"Das Kapital Raum 1970-1977" von Joseph Beuys als neue Dauerleihgabe des Sammlers Erich Marx für die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

24.02.2015
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Joseph Beuys weltberühmte Rauminstallation "Das Kapital Raum 1970-1977" wurde als Dauerleihgabe von dem Kunstsammler Erich Marx an die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin übergeben. Das Werk wird ab dem nächsten Jahr zunächst im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin in einem modellhaften Aufbau zu sehen sein. Dauerhalft soll das berühmte Environment seinen Platz jedoch im geplanten Neubau für die Kunst des 20. Jahrhunderts am Kulturforum finden.

Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, betont die Bedeutung des Werks: "Mit 'Das Kapital' wird der bedeutende Werkkomplex von Joseph Beuys in der Sammlung Marx mit einem Schlüsselwerk bekrönt. Mit der Leihgabe an die Staatlichen Museen zu Berlin schließt sich für uns ein Kreis: Vor dreißig Jahren stand Erich Marx am Anfang unseres Hamburger Bahnhofs. Mit ihm an der Seite brechen wir nun auf zu unserem Museum der Moderne."

Zwischen dem Sammler Marx und den Staatlichen Museen zu Berlin besteht schon seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Dadurch hat sich in Berlin mit der Nationalgalerie eines der wichtigsten Zentren weltweit für die Kunst von Joseph Beuys etabliert. Erich Marx erklärt seine Beweggründe für die neue Leihgabe folgendermaßen: "Aus tiefer Verbundenheit mit der Kunststadt Berlin habe ich mich schon vor Jahren dazu entschlossen, meine Sammlung der Nationalgalerie als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Nach der lange anhaltenden guten Zusammenarbeit freue ich mich, diese Dauerleihgabe nun durch ein weiteres Schlüsselwerk von Joseph Beuys ergänzen zu können, einem Künstler, mit dem mich auch persönliche Freundschaft verband. Mit dem Ankauf dieses Werkes hat meine Sammlertätigkeit einen abschließenden Höhepunkt gefunden."

"Das Kapital Raum 1970‒1977"

Das Environment "Das Kapital Raum 1970-1977" wurde von Beuys für den zentralen Raum des internationalen Pavillons der Biennale von Venedig 1980 geschaffen. Die komplexe Rauminstallation besteht insgesamt aus 27 Objekten, die im Zusammenspiel miteinander ein Gesamtwerk bilden. Zu den Objekten des Environments gehören unter anderem 50 Kreidetafeln, ein Konzertflügel und verschiedene technische Geräte, wie ein Mikrofon und Tonbandgeräte. Er verwendete dafür unter anderem Elemente aus früheren Performances wie der Aktion "Celtic (Kinnloch Rannoch)" von 1970 und "Celtic + ~~~~" sowie 50 Kreidetafeln, die im Zuge der documenta V 1972 und der documenta VI 1977 entstanden. "Das Kapital Raum 1970‒1977" kann damit als Summe der wichtigsten Stationen und Impulse der vorangegangenen zehn Schaffensjahre des Künstlers interpretiert werden.

1984 installierte Beuys das Werk in den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen in einer den räumlichen Gegebenheiten angepassten Variante. Zwischenzeitlich war es auch in anderen Installationsformen zu sehen, etwa 1981 im InK, Halle für internationale neue Kunst, Zürich, oder 1983 bei der Ausstellung "Der Hang zum Gesamtkunstwerk" im Zürcher Kunsthaus. Erich Marx erwarb das Werk im vergangenen Jahr, nachdem die Eigentumsverhältnisse mit den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen geklärt worden waren.

Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin als ein Zentrum für die Kunst von Joseph Beuys

Zur Sammlung der Nationalgalerie gehört seit 1977 die Arbeit "Richtkräfte", die aus 100 schwarzen, beschrifteten Schultafeln besteht, die aus einer vierwöchigen Aktion in London (1974) und einem Environment in New York hervorgegangen sind. Durch die Dauerleihgabe der Sammlung Marx, die seit 1996 im Hamburger Bahnhof beheimatet ist, sind in Berlin auch so berühmte Werke wie "Das Ende des 20. Jahrhunderts" (1982-1983), "The secret block for a secret person in Ireland", "Unschlitt/Tallow" und "Straßenbahnhaltestelle" zu sehen. 2008/2009 veranstaltete die Nationalgalerie mit "Beuys. Die Revolution sind wir" eine der größten retrospektiven Ausstellungen zum Werk des Künstlers; 2011/12 zeigte sie gemeinsam mit dem Art Tower Museum in Mito (Japan) "Joseph Beuys 8 Tage in Japan und die Utopie EURASIA", eine sensationelle Ausstellung mit der Erstveröffentlichung von 30 Stunden Filmmaterial.

Die Sammlung Marx im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Mit den Werken der Sammlung Marx wurde der Hamburger Bahnhof im Jahr 1996 eröffnet. Die Sammlung ist eine unbefristete Dauerleihgabe an die Nationalgalerie, die von den Kuratoren des Museums in wechselnden Präsentationen vorgestellt wird.

Im Zentrum der Sammlung Marx stehen fünf große Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und Andy Warhol. Von ihnen enthält die Sammlung umfassende Werkkomplexe, die es erlauben, die jeweilige künstlerische Entwicklung vom Frühwerk bis zu den jüngsten Arbeiten nachzuvollziehen. Zahlreiche Werke dieser Künstler sind dauerhaft ausgestellt.