Das Museum Europäischer Kulturen ging 1999 aus der Vereinigung des 110 Jahre alten Museums für Volkskunde mit der Europäischen Sammlung des Ethnologischen Museums hervor. Es widmet sich den Lebenswelten in Europa und europäischen Kulturkontakten vom 18. Jahrhundert bis heute. Mit rund 275.000 originalen Objekten beherbergt es eine der größten europäischen Sammlungen zur Alltagskultur und populären Kunst. Dabei sind die Themen so vielfältig wie die Kulturen Europas: Hochzeit oder Totengedenken, Napoleonkult oder Halloween, Musik auf Sardinien, Perchtenlaufen in den Alpen …
Nach zwei Jahren Umbauzeit ist das Museum Europäischer Kulturen seit dem 9. Dezember 2011 im Bruno-Paul-Bau in Dahlem wieder geöffnet. Neben der Sammlungspräsentation "Kulturkontakte. Leben in Europa" und der Studiensammlung, die wechselnde Objekte aus dem Bestand, beginnend mit "Kinderspielzeug aus Europa", zeigt, werden regelmäßig Sonderausstellungen präsentiert.
Mit der Dauerausstellung "Kulturkontakte. Leben in Europa" zeigt das Museum auf 700 Quadratmetern erstmals einen Querschnitt aus seinen vielfältigen Sammlungen. Mit dem thematischen Ansatz greift es Diskussionen über gesellschaftliche Bewegungen und Abgrenzungen auf. Das im weitesten Sinne mobile Verhalten von Menschen in und nach Europa bewirkt auf der einen Seite kulturelle Begegnungen und Vermischungen, die zur Entwicklung globaler Kulturen führen können. Auf der anderen Seite wirft es Fragen nach Zugehörigkeiten und Identitäten von Individuen und Gruppen auf. Sie können sich bei aller Globalisierung "verloren" fühlen und besinnen sich deshalb auf das ihnen Vertraute: auf ihre Heimat, den Ort - die Region, oder ihr Land. Spielen die kulturellen Gemeinsamkeiten Europas dabei eine Rolle? Die Dauerausstellung stellt Beispiele vor - mit zum Teil außergewöhnlichen Objekten. Eine Prachtgondel aus Venedig von 1910 steht dabei stellvertretend für alle Themenbereiche: Handel, Reisen, Bildmedien, Migration, kulturelle Verortungen und Frömmigkeit.
Sammlungscharakter
Im Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin ist das Museum Europäischer Kulturen die Institution, die für Fragestellungen von Alltag und Lebenswelt im Rahmen von Kultur- und Gegenwartsgeschichte Europas zuständig ist. Dabei ist die Auseinandersetzung mit "Kulturkontakten" eine der Profillinien des Museums. Mit Ausstellungen, Veranstaltungen und der Bildung von Netzwerken hat es sich mit seinen europäischen Partnern als Ort von interkulturellen Begegnungen etabliert. Als kulturhistorisch ausgerichtete Institution versteht es sich als Beobachter sozialer und interkultureller Prozesse der Gegenwart etwa im Bereich der Migrationsforschung, aber auch als Ort internationaler fachwissenschaftlicher Diskurse im Bereich der Textilwissenschaften, der Fotogeschichte und dem weiten Feld der populären Bilderwelten.
Zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren weitere Ausstellungen mit begleitenden Veranstaltungen durchgeführt. Dabei ist besonders die Reihe der "Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen" hervorzuheben, die seit 2000 jährlich veranstaltet wird. Auf den "Kulturtagen" werden zu einem bestimmten Thema eine europäische Region bzw. Menschen aus Europa vorgestellt. Sie dauern in der Regel zwei bis vier Wochen und bestehen aus einer kleinen Ausstellung und einem Rahmenprogramm. Grundsätzlich finden diese Veranstaltungen mit europäischen Kulturinstituten, Vereinen und Botschaften in Berlin und oft auch mit den Partnerinstitutionen in den entsprechenden europäischen Ländern statt.
Einen Schwerpunkt der Außenwirkung des Museums bilden verschiedene Ausstellungen im Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die an Museen in der Bundesrepublik, aber auch in das benachbarte Ausland ausgeliehen werden. Bilaterale Ausstellungen mit Polen, Ungarn, Österreich und Rumänien sowie enge Netzwerkverbindungen mit Frankreich, Belgien, Italien, Kroatien, Tschechien, den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Schweden bilden die gegenwärtigen Schwerpunkte der Arbeit.
Vor allem aber beschäftigt sich das Museum mit seinen deponierten Sammlungen und dem Objekt an sich. Sehr viele Dinge stammen aus dem religiösen Umfeld von Menschen im 19. und 20. Jahrhundert in Europa. Einige davon sind in den Ausstellungen zu Ostern oder Weihnachten zu sehen, jeweils begleitet an einem Wochenende von kunsthandwerklichen Märkten, auf denen Stücke von hoher Qualität aus verschiedenen europäischen Regionen angeboten werden. Wie diese sind auch viele Sammlungsobjekte das Ergebnis kreativen Schaffens von Individuen oder auch Gruppen und werden unter einer bestimmten Thematik mit kulturhistorischem Kontext zur "Erbauung und Belehrung" ausgestellt. Ein besonderes Anliegen ist es daher auch, unter dem Motto "Innehalten" Kreativität und handwerkliches Geschick zu fördern. Dafür werden einmal ein "Textiltag" und verschiedene Künstler-Workshops für Erwachsene zu verschiedenen traditionellen und modernen Techniken mit originalem Anschauungsmaterial aus dem Museum angeboten.
