Museum für Islamische Kunst kooperiert mit Institut für Islamische Theologie in Osnabrück

10.11.2015
Pergamonmuseum

Im Dezember startet am Institut für Islamische Theologie (IIT) der Universität Osnabrück das einjährige bundesweite Weiterbildungsprogramm „Jugendarbeit in den Moscheegemeinden und Extremismusprävention“. Das Angebot richtet sich insbesondere an Imame und das seelsorgerische Personal in Moscheegemeinden. Neuer Schwerpunkt ist die „kulturelle Bildung“ in Kooperation mit dem Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin.

In der Fortbildung werden Informationen über Geschichte, Politik, Recht und Gesellschaft der Bundesrepublik vermittelt sowie pädagogische Kenntnisse für die Jugend- und Gemeindearbeit und den interreligiösen Dialog. Ein Schwerpunkt ist die Prävention von religiösem Extremismus in der Jugendarbeit. Dabei gehe es primär um diejenigen Kompetenzen, die für ein gedeihliches Miteinander in einer religiös-pluralistischen Gesellschaft wichtig sind. „Besonders die junge Generation prägt im Wesentlichen das Bild des Islam in Deutschland als Bürger dieses Landes“, so Prof. Dr. Bülent Ucar, Direktor des Instituts für Islamische Theologie. „Ihre Teilhabe in allen wichtigen Aspekten des Lebens ist im Hinblick auf die Integration des Islam und der Muslime, aber auch im Hinblick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt von zukunftsweisender Bedeutung“, so der Osnabrücker Religionswissenschaftler.

Neu im Programm ist der Schwerpunkt „Kulturelle Bildung“, der in Kooperation mit dem Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin in das bestehende Lehrprogramm integriert wird. Ziel der Kooperation ist die Weiterentwicklung der interkulturellen Jugendarbeit. „Wir freuen uns darauf, die europaweit einzigartige Sammlung des Museums mit seinen herausragenden Zeugnissen islamischer Kunst und Kultur noch viel mehr Muslimen in Deutschland zugänglich zu machen“, so Prof. Dr. Stefan Weber, Direktor des Museums. Die Kunstwerke sollen für die praktische Arbeit in den Moscheegemeinden erschlossen werden.

Das Weiterbildungsprogramm wird finanziell durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Beauftragte der Bundes-regierung für Kultur und Medien unterstützt.

Anmeldung für das Programm unter: www.islamische-theologie.uni-osnabrueck.de, E-Mail: dbartlakowsk@uni-osnabrueck.de

Das Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin geht damit einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung zu einem bedeutenden gesellschaftlichen Akteur. Es öffnet sich zunehmend für weitere Besuchergruppen und übernimmt eine aktive Rolle im Gestaltungsprozess der Gesellschaft der Zukunft. Das Museum besitzt großes Potenzial, um in den Veränderungsprozessen einer sich immer stärker diversifizierenden Gesellschaft zu intervenieren und wird seiner gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerade mit dem neuen Kooperationsprojekt in zunehmendem Maße gerecht. Museen kommt heute mehr denn je eine konstituierende Rolle bei der Konstruktion von Identität zu. Dabei ist es auch im bundesdeutschen Kontext von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit, die gemeinsamen Entstehungskontexte der monotheistischen Religionen und der mit ihnen verbundenen Kulturen hervorzuheben. Die Gesellschaft befindet sich in einem Prozess, in dem die Existenz hybrider Identitäten immer mehr zum Normalfall wird. Menschen, deren Identität sich aus mehreren kulturellen und religiösen Quellen speist, fordern selbstbewusst und mit aller Berechtigung ihren Platz in den Strukturen und Institutionen des Staates ein. Allerdings geht dieser Prozess nicht ohne Abwehrreaktionen von statten, weshalb Gruppierungen an den Rändern der Gesellschaft neuen Zulauf bekommen. Daher sind die Betonung von gemeinsamer Geschichte und Zukunft, die Immunisierung gegen extremistische Ideologien und die Konzentration auf die Jugend zentrale Aspekte des Kooperationsprojekts. Die jugendlichen Muslime stehen dann auch im Zentrum der Imamweiterbildung.

Das Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin ist eine der ältesten und bedeutendsten Sammlungen islamischer Kunst der Welt. Im Pergamonmuseum im Herzen der Museumsinsel Berlin präsentiert es jährlich bis zu 900.000 Besuchern das facettenreiche Kulturerbe islamisch geprägter Länder aus einem Gebiet von Spanien bis nach Indien und aus dem 7. bis ins 19. Jahrhundert.

Interview mit Institutsdirektor Bülent Ucar