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Friedrichswerdersche Kirche
Die Friedrichswerdersche Kirche, ein Kleinod der Berliner Architektur, liegt mitten in Berlin, dem Außenministerium gegenüber. 1824–1831 erbaut, ist sie das einzige Gebäude Karl Friedrich Schinkels, das weitgehend authentisch überliefert ist. Mit ihrer neugotischen Gestalt und der roten Backsteinfassade kündet sie von der patriotischen Gesinnung Preußens, galt Backstein seinerzeit doch als traditionsreiches einheimisches Baumaterial und die Gotik als originär deutsche Entwicklung. In den 1980er Jahren wurde die Kirche der musealen Nutzung überlassen. Heutzutage sind hier Skulpturen der Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts ausgestellt, darunter die berühmte Prinzessinnengruppe von Johann Gottfried Schadow. Sowohl in der Auswahl der Kunstwerke, als auch in ihrer Inszenierung im musealen Kirchenraum spiegeln sich noch heute proklamierte Ideale der Aufklärung wie Toleranz, gegenseitige Anerkennung und Inspiration.

© bpk/SMB, Photo: Reinhard Görner
Mit Yinka Shonibare stellt erstmalig ein zeitgenössischer Künstler in der Friedrichswerderschen Kirche aus. Die Idee des aufgeklärten, tugendhaften Preußens konfrontiert Shonibare mit einer anderen Berliner Geschichte: der Geschichte von Gewalt und materiellen wie kulturellen Enteignungen des afrikanischen Kontinents, die Preußen im 19. Jahrhundert insbesondere durch die „Berliner Konferenz“ unterstützte. In ironischen Anspielungen decken seine Arbeiten die Doppelmoral der ehemaligen Kolonialmächte auf.


