Das „Syrian Heritage Archive Project“ zur Erstellung digitaler Kulturgüterregister wird auch 2016 fortgesetzt

05.02.2016
Pergamonmuseum

Das 2013 begonnene Kooperationsprojekt des Museums für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin und des Deutschem Archäologischen Instituts wird auch im Jahr 2016 fortgeführt. Das Projekt zur Erstellung digitaler Kulturgüterregister für Syrien“wird durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert.

Prof. Dr. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, zeigt sich erfreut über die nachhaltige Unterstützung: „Es ist für Syrien ungemein wichtig, langfristig und international vernetzt ein digitales nationales Archiv aufzubauen, das die großartigen Leistungen dieser Kultur bewahrt, und der traumatisierten Bevölkerung beim Wiederaufbau und einer nationalen Identitätsfindung hilft. 2016 werden wir versuchen, lokale Archive zu retten, Zerstörungen systematisch zu kartieren und die Grundsteine einer Nutzung dieses Archives für die Arbeit mit Kindern zu legen.“

Die Kulturlandschaft Syriens gehört hinsichtlich der Anzahl und Qualität der dort vorhandenen Denkmäler zu den herausragenden Regionen weltweit. Viele grundlegende Aspekte heutiger Gesellschaften, z. B. landwirtschaftliche Nutzung und Urbanisierung, lassen sich auf initiale Entwicklungen in dieser Region zurückführen. Da in Syrien zudem alle Zeitabschnitte vom Beginn menschlicher Nutzung bis in die osmanische Zeit durch archäologische oder historische Monumente belegt sind, verfügt das Land über ein international bedeutendes Kulturerbe. 

Durch die aktuellen Entwicklungen in Syrien ist die Existenz dieses einmaligen kulturellen Erbes, das in weiten Teilen noch nicht wissenschaftlich erschlossen ist, massiv bedroht. Die Zerstörungen in den Altstädten sowie die im großen Stil durchgeführten Raubgrabungen in wichtigen archäologischen Stätten belegen die Dynamik dieses Prozesses, der zum unwiederbringlichen Verschwinden der wichtigsten historischen Zeugnisse des Landes führen kann. Für die gegenwärtige und zukünftige Bewertung des Denkmalbestandes ist die systematische Archivierung und Auswertung der vorhandenen Dokumentationen zu den einzelnen Befund- und Fundkategorien daher von grundlegender Bedeutung.

Aufgrund der langjährigen Forschungsprojekte, die in Zusammenarbeit internationaler Missionen mit der syrischen Generaldirektion für Altertümer und Museen in den vergangenen Jahrzehnten durchgeführt werden konnten, liegen für viele der bedeutendsten archäologischen und historischen Stätten Syriens inzwischen zahlreiche Daten vor. Viele dieser Forschungsdaten sind jedoch bisher ausschließlich in analoger Form vorhanden, da die digitale Datengenerierung in der Archäologie und Bauforschung im größeren Umfang erst gegen Ende der 1990er-Jahre begonnen wurde.

Die vollständige Digitalisierung der älteren Datenbestände bildet daher die grundlegende Voraussetzung für die zukünftige Datennutzung und ihre sinnvolle Zusammenführung in größeren Datenbankprojekten sowie die darauf basierenden Auswertungen zum Stand des Kulturerbes in Syrien.

Das Museum für Islamische Kunst und das Deutsche Archäologische Institut, die beide durch ihre langfristige Arbeit in Syrien über sehr umfangreiche Datensammlungen verfügen, haben daher im November 2013 im gemeinsamen „Syrian Heritage Archive Project“ mit der digitalen Erschließung ihrer Archive begonnen. Dabei wurde von Anfang an die internationale Vernetzung mit anderen, ähnlich gelagerten Projekten zur langfristigen Dokumentation der Kulturgüter Syriens angestrebt.

Das „Syrian Heritage Archive Project“ wird durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert und vom Freundeskreis des Museums für Islamische Kunst aktiv unterstützt.