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Gemäldegalerie, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Nationalgalerie
4. Juli 2012

Zur geplanten Rückkehr der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel und die Einrichtung eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhunderts am Kulturforum

Die Vollendung der Museumsinsel

In den letzten Wochen hat sich eine Debatte um die Zukunft der Kunstsammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz entwickelt, die kontrovers geführt wird. Im Hinblick auf die geäußerte Kritik an den Umzugsplänen für die Gemäldegalerie und die Nationalgalerie legen wir die Ziele dar, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihre Staatlichen Museen bei ihrem Vorhaben verfolgen:

Der Plan, die Kunstsammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin neu zu ordnen, besteht bereits über zehn Jahre, und dient dazu, die Wiedervereinigung unserer Museen zu ihrem Abschluss bringen und zukunftsfähige Museumsstandorte zu entwickeln, die den beteiligten Sammlungen die ihnen angemessene Geltung verschaffen. Der Plan geht auf den ehemaligen Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, zurück und wird von allen Unterzeichnenden einhellig begrüßt, ausdrücklich unterstützt und inhaltlich mitgestaltet. Er besteht aus zwei Teilen:

Erstens beabsichtigen wir, die Gemäldegalerie vom Kulturforum auf die Museumsinsel Berlin zurückzubringen und sie dort mit der Skulpturensammlung wiederzuvereinen. Mit der im Jahr 1999 zum UNESCO Welterbe ernannten Museumsinsel besitzt unser Land ein einzigartiges Ensemble der Architektur und Kunst - eine Welterbestätte der Menschheit. Dieses weltberühmte Museumsensemble bietet ein Panorama menschlicher Kreativität von der Vorgeschichte bis zum neunzehnten Jahrhundert. Die Entwicklung der Malerei ist jedoch, anders als die der Skulptur, nur sehr eingeschränkt auf der Museumsinsel nachzuvollziehen, da die Sammlung der Alten Meister einige Kilometer entfernt in einem nahe der Neuen Nationalgalerie gelegenen Gebäude am Kulturforum ausgestellt wird. Indem wir die Alten Meister zukünftig im Bode-Museum und einem Erweiterungsbau zeigen werden, wird dieses Panorama der Museumsinsel wieder vervollständigt. Der verfügbare Standort für den Erweiterungsbau ist ein Grundstück, das dieselbe Größe aufweist und in direkter Nachbarschaft zum Bode-Museum von diesem nur durch den Kupfergraben getrennt ist. Zudem können wir mit der Zusammenführung der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung an das Erbe Wilhelm von Bodes anschließen. Dieser setzte mit dem Bau des Museums und der hier erfolgten gemeinsamen Präsentation von Malerei und Skulptur seinerzeit Maßstäbe, die bis heute internationale Strahlkraft besitzen. Erst unter den Nationalsozialisten wurden die Sammlungen im Bode-Museum 1933 strikt voneinander getrennt; Gemäldegalerie und Skulpturen blieben nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl im Osten als auch im Westen separat ausgestellt. Die erneute Zusammenführung der beiden Sammlungen, die von Bode als komplementär verstanden, aufgebaut und ausgestellt wurden, wird die erfolgreiche Berliner Tradition wieder aufleben lassen - als krönender Abschluss des seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung verfolgten Masterplans.

Zweitens versuchen wir den Missstand zu beseitigen, dass ausgerechnet in Berlin, einer der Geburtsstätten der Moderne, der Bestand der Kunst der Klassischen Moderne und der Zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Nationalgalerie kaum oder gar nicht zu sehen ist. In der Tat hat die Öffentlichkeit kaum eine Vorstellung davon, welche Schätze diese Sammlung birgt! Die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe am Kulturforum ist zu klein für die Präsentation der ständigen Sammlung. Die mit vielen Mitteln und enormem bürgerschaftlichen Engagement nach dem Bildersturm der Nationalsozialisten wieder entstandene Sammlung mit Meisterwerken von Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Barnett Newman, Sigmar Polke und Gerhard Richter hat ihren Platz nach wie vor im Depot. Zudem haben Heiner und Ulla Pietzsch dem Land Berlin kürzlich ihre herausragende Sammlung surrealistischer Kunst unter der Bedingung geschenkt, dass ausgewählte Werke in eine Sammlungspräsentation der Nationalgalerie integriert werden. Mit der Neueinrichtung des durch den Umzug der Gemäldegalerie frei werdenden Gebäudes am Kulturforum erhalten die Bestände der Kunst des 20. Jahrhunderts endlich einen ihrer internationalen Bedeutung angemessenen Ort - und Berlin selbst 65 Jahre nach dem Krieg und mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall seine Galerie des 20. Jahrhunderts.

Am 12. Juni 2012 hat der Haushaltsausschuss des Bundestags bekannt gegeben, dass im Nachtragshaushalt zehn Millionen Euro für den ersten Schritt zur Umsetzung unseres Vorhabens zur Verfügung gestellt werden: für die Anpassung der Gemäldegalerie zur Unterbringung der Sammlungen der Kunst der Klassischen Moderne und des 20. Jahrhunderts der Nationalgalerie. Diese Lösung ist naheliegend, da sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe der Neuen Nationalgalerie befindet und hierfür keine umfangreiche Umgestaltung erforderlich ist. Es herrscht ein breiter Konsens darüber, dass die bauliche Anpassung der Gemäldegalerie nur der erste Schritt sein kann und weitere folgen müssen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Staatlichen Museen zu Berlin sind derzeit dabei, die einzelnen Schritte zu prüfen. In einer Sitzung des SPK-Stiftungsrates im Herbst dieses Jahres soll eine Gesamtplanung aller Investitionsvorhaben der Stiftung zur Entscheidung vorgelegt werden. Mit dem Umzug der Gemäldegalerie - dafür stehen alle Verantwortlichen der Staatlichen Museen zu Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein - werden wir aber selbstverständlich erst beginnen, wenn ein belastbarer Zeit- und Finanzierungsplan für die Realisierung des Gesamtvorhabens vorliegt, wie wir in den letzten Wochen bereits mehrfach klargestellt haben. Eine komprimierte Ausstellung von Gemälden und Skulpturen im Bode-Museum für einen begrenzten Zeitraum von einigen Jahren halten wir jedoch für eine akzeptable Lösung, bis der Erweiterungsbau vollendet ist. Diese Interimslosung sehen wir auch als Chance, verschiedene Präsentationsszenarien im Hinblick auf das neue große Museum zu erproben. Entgegen häufiger Darstellung wird es aber nicht so sein, dass van Eyck, Tizian, Rembrandt, Watteau usw. auf unbestimmte Zeit aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden werden. Um während der Übergangszeit möglichst viel von unserer Sammlung ausstellen zu können, prüfen wir die Möglichkeiten von zusätzlichen temporären Ausstellungsräumen in der Nähe der Museumsinsel Berlin.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht vor einer großen Herausforderung: Entweder wird eine lang erhoffte Lösung umgesetzt oder der aktuelle, unbefriedigende Status Quo bleibt auf unbestimmte Zeit bestehen. Wir sind davon überzeugt, auf einem Weg zu sein, an dessen Ende die ideale Lösung für die beteiligten Sammlungen der Staatlichen Museen steht: für die Gemäldegalerie mit der Skulpturensammlung wie für die Nationalgalerie. Die Möglichkeit, die uns mit der Bewilligung von zehn Millionen Euro gegeben wurde, endlich mit der zukunftsweisenden Neuordnung der Berliner Museumslandschaft zu beginnen, begreifen wir als eine historische Chance.

Hermann Parzinger
Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Michael Eissenhauer
Generaldirektor Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

Udo Kittelmann
Direktor Nationalgalerie - Staatliche Museen zu Berlin

Bernd Lindemann
Direktor Gemäldegalerie und Direktor Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst - Staatliche Museen zu Berlin

Julien Chapuis
Leiter Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst - Staatliche Museen zu Berlin

BildunterschriftDesiderio da Settignano: Bildnisn einer jungen Dame, um 1460 Antonio del Pollaiuolo: Profilbildnis einer jungen Frau, 1465
© Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Fotos: Volker-H. Schneider, Antje VoigtEnde der Bildunterschrift