Über die Sammlung

Skulpturensammlung

Die Skulpturensammlung zählt zu den größten Kollektionen für ältere Plastik weltweit. Ihre Werke haben ihren Auftritt im Bode-Museum auf der Museumsinsel Berlin. Die Skulpturen vom frühen Mittelalter bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert stammen aus den deutschsprachigen Ländern, aus Frankreich, den Niederlanden, Italien und Spanien. Besonders abwechslungsreich laden Hauptwerke italienischer Bildhauerkunst den Betrachter ein: Mittelalterliche Plastik wie die "Madonna" des Presbyter Martinus und der "Schmerzensmann" von Giovanni Pisano leiten über zu Arbeiten von Meistern der Frührenaissance. Glasierte Terrakotten von Luca della Robbia, Donatellos "Madonna Pazzi" und die Bildnisbüsten von Desiderio da Settignano, Francesco Laurana und Mino da Fiesole bilden Glanzpunkte der Sammlung.

Eindrucksvolle Skulpturen der deutschen Spätgotik ziehen gleichermaßen in ihren Bann: die "Schutzmantelmadonna aus Ravensburg" von Michel Erhart ebenso wie die Bildwerke Hans Multschers, Tilman Riemenschneiders, Hans Brüggemanns, Niclaus Gerhaert von Leydens und Hans Leinbergers. Ihnen folgt die deutsche Renaissance- und Barockplastik mit Statuetten aus Alabaster und Elfenbein.

Überdies kann das Bode-Museum eindrucksvolle Beispiele baugebundener Plastik vorstellen. Die mit detailreichen Figurendarstellungen aufwartende "Gröninger Empore" ist ein Hauptwerk der deutschen Romanik. Die bewegten Skulpturen Andreas Schlüters und die Gruppe von sechs Feldherrnstatuen, die für den ehemaligen Wilhelmplatz in Berlin geschaffen wurde, stehen für Berliner Bildhauerkunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

In der Studiensammlung des Museums sind zahlreiche italienische Bildwerke verschiedener Schulen, überwiegend aus der Zeit der Renaissance, zu sehen, darunter der berühmte Bronzekopf des Lodovico Gonzaga oder das Kopffragment der "Prinzessin von Neapel".

Als besonderes Beispiel für zeitgenössisches bürgerliches Engagement ergänzt die "Kunstkammer Würth" mit 28 Arbeiten aus der Sammlung des Industriellen und Mäzens Reinhold Würth bis 2014 in idealer Weise die Werke des Museums. Hier sind vorwiegend Kleinbildwerke aus Elfenbein des 17. und 18. Jahrhunderts von Künstlern wie Leonhard Kern, Zacharias Hegewald, Joachim Henne, Adam Lenckhardt, Paul Egell oder Christoph Daniel Schenck zu sehen, außerdem ein kostbarer Bernsteinaltar und eine von Paulus Ättinger teilvergoldete Silberarbeit, die eine Diana auf einem Hirsch zeigt.

Die Skulpturensammlung ging aus der brandenburgisch-preußischen Kunstkammer im Berliner Stadtschloss hervor, deren Anfänge bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückreichen. Ihren Grundstock bildeten Werke aus jener Zeit und Plastiken der italienischen Renaissance. Ab 1830 wurde die "Renaissance-Abteilung der Skulpturen" im neu eröffneten Museum, heute Altes Museum, lediglich als Anhängsel der Antikensammlung öffentlich ausgestellt.

Ein Jahrzehnt später erhielt der Bestand beachtlichen Zuwachs, als Gustav Friedrich Waagen, der erste Direktor der Gemäldegalerie, 1841/42 in Venedig und Florenz wichtige Skulpturen, etwa Desiderio da Settignanos Büste der Marietta Strozzi, ankaufen konnte. Zu einer eigenständigen "Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen" entwickelte jedoch erst Wilhelm von Bode die Skulpturensammlung, ihm hat sie ihren Aufstieg zu einer Kollektion von Weltniveau zu verdanken. Ab 1885 ihr Direktor, galt sein Hauptaugenmerk bei der Erweiterung des Bestandes vornehmlich dem systematischen Zugewinn großformatiger italienischer Bildwerke und dem Aufbau einer Sammlung nordalpiner Arbeiten. Damit sollte die Entwicklung der gesamten abendländischen Skulptur bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nachvollziehbar werden.

Bode, ab 1890 zugleich Direktor der Gemäldegalerie, war daran gelegen, Kunstwerke nicht isoliert, sondern in ihren kulturellen und künstlerischen Zusammenhängen zu begreifen. Als im Oktober 1904 das Kaiser Friedrich-Museum, heute Bode-Museum, eröffnet wurde, kombinierte es Bildwerke, Gemälde und Möbel der italienischen Renaissance. Im Gegensatz zu traditionellen Museumspräsentationen waren hier die figurativen Künste Malerei und Skulptur erstmals parallel und als gleichwertig in ihrer Entwicklung innerhalb eines Gebäudes zu sehen. Zur Erweiterung der Sammlungen gründete Bode zudem 1897 den Kaiser Friedrich-Museums-Verein, der bis heute Skulpturensammlung und Gemäldegalerie unverzichtbar unterstützt.

Mit dessen Hilfe, vor allem der des großen Mäzens James Simon, konnte die Sammlung deutscher Plastik bis 1914 nahezu verdoppelt werden. Die Bildwerke nordalpiner Kunst wurden ab 1930 im Deutschen Museum, im Nordflügel des soeben fertiggestellten Pergamonmuseums, gezeigt.

Der Zweite Weltkrieg war für die Skulpturensammlung enorm folgenreich. Die in Thüringer Salzbergwerken ausgelagerten Kunstwerke, die 1945 von amerikanischen und englischen Truppen geborgen worden waren, gelangten nach Westdeutschland. 1955 konnten sie nach Berlin zurückkehren. Hier fanden sie eine provisorische Aufstellung im Westteil der Stadt, in den Museen Dahlem.

Zahlreiche weitere Skulpturen, die den Krieg im Flakbunker Friedrichshain überstanden hatten, fielen nach der Übergabe an die Rote Armee zwei Brandkatastrophen im Mai 1945 zum Opfer, wurden geplündert oder sind nur noch fragmentarisch erhalten. Manche von ihnen, die in die Sowjetunion gelangt waren, wurden 1958 nach Ostberlin zurückgeführt und hier im Bode-Museum gezeigt. Etwa 1.400 Objekte jedoch werden seit dem Krieg vermisst.

Nach dem Fall der Mauer konnte die jahrzehntelang geteilte Sammlung 1991 wieder vereint werden. Im Jahre 2000 wurde sie mit dem Museum für Byzantinische Kunst zusammengelegt.

Trotz der schweren Kriegsverluste und der jahrzehntelangen Trennung zählt die Skulpturensammlung zu den erstrangigen Kollektionen ihrer Art, was nicht zuletzt dem Wirken der Dahlemer Direktoren Peter Metz und Peter Bloch zu verdanken ist, die etwa Giovanni Lorenzo Berninis Putto auf dem Delfin oder Antonio Canovas "Tänzerin" erwarben. Seit Herbst 2006, als das Bode-Museum nach langjähriger Generalsanierung wiedereröffnet wurde, kann die Skulpturensammlung nun abermals in ihrem majestätischen Stammhaus betrachtet und studiert werden.

Museum für Byzantinische Kunst

Das Museum für Byzantinische Kunst besitzt eine erstrangige, in Deutschland unvergleichbare Sammlung spätantiker und byzantinischer Kunstwerke und Alltagsgegenstände. Sie umfasst vor allem Kunst des Weströmischen und des Byzantinischen Reiches aus der Zeit vom 3. bis zum 15. Jahrhundert, hinzu kommt eine große Zahl nachbyzantinischer Ikonen und Kleinkunstwerke.

Die Objekte des Museums stammen aus nahezu allen Gegenden des antiken Mittelmeerraums, aus Rom und Italien, aus Istanbul (dem byzantinischen Konstantinopel) und der Türkei, aus Griechenland und den Balkanländern, aus Ägypten, Nubien, Äthiopien, Nordafrika, aus den Ländern des Nahen Ostens und Russland, ganz entsprechend der Ausdehnung des West- und Oströmischen Reiches und der Staaten, die das Erbe der byzantinischen Kultur angetreten haben.

Innerhalb dieses breiten Spektrums hat die Berliner Sammlung ihr unverwechselbares Profil herausgebildet: Spätantike Sarkophage und Sarkophagfragmente aus Rom bieten ein Panorama der frühen christlichen Ikonografie in der Hauptstadt des Weströmischen Reiches. Der reiche Bestand figürlicher und ornamentaler Skulptur aus dem Oströmischen Reich ermöglicht das Studium der stilistischen Vielfalt und Veränderung dieser Gattung, wie es sonst nur noch in der Sammlung des Archäologischen Museums in Istanbul möglich ist. Kostbare Elfenbeinschnitzereien und Mosaikikonen zeugen von dem hohen handwerklichen und künstlerischen Standard byzantinischer Hofkunst. Gegenstände des Alltags und der christlichen Religion aus Ägypten geben Hinweise auf das tägliche Leben und die liturgische Ausstattung. Darunter sind auch Bodenfunde aus organischen Materialien wie Holz und Textilien, die ihre Erhaltung dem heißen und trockenen Wüstenklima Ägyptens verdanken.

Bereits die Kunstkammer der kurfürstlich-brandenburgischen Familie enthielt wenige, aber kostbare spätantike und byzantinische Werke als Kabinettstücke, vor allem Elfenbeinarbeiten. Nach Auflösung der Kunstkammer 1875/76 bildeten sie zusammen mit byzantinischen und venezianischen Steinreliefs, die 1849 aus dem Besitz des Antiquars Francesco Pajaro nach Berlin gekommen waren, den Grundstock der Sammlung.

Seit den 1890er-Jahren bemühte sich der nachmalige Generaldirektor der Berliner Museen, Wilhelm von Bode, erfolgreich um den Ausbau des Bestandes, um, seinem Konzept gemäß, die Lücke zwischen den antiken Schaustücken und der Kunst des europäischen Mittelalters zu schließen. Durch systematischen Erwerb in Kleinasien, Ägypten und Rom wurde in Berlin innerhalb weniger Jahre eine vorzügliche Sammlung spätantiker und byzantinischer Kunst aufgebaut, die ab 1904 im Kaiser Friedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum, geschlossen präsentiert wurde.

Der Zweite Weltkrieg forderte trotz Auslagerung unwiederbringliche Verluste unter den Beständen. Die Spaltung Deutschlands als Folge des Krieges hatte auch eine Teilung der Restbestände der Sammlung zur Folge. Es gab nun zwei Standorte: auf der Museumsinsel im Bode-Museum in Ost-Berlin und in den neu errichteten Museen in West-Berlin. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnten die Bestände aus Ost und West auf der Museumsinsel Berlin, im Bode-Museum, wieder zusammengeführt werden.

Seit dem Jahr 2000 sind die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst zu einem Museum zusammengelegt.

Die Publikationen der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst finden Sie in der Bibliographie der Staatlichen Museen zu Berlin.

Die Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst präsentiert seine einzigartigen Objekte im Bode-Museum auf der Museumsinsel Berlin.

Informationen zu Adresse, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Verkehrsverbindungen finden Sie hier.

Bei Fragen Rund um Ihren Museumsbesuch wenden Sie sich bitte an die Infoline der Staatlichen Museen zu Berlin:


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Direktor: Prof. Dr. Bernd Lindemann
Leiter: Dr. Julien Chapuis