Eine Tagung des DFG-Transferprojekts „Evidenz ausstellen. Praxis und Theorie der musealen Vermittlung von ästhetischen Verfahren der Evidenzerzeugung“ des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin und des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin

„…und da kommt jetzt die Evidenzhängung ins Spiel…“ - diese Formulierung des legendären Ausstellungsmachers Harald Szeemann nimmt die Tagung zum Ausgangspunkt, um der Frage nachzugehen, wie in Museen und Ausstellungen durch expositorische Konstellationen Evidenzen erzeugt werden, die genuin visuelle objekt- und raumbezogene Dimensionen von Wissen, Erkenntnis und ästhetischer Bedeutung eröffnen.

Die Museum und Curatorial Studies haben sich in den letzten drei Jahrzehnten einem breiten Spektrum an Themen gewidmet, wie dem Status und den Praktiken der Kuratorinnen, Strategien und Semantiken von Inszenierungsmodi oder auch institutionskritischen, epistemologischen und vermittlungsorientierten Fragestellungen. Erst ansatzweise untersucht ist allerdings, wie sich in Ausstellungen Prozesse des Erkennens, Verstehens und Deutens vollziehen, in der Interaktion von Kunstwerken und anderen Artefakten, von institutionellen Räumen und Displays, von Sammlerinnen, Kuratorinnen und Besucherinnen.

Ziel der Tagung ist es, unterschiedliche theoretische Ansätze vorzustellen und zu diskutieren, die Ausstellungen als komplexe Konfigurationen einer ästhetischen Bedeutungserzeugung und -vermittlung beschreiben und analysieren. Diese methodische Perspektive wird auf Fallbeispiele der historischen und aktuellen Ausstellungspraxis bezogen, um auf diese Weise auch Zugänge zu den Verfahren eines nicht begrifflich verfassten kuratorischen Wissens zu erhalten.

Für das DFG-Transferprojekt „Evidenz ausstellen. Praxis und Theorie der musealen Vermittlung von ästhetischen Verfahren der Evidenzerzeugung“ des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin, das diese Tagung gemeinsam mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin veranstaltet, ist die enge Verkoppelung von Theorie geleiteter Forschung und praktischer Erprobung grundlegend. Nach der Ausstellung „Double Vision. Albrecht Dürer & William Kentridge“ (Berlin/Karlsruhe, 2015/16), die dem Projekt als Labor für expositorische Konstellationen diente, sollen nun im Rahmen der Tagung die multiplen Relationen, Prozesse und Dynamiken sowie die unterschiedlichen Wissensformen und -kategorien, die im Medium der Ausstellung in Erscheinung treten, theoretisch reflektiert werden.


TAGUNG /
Do 29.6. - Sa 1.7.2017


PROGRAMM


Do / 29.6.2017 / 14 – 20 Uhr



14 Uhr
Begrüßung und Einführung
Klaus Krüger, Freie Universität Berlin
Andreas Schalhorn, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Elke Werner, Freie Universität Berlin

„Albrecht Dürer & William Kentridge: Double Vision“ - Ein Ausstellungsbericht
Andreas Schalhorn, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Dorit Schäfer/ Astrid Reuter, Kupferstichkabinett, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

„Werner Herzogs pilgrimage zu Hercules Segers. Eine Fiktionalisierung des Faktischen?“
Thomas Ketelsen, Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum, Köln

Kaffepause

16.30 Uhr

„Picasso in Palestine: Repräsentation und performativer Humanismus?“
Eva -Maria Troelenberg, Kunsthistorisches Institut in Florenz

„Vergleiche ausstellen. Zur Installation von Originalen als künstlerische Praxis“
Tobias Vogt, Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation:
Verena Rodatus, Freie Universität Berlin

Pause

19 Uhr
Begrüßung zum Abendvortrag
Klaus Krüger, Freie Universität Berlin

„Anordnung und Mehrdeutigkeit: das Beispiel des Nissim de Camondo-Museums in Paris“
Dario Gamboni, Université de Genève



Fr / 30.6.2017 / 9 - 18 Uhr


9 Uhr
„Evidenz durch Fiktion: Die Narrative und Verlebendigungen des period-rooms“
Änne Söll, Ruhr-Universität Bochum

„Die ‚Wiederverzauberung‘ des Museums. Präsentationsstrategien im Musée du Quai Branly (Paris) und im Kolumba Kunstmuseum (Köln)“
Sarah Maupeu, Deutsches Historisches Museum, Berlin

Moderation:
Anke te Heesen, Humboldt Universität zu Berlin

Kaffeepause

11.15 Uhr
„Ein Museum der Museen - oder wie man das Ausstellen ausstellen könnte“
Johan Holten, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

“Mediating Dematerialization. Die dOCUMENTA (13) als postdigitale Ausstellung“
Nanne Buurman, Leipzig

Moderation:
Sven Jakstat, Freie Universität Berlin

Mittagspause

14.15 Uhr
„Das Museum als Simulacrum. Der Louvre Lens und neue Epistemologien des Zeigens“
Karen van den Berg, Zeppelin Universität, Friedrichshafen

„Zur Geltung Bringen - Über expositorische Evidenz und die Normativität des Faktischen“
Ludger Schwarte, Kunstakademie Düsseldorf

Moderation:
Bärbel Küster, Technische Universität Berlin

Kaffeepause

16.30 Uhr
Podiumsdiskussion „Wie soll die Ausstellung der Zukunft aussehen?“
Joachim Baur, Die Exponauten. Ausstellungen et cetera, Berlin
Udo Kittelmann, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Britta Peters, Skulptur Projekte Münster
Moritz Wullen, Humboldt Forum, Staatliche Museen zu Berlin

Moderatorin:

Julia Voss, Frankfurter Allgemeine Zeitung/Wissenschaftskolleg zu Berlin



Sa / 1.7.2017 / 9 - 13 Uhr 


9 Uhr
„Performative Assemblage. Theoretische Überlegungen zur Analyse“
Nicole Haitzinger, Universität Salzburg

„Radikale Raumangebote: Hélio Oiticicas Penetráveis“
Stefanie Heraeus, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Moderation:
Tabea Metzel, Freie Universität Berlin Kaffeepause

11.15 Uhr
„Evidenzen vermeiden. Über das Kuratorische als Praxis des Unvermittelten“
Helmut Draxler, Universität für angewandte Kunst Wien

„Zeugenschaft proben“
Beatrice von Bismarck, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Moderation/ Schlussbemerkungen:
Elke Werner, Freie Universität Berlin



Leitung des DFG-Transferprojekts „Evidenz ausstellen. Praxis und Theorie der musealen Vermittlung von ästhetischen Verfahren der Evidenzerzeugung”:
Klaus Krüger,Freie Universität Berlin
Elke Werner, Freie Universität Berlin

Kooperationspartner: Andreas Schalhorn, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin

Wissenschaftliche Mitarbeit: Tabea Metzel, Freie Universität Berlin

Evidenzen des Expositorischen.

Wie in Ausstellungen Wissen, Erkenntnis und ästhetische Bedeutung erzeugt wird.

Tagung

Angebote für: Erwachsene
Termin: Do 29.06.2017 14:00 Uhr - 20:00 Uhr
Weitere Termine: Fr 30.06.2017   Sa 01.07.2017  
Ort: Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Treffpunkt: Aktionsraum
Kosten: kostenfrei Anmeldung: nicht erforderlich
Sammlung: Kupferstichkabinett

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