Leitbild des Rathgen-Forschungslabors 

Mission Statement

Das Rathgen Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin ist bundesweit eine von wenigen Forschungseinrichtungen die materialübergreifend konservierungswissenschafliche, kunsttechnologische und archäometrische Untersuchungen an Museumsobjekten durchführt, sowie neben dem Zentrallabor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege die einzige Forschungseinrichtung für naturwissenschaftliche Fragestellungen aus der Denkmalpflege und der Erhaltung archäologischer Stätten. In allen die Konservierung und Erhaltung von mobilem und immobilen Kunst- und Kulturgut betreffenden Fragen, hat das Rathgen Forschungslabor dadurch eine national herausragende Stellung inne. Aufgrund dieser Stellung war und ist das Rathgen Forschungslabor in zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte eingebunden und stellt seine Expertise auch in internationalen Fachgremien wie ICOMOS, ICOM-CC oder ICCROM zur Verfügung.

Es steht in der Tradition des ältesten Museumslabors der Welt, der am 1. April 1888 als Chemisches Labor der Königlichen Museen zu Berlin gegründeten Forschungs- und Entwicklungseinrichtung und ist nach dessen erstem Direktor, Friedrich Rathgen, benannt.

Nach dem Statut der Staatlichen Museen zu Berlin dient das Rathgen Forschungslabor insbesondere der naturwissenschaftlichen und technologischen Untersuchung von Sammlungsobjekten der Staatlichen Museen zu Berlin, sowie von Angeboten. Die Durchführung langfristiger eigener Forschungsprojekte ist gleichermaßen Auftrag des Statuts.

Das Rathgen Forschungslabor beruft sich auf Artikel 2 der Internationalen Charta über die Erhaltung und Restaurierung von Kunstdenkmälern und Denkmalgebieten (der Charta von Venedig, 1964): „Die Erhaltung und Restaurierung von Denkmälern bildet den Gegenstand eines Faches, welches sich aller naturwissenschaftlichen und technischen Mittel und Methoden bedient, die einen Beitrag zur Erforschung und Erhaltung der überkommenen Denkmäler leisten können.“

Mit der Umwandlung des Rathgen Forschungslabors in ein zentrales Kompetenzzentrum für die Erhaltung von Kulturgut entsprechend den Empfehlungen der Strukturkommission der SMB wird einerseits eine Verknüpfung zu den ursprünglichen Wurzeln des Forschungslabors im 19 Jahrhundert geschaffen, wie auch eine bessere Vorbereitung auf die konservatorischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ermöglicht.

Das mission statement wird durch drei vertikale und drei horizontale Leitelemente aufgebaut:

Als Tätigkeitsfelder des Rathgen Forschungslabors werden 3, nicht immer scharf voneinander zutrennende Schlüsselprioritäten formuliert.

1. Konservierungswissenschaft (Conservation Science)
2. Kunsttechnologie (Technical Art History)
3. Archäometrie

Priorität 1. Konservierungswissenschaft

Unter Konservierungswissenschaft versteht man die angewandte Forschung zur besseren Erhaltung und zum verantwortlichem Gebrauch von beweglichem und unbeweglichem Kunst- und Kulturgut, sowie Sammlungen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen

- die Charakterisierung von Materialien und Verwitterungsprodukten,
- die Aufklärung von Verwitterungsmechanismen und deren Kinetik
- die Entwicklung neuer Methodologien der präventiven Konservierung, Risk assessment sowie
- die Entwicklung neuer Materialien und Techniken für Konservierung und Restaurierung

Eine Weiterentwicklung der Konservierungswissenschaft, wie überhaupt der Aufbau des Kompetenzzentrums für die Erhaltung von Kulturgut, kann nur durch intensive Zusammenarbeit mit und Einbeziehung von Restauratoren in das Arbeitsteam erreicht werden.

Priorität 2.

Kunsttechnologieforschung (Technical Art History) Die Kunsttechnologieforschung ist ein umfassendes Wissensgebiet, wo das Verständnis für und die Bedeutung des Kunstwerks im Mittelpunkt stehen, nicht dessen Erhalt. Es bedient sich der Charakterisierung von Materialien um Rückschlüsse auf Produktionstechniken, Werkstattpraxis, sowie thematischen Studien zu Künstlern, Schulen, Perioden und Einflüssen durchzuführen. Als Vorbilder können die langfristigen Initiativen an der National Gallery oder am Louvre herangezogen werden, die darüber auch regelmäßig publizieren, wie auch die Verwendung bildgebender Verfahren in der Gemäldegalerie. Eine sehr enge Abstimmung mit Kunsthistorikern ist für Erfolge auf diesem Arbeitsgebiet wesentlich.

Priorität 3.

Archäometrie Unter den Begriff der Archäometrie fallen Untersuchungen zur Datierung, zur Aufklärung von kulturellen Beziehungen, Technologietransfer und Handelswegen die sich auf die Charakterisierung der Materialien stützen. In erster Linie ist für dieses Arbeitsgebiet eine enge Anbindung an den universitären Sektor erforderlich, da die notwendige und arbeitsintensive apparative High-Tech Ausrüstung teuer („cutting edge) und nur an wenigen Standorten verfügbar ist. Daneben ist die enge Zusammenarbeit mit Archäologen notwendig.

1. Lehre

Neben der Einbindung der Wissenschaftler des RF in verschiedene Hochschulprogramme sind Studenten, Praktikanten, junge Wissenschaftlern und Restauratoren, die am RF ihre Diplom bzw. Doktorarbeit durchführen, sowie Research Fellows seit vielen Jahren ein weiteres wichtiges Element einer erfolgreicher Forschung. Mittelfristig sollten alle Anstrengungen unternommen werden im Raum Berlin einen Master bzw. PhD-Studiengang für Konservierungswissenschaft zu etablieren und damit gegenüber dem Ausland (Italien, Frankreich, Polen bzw. Niederlande) auf einem kritischen Feld aufzuholen.

2. Wissensmanagement und Dissemination

In Zusammenarbeit z.B. mit dem Institut für Museumskunde sollen die notwendigen Instrumente zum Austausch und zur Verbreitung von Wissen entwickelt werden, wie Datenbanken oder internetfähige Oberflächen. Nur so kann der in der Vergangenheit am Rathgen Forschungslabor erarbeitete einzigartige Wissensfundus einer interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

3. Networking, Entwicklung und Konzipierung von Forschungsprojekten

Die Bedeutung langfristiger und international vernetzter Forschungsprojekte ist im konservierungswissenschaftlichen Umfeld inzwischen unbestritten. Die notwendige Ankopplung des Rathgen Forschungslabors an die starke Entwicklung der europäischen Forschungslandschaft während der letzten 20 Jahre, insbesondere in Abstimmung mit den konservierungswissenschaftlichen Abteilungen der anderen großen Universalmuseen bedarf besonderer Anstrengungen.

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Direktorin: Dr. habil. Ina Reiche