Carbolineum

Analyse historischer Carbolineumimprägnierungen als Grundlage konservatorischer Dekontaminierung und modellhafte Erprobung neuer Sanierungstechnologien

Das Ziel des Projekts ist es, eine kompatible Lösung zur Verringerung der öligen Schadstoffbelastung kirchlicher Holzobjekte, die in der Vergangenheit mit Carbolineum behandelt wurden, zu finden.

Carbolineum besteht aus einer Mischung verschiedener Teeröle, welche durch Destillation aus Steinkohleteer gewonnen werden. Ihre Wirkung ist sowohl insektizid als auch fungizid und deshalb selbst bei extremer Witterungsexposition fäulnishemmend. Heute ist Carbolineum aufgrund seines Gehalts an polyzyklischen Kohlenwasserstoffen als karzinogen eingestuft und seine Verwendung deshalb verboten.

Die eingebrachten Teeröle gehören zu den nicht trocknenden Ölen, sodass von einem bis heute fortschreitenden Schadensbild ausgegangen werden muss. Holz als poröses Material und die Mobilität des Carbolineums führen zu dem ästhetischen Verlust der ursprünglichen Polychromie. Mikroskopische Untersuchungen zeigen häufig einen zwischen originalen und jüngeren Farbschichten eingebetteten Carbolineumanstrich in zähflüssiger bis hart elastischer Konsistenz. Teilweise wird das Carbolineum noch immer in Form kleiner Tröpfchen an der Fassungsoberfläche ausgeschwitzt. Bisher sind keine wissenschaftlichen Studien zum konservatorischen Umgang mit solchen Objekten veröffentlicht.

Im Rahmen des vorgeschlagenen Projekts sollen Möglichkeiten zur Reduzierung der Carbolineumbelastung in ausgewählten denkmalgeschützten Holzobjekten erreicht werden.

Da bisherige Restaurierungsversuche, trotz Abtrags der mit Carbolineum getränkten Grundier- und Farbschichten und zusätzlicher Maskierung des Trägermaterials mit Isolieranstrichen, nur kurzfristigen Erfolg zeigen, soll das Projekt grundlegende Erkenntnisse zum Alterungsverhalten der historischen, bereits seit über einem Jahrhundert migrierenden Carbolineumapplikationen liefern und Möglichkeiten zur Reduktion und zum Abbau der Carbolineumbestandteile eröffnen.

Projektförderer: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Projektkoordinator: Rathgen-Forschungslabor
Projektpartner: Hochschule für Bildende Künste Dresden, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berlin, Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Nordelbisches Kirchenamt, Markus Freitag (freiberuflicher Diplom-Restaurator)
Finanzierung: mit Unterstützung der DBU
Laufzeit: 2013–2014

Postanschrift:
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14059 Berlin

Tel.: 030 / 266427100
Fax: 030 / 266427110
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Direktorin: Dr. habil. Ina Reiche