20 Jahre Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

19.10.2016
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Im Herbst feiert der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin sein 20-jähriges Bestehen mit einem eintrittsfreien Wochenende am 5. und 6. November 2016. Das Wochenende bietet dem Publikum ein umfangreiches Ausstellungsprogramm, und es wird vom 27. Oktober bis 3. Dezember 2016 von Konzert- und Vortragsveranstaltungen gerahmt.

Am 1. November 1996 wurde der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart - Berlin als weiteres großes Haus der Nationalgalerie in einem von Josef Paul Kleihues renovierten und erweiterten historischen Gebäude eröffnet. Im Jahr 2004 konnte das Museum mit den von Kühn Malvezzi umgebauten Rieckhallen seine Ausstellungsflächen nahezu verdoppeln, um neben der Präsentation von Sonderausstellungen auch der wachsenden Sammlung der Nationalgalerie sowie privaten Sammlungen etwa von Erich Marx und Friedrich Christian Flick eine zukünftige Perspektive geben zu können. Mit rund 10.000 qm Ausstellungsfläche gehört der Hamburger Bahnhof zu einem der international bedeutendsten Museen der Kunst nach 1960.

Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm im Rahmen des 20. Jubiläums legt den Schwerpunkt auf den gesellschaftlichen Kontext des Museums und auf dessen Funktionsverschiebungen im Zuge eines erweiterten Verständnisses von Kunst. Vor diesem Hintergrund stellt die ab 22. Oktober 2016 in der historischen Halle gezeigte detailreiche Installation von Christoph Büchel die Frage nach der Verfasstheit westlicher demokratischer Gesellschaften. „Training Ground for Training Ground for Democracy" steht in Zusammenhang mit einer langjährigen Auseinandersetzung des Künstlers mit politischen, militärischen, juristischen und kulturellen Szenarien der US-amerikanischen Gesellschaft. Das 2007 entstandene Werk ist während der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA erstmals wieder zu sehen. Es ist Teil der umfangreichen Schenkungen von Friedrich Christian Flick an die Nationalgalerie.

Vom 27. Oktober bis zum 13. November 2016 wird in den Rieckhallen das Ausstellungs- und Konzertprojekt „SCORES" aus der Reihe „Musikwerke Bildender Künstler" präsentiert. Mit Werken von Saâdane Afif, Christian Marclay, Ari Benjamin Meyers und Jorinde Voigt in unterschiedlichsten Medien widmet sich das Projekt dem Thema der musikalischen Partitur. Seit den 1960er-Jahren wird die Partitur vor dem Hintergrund eines erweiterten Kunstbegriffs über die traditionelle Notation hinaus als vielfältiges Aufzeichnungsmedium verstanden und immer wieder neu interpretiert.

Ebenfalls im Umfeld des Jubiläums, am 2. und 3. Dezember 2016, veranstaltet die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof eine öffentliche Konferenz, in der internationale Gäste museale Perspektiven in Zeiten der Globalisierung diskutieren. Die Konferenz findet anlässlich des für Ende 2017 geplanten Ausstellungsprojekts „Globale Resonanzen" statt, das sich mit einer Revision der Sammlung der Nationalgalerie befasst. Anhand internationaler und transregionaler Verflechtungen in der Kunst seit 1900 sollen Auswirkungen aktueller gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen auf die Arbeit der Museen reflektiert werden.

Welch starke Botschaft Kunst als Reaktion auf bestimmte Zustände der Gesellschaft senden kann, zeigt Robert Indianas Pop-Art-Ikone „Imperial Love" (1966/2006), die dank einer Schenkung der Morgan Art Foundation seit September im Hof des Hamburger Bahnhofs steht. Indianas Motiv zählt zu den bekanntesten jüngeren Werken der Kunstgeschichte und wurde weltweit Teil des kollektiven Bildgedächtnisses. Als Hinweis auf das 20-jährige Jubiläum des Hauses können Besucherinnen und Besucher ihre Eindrücke unter dem Hashtag #20yearsoflove teilen.

Die Ausstellungen „Manifesto" von Julian Rosefeldt und „Das Kapital. Schuld – Territorium – Utopie" werden nur noch bis zu dem Wochenende vom 5. und 6. November 2016 zu sehen sein. Die Einzelausstellung der türkischen Künstlerin Gülsün Karamustafa läuft noch bis zum 15. Januar 2017.

Das eintrittsfreie Wochenende am 5. und 6. November wird ermöglicht durch Erich Marx, dessen Sammlung seit Eröffnung des Hauses zum zentralen Bestand des Hamburger Bahnhofs gehört, sowie durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie.