Geschichte der Staatlichen Museen zu Berlin

Die Staatlichen Museen zu Berlin gehören zusammen mit der Staatsbibliothek, dem Geheimen Staatsarchiv, dem Ibero-Amerikanischen Institut und dem Staatlichen Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumenten-Museum zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Stiftung wurde 1957 eingerichtet, um die Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen zu pflegen, zu bewahren und zu ergänzen. Träger der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind heute neben dem Bund alle 16 Bundesländer.

Die Staatlichen Museen zu Berlin bilden mit ihren über Generationen gewachsenen Einrichtungen ein Universalmuseum zur Bewahrung, Erforschung und Vermittlung von Kunst- und Kulturschätzen der gesamten Menschheitsgeschichte. Ihre Sammlungen umfassen Bereiche der europäischen und außereuropäischen Kunst, Archäologie und Ethnologie nahezu aller Nationen, Kulturen und Zeiten.

Die Ursprünge der Staatlichen Museen zu Berlin gehen auf die von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg Mitte des 16. Jahrhunderts angelegte Kunstkammer zurück. Nachdem die ursprüngliche Kunstkammer im Dreißigjährigen Krieg fast vollkommen verloren gegangen war, wurde sie von den nachfolgenden Kurfürsten und Königen erneut aufgebaut. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen befürwortete seit Beginn des 19. Jahrhunderts die Loslösung der Kunstkammerbestände aus dem höfisch-herrschaftlichen Zusammenhang und die Einrichtung eines öffentlichen Kunstmuseums. Nach den Befreiungskriegen und dem Sieg über Napoleon 1815 sollte nach dem Willen der preußischen Reformer der Militärstaat Preußen in einen Kulturstaat verwandelt werden. 1822 erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag zum Bau des ersten Königlichen Museums, des heutigen Alten Museums, am Lustgarten gegenüber der königlichen Residenz, dem Berliner Schloss. Mit seiner Eröffnung 1830 begann die Geschichte der Museumsinsel.

Das rasche Wachstum der zunächst auf das Alte Museum sowie die königlichen Schlösser verteilten Sammlungen ließ König Friedrich Wilhelm IV. 1841 den gesamten hinter dem Alten Museum befindlichen nördlichen Teil der Spreeinsel zur "Freistätte für Kunst und Wissenschaft" bestimmen. In vergleichsweise rascher Folge entstanden von 1843 bis 1855 das Neue Museum, von 1867 bis 1876 die Nationalgalerie (heute Alte Nationalgalerie), von 1897 bis 1904 das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) und schließlich von 1910 bis 1930 das Pergamonmuseum. Die außerordentlichen Erfolge der deutschen Archäologie zur Zeit des Kaiserreiches brachten eine Vielzahl von Objekten nach Berlin, so dass die Museen den Vergleich mit den weitaus älteren Sammlungen in Paris und London nicht mehr zu scheuen brauchten.

Die Kulturpolitik des NS-Regimes führte in den Sammlungen der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts im Bereich der modernen Kunst zu schwersten Einbußen. Hunderte von Gemälden und grafischen Arbeiten wurden 1937 als "Entartete Kunst" beschlagnahmt und teilweise ins Ausland verkauft oder vernichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude auf der Museumsinsel schwer beschädigt. Die ausgelagerten Sammlungen wurden, soweit sie sich in den von der Roten Armee besetzten Gebieten Deutschlands befanden, von dieser 1945 beschlagnahmt und in die Sowjetunion transportiert. 1958 gab die Sowjetunion eineinhalb Millionen Kunstwerke an die damalige DDR zurück. Trotz dieser Rückgabe befinden sich weitere Kernbestände der Berliner Sammlungen noch immer im heutigen Russland.

Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte der Platzbedarf der wachsenden Sammlungen Museumsbauten außerhalb des begrenzten Insel-Areals erforderlich. Eine erste Entlastung des Neuen Museums stellte der Auszug der ethnografischen Sammlung dar, die 1886 in einem Gebäude an der Königgrätzer Straße (heute Stresemannstraße) als "Königliches Museum für Völkerkunde" eröffnete – aber auch dieser Umzug schmälerte nicht die Raumnot angesichts der stetig wachsenden Bestände. So kam es zu der Entscheidung, die außereuropäischen Sammlungen in die westlichen Vororte Berlins zu verlagern. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der darauf folgenden Spaltung Deutschlands und der Aufteilung Berlins in vier Besatzungszonen wurde diese Planung im Laufe der 1970er Jahren mit dem Komplex der "Museen Dahlem" verwirklicht. Gleichzeitig kehrte der durch die Westalliierten gesicherte Bestand der Sammlungen in den Westteil der Stadt zurück.

Während die Museen im Ostteil Berlins die vorhandenen, durchweg jedoch zunächst beschädigten und im späteren Verlauf nur teilsanierten Bauten weiter nutzten, wurden die Sammlungen in Westberlin in Ermangelung geeigneter Museumsquartiere zunächst provisorisch untergebracht. Schließlich entstand hier der Plan, in der Nähe des Potsdamer Platzes ein neues kulturelles Zentrum zu etablieren: das heutige Kulturforum. Mit der Entwicklung und Ausführung wurde in den 1960er Jahren begonnen. Bis zur Wiedervereinigung Berlins 1990 waren für die Staatlichen Museen zu Berlin die Neue Nationalgalerie und das Kunstgewerbemuseum errichtet. Nach Überarbeitung der Architekturentwürfe entstanden weiterhin Gebäude für die Gemäldegalerie, das Kupferstichkabinett und die Kunstbibliothek sowie die Sonderausstellungshallen, die von allen Einrichtungen im Rahmen von Sonderausstellungen bespielt werden können.

Mit der deutschen Wiedervereinigung eröffnete sich die Chance, die im Zweiten Weltkrieg auseinander gerissenen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin wieder zusammenzuführen und in ihre angestammten Häuser auf der Museumsinsel zurückzubringen. Doch bei der Umsetzung dieses Vorhabens galt es zu berücksichtigen, dass einzelne Sammlungen gegenüber der Vorkriegszeit an Umfang beträchtlich gewachsen und die Gebäude auf der Museumsinsel sanierungsbedürftig waren. Mit der Eintragung der Museumsinsel in die Liste des UNESCO-Welterbes 1999 folgte der Beschluss eines Masterplans für die Instandsetzung und die zeitgemäße Entwicklung des gesamten Museumsquartiers.

Der Prozess zur Wiederherstellung der Museumsinsel hat bereits große Erfolge mit der Sanierung und Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie (2001) des Bode-Museums (2006), und zuletzt des Neuen Museums (2009) verzeichnet und setzt sich mit der Sanierung des Pergamonmuseums aktuell fort. Eine weitere große Aufgabe ist nun die Verlagerung der Sammlungen außereuropäischer Kulturen in das Humboldt-Forum, ein modernes Kulturzentrum im wiederaufgebauten Berliner Schloss. In der Verbindung von Ausstellung, Wissenschaft und beständigem Dialog soll das Humboldt-Forum an die Maximen der namensgebenden Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt anknüpfen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts maßgeblich an der Gründung der Königlichen Museen beteiligt waren.