1890 eine Generation von Bildhauern um Adolf von Hildebrand und Artur Volkmann einen neuen Ansatz entgegen: Nicht mehr die Überbietungsmechanismen einer Monumentalbildhauerei standen im Vordergrund, sondern zunehmende Konzentration und Reduktion waren vorrangige Ziele. Basierend auf jüngsten Ansätzen einer wissenschaftlichen Wahrnehmungspsychologie entwickelte ein in Italien ansässiger Kreis deutscher Künstler Werke von größtmöglicher inhaltlicher wie formaler Reduktion. Neben Rom avancierte Paris mit Auguste Rodin zu einem neuen vielbeachteten Zentrum moderner Bildhauerkunst

Eine Dauerausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung ist eine umfassende Publikation in deutscher und englischer Sprache erschienen.

Veranstaltung in der Friedrichswerderschen Kirche
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Anika Büssemeier
Skulptur im 19. Jahrhundert


Ausstellungsgespräch | 60 Minuten | 30 Euro

Fremdführung

Friedrichswerdersche Kirche
Fremdführung

Ralph Gleis, Alte Nationalgalerie
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Blick durch die Kolonnaden auf die Alte Nationalgalerie
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Reinhold Begas (1831–1911), Amor und Psyche, Skulptur / Marmor (1854–57)
© Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie / Andres Kilger
Tischtelefonapparat, Zwietusch, Hersteller, 1930er Jahre, Gebrauchsort: Berlin
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia

Werderscher Markt
10117 Berlin

eingeschränkt rollstuhlgeeignet

U-Bahn: Hausvogteiplatz, Französische Straße
Tram: Am Kupfergraben
Bus: Jerusalemer Straße, Staatsoper, Werderscher Markt

Klimafreundliche Anreise
Nahverkehr
Fernverkehr

So 10:00 - 18:00
Mo geschlossen
Di 10:00 - 18:00
Mi 10:00 - 18:00
Do 10:00 - 18:00
Fr 10:00 - 18:00
Sa 10:00 - 18:00

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Öffnungszeiten

Eintritt frei

Jahreskarte ab 25 €
ab 25 €

Weiterführende Links

Rundgang durch die Ausstellung „Ideal und Form" in der Friedrichwerderschen Kirche

Publikation „Im wechselnden Licht Skulpturen des 19. Jahrhunderts in der Friedrichswerderschen Kirche“ im Webshop der Staatlichen Museen zu Berlin