Relief von Jacopo Sansovinos mit Muttergottes und Heiligen (1530/40) ist restauriert und zu sehen im Venezianer-Raum im Bode-Museum

27.02.2015
Bode-Museum

Fast ein Jahrzehnt nach der Wiedereröffnung des Bode-Museums ist der Venezianer-Raum nun vollständig eingerichtet. Nach einer aufwendigen Restaurierung kann das zentrale Werk dieses Sammlungsbereichs und zugleich ein Hauptwerk der Sammlung überhaupt gezeigt werden: Das um 1530/40 entstandene Relief (Höhe 81, Breite 107 cm) mit der Muttergottes und Heiligen, eine so genannte Sacra Conversazione von Jacopo Tatti, gen. Jacopo Sansovino.

Es ist das große Verdienst des Chefrestaurators Bodo Buczynski, dass er das Relief als sein letztes Objekt vor seinem Ruhestand im Januar 2015 als Leiter der Restaurierungswerkstatt des Bode-Museums zu neuem Leben erweckte.

Sansovino prägte wie kein anderer Bildhauer mit seinem in Florenz geschulten künstlerischen Stil die venezianische Skulptur im 16. Jahrhundert. Anlässlich der neuen Präsentation von Sansovinos Relief, das der Öffentlichkeit zwei Jahrzehnte nicht zugänglich war, wurden in diesem Saal, der an der Ecke von Kupfergraben und Bahntrasse gelegen ist, einige Veränderungen vorgenommen. An keinem Ort der Welt findet der Kunstfreund ein vergleichbares Ensemble von Werken Sansovinos.

Zusammen mit zwei ebenfalls von Sansovino geschaffenen Madonnenreliefs aus Cartapesta (gepresstem Papier) und dem Tonmodell eines Evangelisten für eine Bronzefigur in San Marco, Venedig, ebenfalls von Sansovino, bildet es in dem palastartigen Ambiente des Bode-Museums ein einzigartiges räumliches Ensemble. Es vermittelt ein repräsentatives Bild über das Schaffen dieses vor allem von Michelangelo und Raffael inspirierten Künstlers.

Sansovinos Relief aus gebranntem Ton gehört zum alten Bestand der Berliner Sammlung. Zusammen mit etlichen anderen Werken venezianischer Provenienz wurde es bereits 1841 von Gustav Friedrich Waagen, dem damaligen Direktor der Gemäldegalerie, für die Berliner Museen erworben. Ursprünglich soll sich das Relief, das mit einer weißen, marmorähnlichen Fassung und einer partiellen Vergoldung ausgestattet ist, in einer venezianischen Kirche befunden haben, wo es wahrscheinlich als Altarbild diente.

In Berlin fand das Relief zuerst im Untergeschoss des Alten Museums Aufstellung, bevor es im Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) gezeigt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb es auf der Museumsinsel.

Jacopo Sansovino

Die entscheidende Wende von der Hochrenaissance zum so genannten Manierismus wurde in der venezianischen Skulptur durch den Florentiner Jacopo Sansovino vollzogen, der im Jahre 1527 nach der Plünderung Roms, dem Sacco di Roma, nach Venedig gekommen war. Mit der Berliner Sacra Conversazione, die eine vor einem Thron stehende Muttergottes mit dem Christusknaben zeigt, flankiert links von der heiligen Katharina von Alexandrien (?) und dem heiligen Jakobus, rechts von dem heiligen Franziskus von Assisi und der heiligen Klara, griff Sansovino eine Bildform auf, die traditionell vorrangig für Altargemälde gewählt wurde. Mittels beinahe vollplastischer Köpfe und einem perspektivisch geschichteten Architekturhintergrund vermag Sansovino der Szene Tiefe zu geben. Er holt dieses religiöse Thema, das in der Malerei oft in künstlichen Räumen vor irrealem Goldhintergrund oder Brokatstoffen präsentiert wird, in greifbare Realität.

Restaurierung durch Bodo Buczynski, Leiter a. D. der Restaurierungswerkstatt im Bode-Museum

Das gesamte Terracotta-Relief Sansovinos hat bei der Herausnahme aus seinem ursprünglichen Kontext in Venedig, wo es vermutlich eingemauert war, stark gelitten. Es war in mehrere Teile zerbrochen und wurde im Nachhinein wieder zusammengesetzt, wobei größere Bruchstücke nicht niveaugleich passten. Fehlende Bereiche, wie Arme und Gewandteile wurden bei dieser Maßnahme mit einer Kittmasse ergänzt. Um den Gesamteindruck des Reliefs zu schließen, erfolgte eine äußerst differenzierte Fassung: Durch eine verschiedene Marmorsorten imitierende Hintergrund-Architektur setzt sich diese von der Muttergottes und den vier Heiligen ab, welche in einer weißen Marmorfassung gehalten sind.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das gesamte Relief einen dunkelbraunen Lacküberzug, der das gesamte Erscheinungsbild stark entstellte. Eine grundlegende Restaurierung war sowohl aus konservatorischen und ästhetischen Gründen erforderlich.

Bei der Konsolidierung der offenen Bruchstellen wurde den einzelnen Reliefteilen mit einer Stützkonstruktion aus Edelstahl dauerhafte Stabilität verliehen. Weiterhin war die Abnahme des dunkelbraunen Lackauftrags notwendig. Hierbei zeigte sich, dass die Zweitfassung in einem relativ gut erhaltenden Zustand war. Fehlende Bereiche an den Bruchstellen des Reliefs wurden mit einer Kittmasse geschlossen und der farblichen Umgebung angepasst. Nach der umfangreichen Restaurierung und Freilegung der gut erhaltenden Zweitfassung zeugt das Erscheinungsbild des Reliefs heute wieder von der hohen Qualität des plastischen Werkes Jacopo Sansovinos.

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