Kaiser Friedrich Museumsverein stellt Terrakottafigur von Pierre Puget vor

08.06.2015
Bode-Museum

Der Kaiser Friedrich Museumsverein, Förderverein für die Gemäldegalerie und die Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, hat die Möglichkeit, eine bedeutende Terrakottafigur des französischen Bildhauers Pierre Puget (1620 – 1694) zu erwerben: Es handelt sich um einen Bozzetto, ein Modell für die überlebensgroße Marmorstatue des heiligen Alessandro Sauli in der Kirche Santa Maria Assunta di Carignano in Genua. Die Kulturstiftung der Länder und die Rudolf-August Oetker Stiftung unterstützen den Ankauf des Modells.

Der geplante Ankauf des Modells von Pierre Puget setzt die erfolgreiche Arbeit des Kaiser Friedrich Museumsvereins für die Staatlichen Museen zu Berlin fort: „Der Kaiser Friedrich Museumsverein hat seit nun 118 Jahren das Ziel, der Skulpturensammlung mit Hilfe seiner Mitglieder und weiterer Gönner und Freunde zu einer wesentlichen Erweiterung des Sammlungsbereiches barocker Tonmodelle zu verhelfen. Seit der Gründung des Vereins bleiben die Kunstwerke Eigentum des Vereins und werden den beiden geförderten Museen als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt. Der Bozzetto wird die 166. Skulptur in der vereinseigenen Sammlung sein. Zusammen mit 111 Gemälden umfasst sie dann 277 Kunstwerke von höchstem künstlerischen Rang“, so Tessen von Heydebreck, Vorsitzender des Kaiser Friedrich Museumsvereins.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, bekräftigt das Vorhaben: „Mit unserer Unterstützung gelangen für das Bode-Museum in den letzten Jahren wunderbare Erwerbungen wie Baccio Bandinellis marmorne Jünglingsbüste oder Riemenschneiders meisterhafte Schnitzgruppe der Heiligen Anna, nun kommt mit dem tönernen Modell des Heiligen Alessandro ein weiteres Glanzlicht in die Skulpturensammlung auf der Museumsinsel.“

„Mit diesem Entwurf bietet sich ein herausragendes Kunstwerk zur Erwerbung an, das die bedeutende Sammlung an barocken Modellen und Bozzetti im Besitz der Berliner Skulpturensammlung auf das glücklichste ergänzen wird“, so Bernd Lindemann, Direktor der Gemäldegalerie sowie Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.

Der Bozzetto von Pierre Puget

Das Werk zeigt den Prozesscharakter in Pierre Pugets Vorgehen: Der Entwurf wurde im nachgiebigen Material Ton mit bloßen Händen gearbeitet und anschließend, der besseren Haltbarkeit wegen, gebrannt. Auf diese Weise haben sich die Fingerabdrücke des Künstlers bis heute an der Figur erhalten.

Der Dargestellte, Alessandro Sauli (1534 – 1593), weist ein außerordentlich hohes Maß an Affekt und an dramatischer Beseeltheit auf. Von bemerkenswerter Kühnheit ist Pugets Darstellung des weit nach oben gerissenen Kopfes. Die Bewegung nach oben, himmelwärts, teilt sich dem ganzen Körper und den prächtigen bischöflichen Gewändern mit. Körperlich in heftiger Bewegung, ist die Figur im Zustand der Entrückung dargestellt. Alessandro Sauli hatte einen besonderen Ruf als charismatischer Prediger. Tiefste Hingebung bis hin zur Entrückung soll seine Messfeiern ausgezeichnet haben. Während der rechte Arm des Heiligen seinem stark emotionalen Aufwärtsstreben zu folgen scheint, will der eng am Körper gehaltene linke Arm mit der auf die rechte Hüfte gedrückten Hand verhindern, was der Geist sucht: Die vollständige Erhebung zum Göttlichen. Auch der Putto zu Füßen des Heiligen scheint den Hocherregten auf Erden halten zu wollen.

Pierre Puget arbeitete von 1660 bis 1667 in Genua und gab den Anstoß für eine bedeutende genuesische Skulpturenepoche. Mit seinem Entwurf zeigt sich Puget als überragender Meister eines Übergangs des barocken Standbildes in Richtung szenisch-ereignishafter Darstellung mit frappantem Ausdruck.