
Eismumie von Verch-Kal'džin 2: Mann mit europider Schädelform und erhaltener Haartracht. 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr. © Inst. Archäol. u. Ethnogr. Akad. Wiss. Novosibirsk
Gefroren im Eis – die Konservierung organischer Materialien
Das Klima in den auf 4500 m aufragenden Bergketten des Altaj ist extrem kalt im Winter. In den aus Steinbrocken vom 5. – 3. Jh. v. Chr. errichteten Grabhügeln der Pazyryk-Kultur sammelte sich schon bald nach der Grablegung Schmelzwasser, das zu Eis gefror und die Verstorbenen mitsamt ihrer Kleidung und ihrem Inventar umschloss. So erhielten sich neben den mumifizierten Toten sogar Textilien aus Wolle und Seide, Teppiche, komplette Satteldecken und Holzschnitzereien.
Neue Mumien aus dem ewigen Eis
Große Aufmerksamkeit erhielten die tätowierten Eismumien, die in den letzten Jahren in Grabhügeln auf der Südseite des Altaj in Olon-Kurin-Gol und auf der Nordseite bei Ak-Alacha und Verch-Kal'džin gefunden wurden: Vollständig erhaltene Kleidungsstücke – Mäntel aus Zobelpelz, aufwändige Kopfputze und farbige Gewänder – erstaunen durch ihre hervorragende Erhaltung. Die Leichname selbst geben zahlreiche neue Aufschlüsse über die Mumifizierungs- und Tätowiertechniken der Altaj-Region.
Die in der Ausstellung erstmals der westlichen Öffentlichkeit präsentierte Eismumie von Verch-Kal'džin zeigt, dass Tätowierungen nicht nur bei Männern der Führungsschicht, sondern auch bei Kriegern beliebter Körperschmuck waren.
Fernbeziehungen im Hochgebirge
Erstmals gemeinsam mit diesen spektakulären Neufunden werden Gräber aus den berühmten Kurganen von Pazyryk gezeigt. Die luxuriösen Grabbeigaben bringen weiträumige Kontakte zum Ausdruck, besonders in den Iran und nach China. Von dort stammen mit Seide überzogene Satteldecken und Teppiche, Spiegel und Lackobjekte.