Historischer Hintergrund

Die Stadt Pergamon

Das an der türkischen Westküste gelegene Pergamon war im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. die Hauptstadt eines mächtigen Reiches, das große Teile der heutigen Türkei umfasste. Die Könige von Pergamon, die nach ihrem Ahnherrn Attalos die Attaliden genannt werden, bauten ihre Residenz nach dem Vorbild Athens zu einer glanzvollen Metropole aus und förderten Kunst und Wissenschaft in hohem Maße.

Sogenannte Tänzerin. Marmorstatue aus Palast V in Pergamon, um 160 v. Chr.
© Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung; Foto: Johannes Laurentius

Nyx, die Göttin der Nacht, im Kampf gegen die Giganten. Nordfries des Pergamonaltars, 180 - 160 v. Chr.
© Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung; Foto: Johannes Laurentius

Prachtvolle Paläste, Tempel und Heiligtümer prägten das Bild dieser hellenistischen Königsstadt – Bauten, die mit bemaltem Stuck, mit farbenprächtigen Mosaiken und eindrucksvollen Skulpturen ausgestattet waren. Berühmtheit erlangte Pergamon durch die große Bibliothek, an der einige der bedeutendsten griechischen Wissenschaftler und Philosophen tätig waren. Unter römischer Herrschaft entwickelte sich das Asklepieion, das Heiligtum des Gottes Asklepios, zu einem der größten Heilzentren der Antike, in dem Kranke aus dem gesamten Mittelmeerraum Heilung suchten. Dieser Kurbetrieb sorgte ebenso wie die günstige geografische Lage und eine ertragreiche Landwirtschaft für eine wirtschaftliche Blüte und Wohlstand.

Die Göttin Athena im Kampf gegen den Giganten Alkyoneus. Ostfries des Pergamonaltars, 180 - 160 v. Chr.
© Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung; Foto: Johannes Laurentius

In spätantiker Zeit verlor die Stadt zunehmend an Bedeutung. Das mittelalterliche Pergamon war nur noch eine kleine Provinzstadt, deren Bild schlichte Wohnhäuser und zahlreiche byzantinische Kirchen prägten. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Region von Türken besiedelt. Das heutige Bergama, das sich am Fuße des Burgbergs von Pergamon erstreckt, ist eine Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern.

Plan der Ausgrabungen auf dem Burgberg, aquarellierte Bleistift- und Tuschezeichnung von Carl Humann, 1881
© Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung, Foto: Ingrid Geske

Blick auf das Trajaneum in Pergamon, © Asisi

Grabungsgeschichte

Die deutschen Ausgrabungen in Pergamon zählen zu den erfolgreichsten Unternehmungen der deutschen klassischen Altertumswissenschaft. Von den Königlichen Museen zu Berlin in den Jahren 1878 bis 1886 begonnen, übernahm später das Deutsche Archäologische Institut die Leitung der Grabungen, die bis heute weitergeführt werden.

Der deutsche Ingenieur Carl Humann kam bei Straßenbauarbeiten ins türkische Bergama und wurde Zeuge, wie auf dem Burgberg Reste großer Friesplatten von  Kalkbrennern zerschlagen und zu Kalk verarbeitet wurden. Nur seinen energischen Bemühungen um eine Grabungserlaubnis für die Berliner Museen ist es zu verdanken, dass der Pergamonaltar mit seinen phantastischen Friesen vor der weiteren Zerstörung gerettet wurde.

Blick von der temporären Foto-Plattform über Burgberg und Theater in Pergamon, © Asisi

Von 1878 bis 1886 wurden in mehreren Kampagnen das Fundament des Pergamonaltars freigelegt und fast die gesamte Oberstadt mit Palästen, Athenaheiligtum, Trajaneum, Theater und Markt erforscht. Für die insgesamt drei Grabungskampagnen lagen jeweils die nach der damals geltenden Antikenschutzgesetzgebung erforderlichen Erlaubnisse (Fermane) vor. Die Funde der ersten beiden Kampagnen (1878/79 und 1880/1881) wurden den Berliner Museen aufgrund von Erlassen (Irades) des Sultans vollständig überlassen, die der dritten Kampagne (1883 – 1885) nur partiell aufgrund einer offiziellen Fundteilung. Die Irades des Sultans wurden auf der Botschafterebene übergeben und sind damit staatsrechtlich gültige Dokumente. So gelangten alle bis dahin gefundenen Friesplatten, ein Teil der Skulpturen, Bauglieder und Kleinfunde aus Pergamon nach Berlin. Spätere Funde verblieben im Land. Wesentliche Unterstützung erhielt der Grabungsleiter Carl Humann vor Ort durch den Architekten Richard Bohn und den Direktor der Berliner Skulpturensammlung Alexander Conze.