Umfrage Staatliche Museen zu Berlin

Besuch aus Holland: Niederländische Regenten zu Gast in der Gemäldegalerie

14.04.2017
Gemäldegalerie

Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin kann dank einer großzügigen Leihgabe des Museums de Lakenhal in Leiden für insgesamt zwei Jahre eine Besonderheit der niederländischen Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts präsentieren: ein sogenanntes Regentenstück des Malers Jacob Fransz. van der Merck.

„Wir sind dankbar, neben der National Gallery als einzige internationale Institution eine Langzeitleihgabe aus dem Museum De Lakenhal zeigen zu können, das derzeit umgebaut wird“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Gemäldegalerie. „Van der Mercks Regenten treten in der Gemäldegalerie in Dialog mit Werner van den Valckerts Vier Regenten der Groot-Kramersgild aus den eigenen Beständen.“

Im Gegensatz zum restlichen Europa waren in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts nicht Adelige, sondern Mitglieder des vermögenden Stadtbürgertums die wichtigsten Auftraggeber. Zur Illustration ihres gesellschaftlichen Status ließen sich insbesondere Vertreter städtischer Vereinigungen, etwa die Regenten (Vorsteher) karitativer und sozialer Einrichtungen, in lebensgroßen Gruppenbildnissen darstellen. In der Regel erhielten ortsansässige Spezialisten den Auftrag für derartige Gruppenbildnisse. Im vorliegenden Fall war es der Leidener Maler Jacob Fransz. van der Merck (um 1610-1664). Er porträtierte 1658 die fünf Vorsteher des Loridanshofs, einem karitativem Wohnstift für alte Menschen. Am linken Bildrand, etwas zurückgenommen, sind jedoch auch der Pförtner und der Schreiber dargestellt. Eine derart differenzierte Anordnung verwundert kaum, da jeder Porträtierte für sein Bildnis selbst zu zahlen hatte, was zu Unterschieden in der Präsentation der einzelnen Figuren führte. Damit spiegeln die Regentenstücke ein stückweit die sozialen Verhältnisse der holländischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts anschaulich wieder.

Derartige Gruppenbilder verblieben in der Regel im städtischen Besitz und gelangten nicht auf den Kunstmarkt, was zur Folge hatte, dass dieser spezifische Porträttypus heute in kaum einer Kunstsammlung außerhalb der Niederlande zu finden ist. Die Gemäldegalerie ist dankbar, für zwei Jahre das großformatige Regentenstück aus Leiden zeigen zu dürfen und so ihre Präsentation der niederländischen Malerei stimmig ergänzen zu können. Zu sehen sind „Die Regenten des Loridanhofes in Leiden“ im Raum 432 im Kontext holländischer Porträts des 17. Jahrhunderts.

Außergewöhnlich ist zudem, dass sich in diesem Fall auch der originale Rahmen mit den vergoldeten Kartuschen und den Initialen der Regenten erhalten hat, so dass alle dargestellten Regenten identifizierbar sind. Das oben in den Rahmen eingesetzte, kleine Porträt zeigt Pieter Loridan, einen reichen Textilfärber aus Leiden, der 1655 in seinem Testament die Errichtung des Loridanhofes als Wohnstiftes für bedürftige, alte Ehepaare, verfügt hatte. Erstaunlicherweise sind zudem alle Rechnungen für das Leidener Gruppenporträt erhalten, weshalb wir heute detailliert über die Kosten für Rahmen, Schnitzwerk und Vergoldung unterrichtet sind. In dieser Vollständigkeit von Gemälde, Rahmen und Dokumentation stellt die Leidener Leihgabe einen seltenen Glücksfall für die Besucherinnen und Besucher wie für die Forschung dar.