Umfrage Staatliche Museen zu Berlin

Geschichte

Das Rathgen-Forschungslabor wurde am 1. April 1888 als „Chemisches Laboratorium der Königlichen Museen“ gegründet. Prof. Dr. Friedrich Rathgen (1862 - 1942) wurde zum ersten Direktor des Instituts bestellt und blieb es bis zu seiner Pensionierung fast 40 Jahre später. Seine Hauptaufgabe lag vor allem in der Verbesserung von Verfahren zur Erhaltung von Museumsobjekten, aber auch in der Materialanalyse sowie der Erforschung von Herstellungstechniken kulturhistorischer Objekte.

Ab 1928 übernimmt Prof. Dr. Carl Brittner (1883 - 1958) die Leitung des Labors. Das Chemische Laboratorium in den Kolonnaden auf der Museumsinsel wird gegen Ende des zweiten Weltkrieges zerstört, der geplante Wiederaufbau nach Kriegsende kommt nicht zustande. Provisorisch wird das Labor zunächst im Magazinbau in Berlin-Dahlem untergebracht. Nach der Pensionierung Carl Brittners verschwindet es 1948 aus dem Betrieb und den Planungen der Museen für mehrere Jahrzehnte.

Die Wiedereröffnung des Labors als Rathgen-Forschungslabor auf Betreiben des damaligen Generaldirektors Prof. Dr. Stephan Waetzoldt wird durch Mittel der Stiftung Volkswagenwerk am 1. März 1975 ermöglicht. Zu seinem neuen Direktor wird Prof. Dr. Josef Riederer (*1939) vom Doerner-Institut aus München bestellt. Es widmet sich vor allem archäometrischen Studien und Datierungsfragen.

1981 bezieht das Rathgen-Forschungslabor die Räumlichkeiten in der Schlossstraße 1A in Berlin-Charlottenburg, in denen es sich heute noch befindet. Die Zusammenlegung des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz (West) mit den Zentralen Werkstätten der Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) zum neuen Rathgen-Forschungslabor erfolgt am 1. Januar 1992.

Der Leiter des Ost-Berliner Konservierungslabors Dr. Achim Unger verstärkt in den Folgejahren das konservierungswissenschaftliche Profil der Einrichtung.

Nach 30 Jahren Leitung übernimmt im Februar 2005 Prof. Dr. Stefan Simon (*1962), aus dem Getty Conservation Institute kommend, die Nachfolge Josef Riederers als Direktor des Rathgen-Forschungslabors. Es erfolgt eine Neuausrichtung mit Schwerpunkt auf ein konservierungswissenschaftliches Dienstleistungs- und Forschungsprofil. Im April 2014 wird Stefan Simon für zunächst fünf Jahre an die Yale University bestellt, um ein neues konservierungswissenschaftliches Institut, das Institute for the Preservation of Cultural Heritage, aufzubauen.

Seit 2014 ist Dr. habil. Ina Reiche die Direktion des Rathgen-Forschungslabors. Sie promovierte nach ihrem Studium der Chemie und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin am Forschungslabor der französischen staatlichen Museen (C2RMF) im Louvre in Paris und arbeitete anschließend zwei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin bereits im Rathgen-Forschungslabor bevor sie eine Forschungsstelle am Forschungsinstitut CNRS in Paris annahm. Nach der Tätigkeit als Forschungsdirektorin im dortigen Labor für Strukturelle und Molekulare Archäologie (LAMS) übernimmt sie nun die Leitung des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Arbeitsgebiete des Rathgen-Forschungslabors umfassen aktuell fünf Themenbereiche: die Präventive Konservierung, die Untersuchung von Alterungserscheinungen, die Unterstützung bei der Etablierung effizienter und nachhaltiger Konservierungs- und Restaurierungsstrategien, Studien auf dem Gebiet der Kunsttechnologie und der Archäometrie bzw. Bioarchäologie.

Geschichte des Rathgen-Forschungslabors: Friedrich Rathgen, 1862 - 1942 (PDF, 3,98 MB)