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Museum of Decorative Arts (Köpenick)

Die Köpenicker Schlossinsel liegt im Südosten Berlins unweit des Zusammenflusses von Dahme und Spree. Sie bildet gemeinsam mit der Altstadt Köpenick ein stadträumliches Ensemble ersten Ranges. Schon seit der Bronzezeit bestanden an dieser Stelle Befestigungsanlagen. 1558 ließ Kurfürst Joachim II. eine zeitgemäße zweiflügelige Schlossanlage errichten. 1669 übertrug Kurfürst Friedrich Wilhelm das Amt Köpenick seinen beiden ältesten Söhnen. Nach dem Tod des ältern Bruders war Friedrich (III./I.) seit 1674 brandenburgischer Kurprinz. Ab 1677 berichten die Quellen von Bauarbeiten an seiner kurprinzlichen Residenz in Köpenick. Sie führten bis 1690 zur Errichtung der gegenwärtigen Schlossanlage.

Von 1679 bis 1682 wurde anstelle eines baufälligen Wehrturms der jetzige Nordpavillon errichtet. Seine Innenausstattung erfolgte zwischen 1683 und 1686. Der Pavillon besaß auch nach Süden eine durchfensterte Fassade. Man rechnete also noch nicht mit dem Anbau des jetzt dort anschließenden Mitteltraktes. Zweigeschossige Galerien sollten den Neubau nach Süden und Osten mit den beiden Wohnflügeln des Schlossbaus Joachims II. verbinden.
Der Wirtschaftsflügel mit der Anfang 1685 in Nutzung genommenen reformierten Schlosskirche gilt als Werk des Architekten Johann Arnold Nering. Er entstand in der gleichen Bauphase wie der Nordpavillon.
1684/85 erfolgte eine grundlegende Planänderung. Nunmehr waren der vollständige Abriss des Altbaus und der Bau einer Dreiflügelanlage vorgesehen. Zunächst schloss man an den Nordpavillon nach Süden den jetzigen Mitteltrakt des Schlosses mit dem Treppenhaus sowie einen zweiten Pavillon im Süden an. 1688 stand der gesamte Westflügel der geplanten Dreiflügelanlage - das gegenwärtige Schlossgebäude - unter Dach. Der Niederländer Rutger van Langerfeld wird als Architekt genannt. Die Innenausstattung der neuen Bauteile erfolgte bis Mitte 1690. 1693 bis 1695 wurde am Corps de Logis gearbeitet, doch über seine Grundmauern kam es nicht hinaus.

Die Hauptfassaden des symmetrisch angelegten, verputzten Backsteinbaus besitzen dreiachsige Portalrisalite unter Segementgiebeln mit flankierenden zweiachsigen Rücklagen, an die sich zwei über quadratischem Grundriss entwickelte, vierachsige Pavillons anschließen. Beide Mittelrisalite zeichnen sich durch eine bauplastisch aufwendige Gestaltung aus. Das Mansardwalmdach trägt eine begehbare Plattform mit hölzerner Balustrade in welche die Schornsteine integriert sind.
Alle Geschosse zeigen eine identische Innenraumdisposition. Der zweiläufigen Haupttreppe mit vereinigtem Austrittsarm sind im Osten repräsentative Vestibüle vorgelagert, die sich zum Treppenhaus und den Fluren in weiten Arkaden öffnen. Die klare, im Verhältnis zur Außenarchitektur aber noch unvollkommen ausgebildete Raumstruktur des Treppenhauses entspricht einem Vorbild in Charles Philippe Dieussarts 1679 erschienenem "Theatrum Architecturae Civilis". Die Anlage der Innenräume als Appartement double zu beiden Seiten des Treppenhauses ist nahezu symmetrisch. Die von Vorgemächern und Kabinetten umgebenen Säle dienten, mit Ausnahme des Wappensaals, als repräsentative Schlafgemächer des Kurfürstenpaares und hoher Gäste.

Die häufigen Nutzungswechsel führten zum Verlust der gesamten mobilen Ausstattung des Schlosses. Noch immer birgt es jedoch in 29 seiner 36 Räume die reich stuckierten Decken der Bauzeit. Sie sind das Werk Tessiner und Graubündner Stukkateure. Deren Arbeiten galten im letzten Drittel des 17. Jh. als modernste und repräsentativste Form des Innenraumdekors. Die von vielfältigen Formen des Akanthusornaments geprägten Stukkaturen wurden an der Decke frei angetragen. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass sie ursprünglich nicht farbig gefasst waren, sondern weitgehend im natürlichen Farbton des Kalkstucks in Erscheinung traten.
Von den verschiedenen in Köpenick tätigen Stukkateuren ist allein der aus Bissone am Luganer See stammende und zuvor in den Schlössern zu Weißenfels, Eisenberg, Saalfeld und Gotha sowie an der Leipziger Börse tätige Giovanni Carove namentlich bekannt. Er arbeitete nur im Nordpavillon, wo er um 1685 mit dem Wappensaal den repräsentativen Hauptsaal des Schlosses schuf. Die diesen Raum prägenden eindrucksvollen Pilaster-Hermen wiederholte Carove 1687 im Thronsaal des Schlosses Friedenstein zu Gotha.
Die aufwendige Inszenierung des brandenburgischen Staatswappens an zwei Kaminbekrönungen sowie der zugehörigen Einzelwappen, die an den Wänden von Hermenpaaren und am Plafond von Genien und Putti nochmals gesondert präsentiert werden, erhebt den Wappensaal im Köpenicker Schloss zu einem der bedeutendsten Säle des deutschen Barock. Sein heraldisches Programm ist zugleich eine deutliche Formulierung des Anspruchs des Kurprinzen Friedrich auf die ungeteilte Erbschaft aller brandenburgischen Landesteile in der damals aktuellen Auseinandersetzung um das Testament seines Vaters.
Die Deckengemälde stellen Szenen der antiken Mythologie dar, in deren Zentrum Diana, die Göttin des Mondes und der Jagd steht. Sie werden Künstlern aus dem Umkreis des Berliner Hofmalers Jacques Vaillant zugeschrieben.

Schloss Köpenick zählt mit den Schlössern in Oranienburg, Potsdam und Schwedt zu den großen landesherrlichen Schlossneubauten in der Regentschaftszeit des Großen Kurfürsten. Es ist der letzte bedeutende Schlossbau in der Mark Brandenburg, der noch von dem seit Ende des Dreißigjährigen Krieges vorherrschenden Einfluss niederländischer Architektur geprägt ist. Bald nach der Berufung des stärker italienischen Vorbildern folgenden genialen Bildhauers und Architekten Andreas Schlüter nach Berlin im Jahre 1694 geht diese Ära zu Ende. Schloss Köpenick gilt als "der bedeutendste erhaltene Profanbau des vorschlüterschen Barock in der Mark Brandenburg" (Dehio).

Die kunsthistorische Bedeutung des Schlosses resultiert insbesondere aus der fast vollständigen Erhaltung seiner stuckierten und bemalten Plafonds. Die besten Stukkaturen im Schloss Köpenick zählen zu den künstlerisch anspruchsvollsten ihrer Art in Mitteleuropa.
Nachdem viele zeitgenössische Schlossbauten später einschneidend verändert wurden oder aber im und nach dem Zweiten Weltkrieg zugrunde gingen, bewahrt Schloss Köpenick heute das bedeutendste Ensemble profaner Stukkaturen des späten 17. Jh. in Norddeutschland.

Seit dem Regierungsantritt als Kurfürst 1688 wandte Friedrich III. sein Interesse mehr und mehr von Schloss Köpenick ab. Der unvollendet gebliebene Bau diente in der Folgezeit vor allem als Jagdschloss. Unter König Friedrich Wilhelm I. wurde die permanente Hofhaltung gänzlich aufgegeben. Im Oktober 1730 tagte auf seinen Befehl im Schloss das berühmte Kriegsgericht über den Kronprinzen Friedrich und seinen Helfer Leutnant von Katte. König Friedrich II. vergab das Schloss als Witwensitz an Verwandte.
1804 verkaufte die Krone das Schloss an den Grafen Friedrich Wilhelm Karl von Schmettau. Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb es 1818 der preußische Fiskus. In der Folge wurde es als Gefängnis und Militärdepot benutzt. Ab 1851 befand sich im Schloss ein Lehrerseminar des Provinzialschulkollegiums. Nach dessen Schließung 1926 diente es bis 1941 als Wohnheim für auslandsdeutsche Studenten, nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem als "Volkshaus" und Heimstatt des Staatlichen Volkskunstensembles der DDR.
1963 schließlich fand das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) im Schloss Köpenick ein angemessenes Domizil. Nach und nach wurden die zuvor teils stark vernachlässigten Räume zur Nutzung durch das Museum eingerichtet. Die Phase der Adaption des Schlossgebäudes für eine museale Nutzung war erst 1983 endgültig abgeschlossen.