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1 October 2008
Das Interview mit Peter-Klaus Schuster zum "Kult des Künstlers finden Sie hier. (Antenna-Audio 2008, Sprecherin: Gabi Becker)
Ausstellungen zum "Kult des Künstlers"
Der Künstler ist die zentrale mythische Figur des Abendlandes. Seit Jahrtausenden wird er in immer neuer Gestalt verehrt: als Prometheus, Prophet, Genie oder Übermensch. In keiner anderen Kultfigur offenbart sich die Geschichte des europäischen Geistes mit solcher Gewalt als ein Drama des ewigen Widerstreits von Wirklichkeit und Wahn, Himmel und Hölle, Schicksal und freier Selbstbestimmung.
Dieser Künstlerkult wird 2008 zum großen Thema der Staatlichen Museen zu Berlin. Der herausragende Ort ist die Nationalgalerie, die 1876 als nationale Kultstätte für die Meister der internationalen Gegenwartskunst gegründet wurde. Sie wird im Herbst 2008 die Hauptbühne für den großen "Ring" der Kultkünstler sein: Die Alte Nationalgalerie, Tempel der Kunst schlechthin, verwandelt sich in ein Walhalla der deutschen Künstlermythen des 19. Jahrhunderts. Die Neue Nationalgalerie feiert mit "Das Universum Klee" und "Jeff Koons' Celebration" die Apotheose des Künstlers im 20. Jahrhundert zwischen Metaphysik und Pop. Der Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart stellt mit Andy Warhol und Joseph Beuys die beiden wichtigsten Kunstpropheten der jüngeren Vergangenheit ins Rampenlicht des Künstlerkults, nicht ohne sich mit Martin Kippenberger und Co. zugleich auch der Dekonstruktion des Künstlermythos zu widmen.
Intellektuelle Mitte des Ausstellungszyklus ist "Unsterblich. Der Kult des Künstlers" in den Ausstellungshallen am Kulturforum. Von hier aus entfaltet sich ein Panoramablick auf die Rolle des Künstlers in allen Kulturen und allen Epochen. Im Fokus stehen außereuropäische Künstlerbilder gleichermaßen wie europäische Künstlermythen - von der Verklärung des Künstlers als Organon Gottes im Mittelalter bis hin zum Geniekult und zur Auratisierung des Künstlers als Prophet und Messias im 20. und 21. Jahrhundert.
Auch im Ägyptischen Museum auf der Museumsinsel führt diese Zeitreise weit über die Grenzen der abendländischen Geschichte hinaus bis zur Geburt des Künstlerkults in den Werkstätten des Thutmosis, Schöpfer der Nofretete, die als schönste Frau Berlins verehrt wird. Im Ausstellungs-Special "Thutmosis und Alberto Giacometti" begegnen sich fernste Vergangenheit und lebendige Gegenwart in zeitloser Nähe, hier schließt sich der Ring der Kultkünstler, dem die Staatlichen Museen zu Berlin im Herbst 2008 mit insgesamt zehn Ausstellungen eine opulente Bühne bereiten.