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Kupferstichkabinett
Die Kunst der Interpretation. Italienische Reproduktionsgraphik 1470-1600
Internationale Tagung, Kupferstichkabinett, Kulturforum
Unterstützt von der GERDA HENKEL STIFTUNG und der Ellen J. Beer Stiftung
Mit der Moderne ist der Begriff des Unikats - der einmaligen künstlerischen Schöpfung - in die Welt gekommen, damit aber zugleich die Vorstellung, dass Kunst reproduzierbar sei, in Verruf geraten. Das Verdikt der Moderne traf insbesondere die Reproduktionsgraphik: die Kunst, Gemälde und Zeichnungen großer Meister im Medium des Kupferstichs, der Radierung und der Lithographie wiederzugeben. Zur endgültigen Diskreditierung druckgraphischer Reproduktionskunst führte die Erfindung der Fotografie. Fototechnische Verfahren traten rasch an die Stelle der traditionellen Arbeit von Kupferstechern. Deren Branche hatte bereits das gesamte spätere 19. Jahrhundert in zunehmend scharfer Konkurrenz zur rasant fortschreitenden Entwicklung der Fotografie produziert und wurde schließlich von der neuen Epoche überholt.
Durch diesen epochalen Bruch mit einem seit der Renaissance gültigen ästhetischen Kanon geriet eine der bedeutendsten künstlerischen Erfindungen, die Vervielfältigung hoher Kunst im Medium der Druckgraphik, das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in nahezu völlige Vergessenheit. Deren künstlerischer Rang wie auch über Jahrhunderte hinweg überragende Bedeutung ist erst seit kurzer Zeit wieder ein zentrales Thema kunsthistorischer Forschung geworden.
Nicht nur Theorie, Ästhetik und die Verbindung der Reproduktionsgraphik zur Kunstkritik stehen im Mittelpunkt der Tagung. Reproduktionsgraphik ist in hohem Maße auch Rezeptionsgeschichte. Über die Druckgraphik erschließt sich
unmittelbar, in welcher Form und Bedeutung welche Kunstwerke eines Künstlers, sei es in der eigenen Epoche oder in späterer Zeit, wahrgenommen wurden.
Im Mittelpunkt des Symposiums im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin steht die italienische Reproduktionsgraphik der Renaissance. Die gesamte Entwicklung der druckgraphischen Reproduktionskunst hat in Italien - in Mantua, Mailand, Florenz, Rom, Venedig und Bologna - ihren Ursprung. Die umwälzenden Leistungen italienischer Kupferstecher und Verleger des 16. Jahrhunderts schufen die Grundlagen für die folgenden Jahrhunderte.
Das Spektrum der Tagung führt von den Anfängen der Reproduktionsgraphik in der Epoche von Andrea Mantegna bis in die Zeit der Carracci. Technik, Ästhetik, Vertrieb und Rezeptionsgeschichte stehen ebenso zur Diskussion wie Fragen der Kennerschaft.
Programm
9 -12 Uhr: Kurzreferate von Stipendiatinnen und Stipendiaten des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Graduiertenkollegs "Kunst als Kulturtransfer seit der Renaissance"
10.30 Uhr: Pressegespräch
14-17 Uhr: Expertengespräch vor Originalen unter der Leitung von Dr. Hans Jakob Meier
18 Uhr: Vortrag Prof. Dr. Hans van Miegroet: Phantom Prints
Teilnehmer der Tagung:
- Prof. Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg
- Dr. Giorgio Marini, Uffizien, Florenz
- Prof. Dr. Wolfgang Holler, Dresden
- Prof. Dr. Hans van Miegroet Duke University, North Carolina
- Prof. Dr. Norberto Gramaccini, Universität Bern
- Dr. Hans Jakob Meier, Berlin, Stipendiat der Gerda Henkel Stiftung
- Dr. Lothar Schmitt, Zürich
- Susanne Pollack, Florenz, Graduiertenkolleg
- Beate Boeckem, Basel, Graduiertenkolleg
- Gudrun Meyer, Bern, Graduiertenkolleg
- Thomas Manetsch, Bern, Graduiertenkolleg
und weitere Gäste des Museums
Zum Pressegespräch um 10.30 Uhr erwarten Sie:
- Prof. Dr. Hein-Th. Schulze Altcappenberg, Direktor des Kupferstichkabinetts
- Prof. Dr. Norberto Gramaccini, Ordinarius für Kunstgeschichte, Universität Bern
- Dr. Hans Jakob Meier, Stipendiat der Gerda Henkel Stiftung, Berlin
Wir freuen uns über Ihr Interesse.
Gern können Sie sich im Sekretariat des Kupferstichkabinetts informieren und Ihre Teilnahme bzw. Interviewwünsche anmelden.
Tel.: 030 - 266 20 01
Fax: 030 - 266 29 59
Ort der Tagung:
Kupferstichkabinett, Studiensaal, Kulturforum
Eingang: Matthäikirchplatz
Further information:
Museums/Locations Collections Links
Prussian Cultural Heritage Foundation


