Sanierung der Neuen Nationalgalerie

1962 erteilte der Berliner Senat dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886 - 1969) den Auftrag, in Berlin ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu errichten. Die Neue Nationalgalerie, 1965-68 erbaut, ist das einzige Bauwerk dieses Architekten, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland errichtet wurde.  Das Gebäude ist ein Wahrzeichen der modernen Architektur und wurde in die Denkmalliste des Landes Berlin aufgenommen.

Seit der Eröffnung 1968 wurde an dem Gebäude keine umfassende Instandsetzung durchgeführt.  Nach fast 50-jähriger Nutzung wird der Mies-Bau von 2015 an in einer voraussichtlich vierjährigen Sanierung angemessen modernisiert.  Mit der Planung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen wurde 2012 das Büro David Chipperfield Architects beauftragt. Das von David Chipperfield im Jahr 1985 gegründete, weltweit tätige Büro mit Sitz in London, Berlin, Mailand und Shanghai hat einen besonderen Schwerpunkt auf Kulturbauten. So leitete Chipperfield unter anderem bereits den Wiederaufbau des 2009 eröffneten Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin. Nach seinen Entwürfen wird derzeit die James-Simon-Galerie dort errichtet.

Ziel der bautechnischen Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie ist die Behebung der akuten Sicherheitsrisiken, Mängel und Schäden. Schwerpunkte bilden hierbei Brandschutzmaßnahmen, die Sanierung der gesamten Gebäudehülle, die Beseitigung der Ursachen des Glasbruchs, die Betonsanierung des Rohbaus und die Erneuerung der Haustechnik. Darüber hinaus müssen die Erfordernisse eines modernen Museumbetriebs erfüllt werden, etwa im Hinblick auf Klimatisierung, Sicherheit, Beleuchtung, Depotfunktionen sowie die Anforderungen an einen zeitgemäßen Besucherservice.

Die Grundinstandsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt. Gemeinsames Ziel ist, die visuelle Integrität des Denkmals zu wahren und so viel historische Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Da die Sanierungsmaßnahmen nicht bei laufendem Betrieb umgesetzt werden können, bleibt das Haus in dieser Zeit geschlossen.

Die Neue Nationalgalerie ist der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts mit Ausschnitten der facettenreichen Sammlung der Nationalgalerie gewidmet, welche neben der Neuen Nationalgalerie fünf weitere Standorte hat: Alte Nationalgalerie, Friedrichswerdersche Kirche, Museum Berggruen, Sammlung Scharf-Gerstenberg und Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.

Die Neue Nationalgalerie war das letzte eigenständige Werk des großen Architekten Mies van der Rohe. Mit der gläsernen Oberen Halle des Museums vollendete Mies van der Rohe seine langjährige Beschäftigung mit dem fließenden, offenen Raum. Kurz nach Einweihung des Baus verstarb der Architekt. So gilt die Neue Nationalgalerie mit ihrem Stahldach und in ihrer reduzierten Formensprache nicht nur als Ikone der Moderne, sondern zugleich als Vermächtnis eines visionären Baumeisters des 20. Jahrhunderts. Städtebaulich lag das Museum ursprünglich am Rande des damaligen West-Berlin. Hier war es als wesentlicher Baustein des von Hans Scharoun geplanten Kulturforums errichtet worden. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands und die Neubauten am Potsdamer Platz erhielt die Neue Nationalgalerie das heutige bewegte Umfeld im Zentrum der Stadt.

Die Geschichte des Hauses der Neuen Nationalgalerie ist folglich eng verknüpft mit der Teilung Deutschlands und der Stadt Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sammlung der Nationalgalerie, ehemals auf der Museumsinsel Berlin gegründet und in den 1920er Jahren zudem im Kronprinzen-Palais an der Straße Unter den Linden zu sehen, wurde nach 1945 zunächst vom Magistrat von Groß-Berlin verwaltet. Durch die Gründung zweier deutscher Staaten mit ganz unterschiedlichen politischen Systemen teilte sich der Weg der Sammlung ab 1949. In West-Berlin setzte sich der Magistrat für den Wiederaufbau des Bestandes unter dem Titel "Galerie des 20. Jahrhunderts" ein. Zugleich waren Teile der ursprünglichen Sammlung der Nationalgalerie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Westen Deutschlands verblieben. Um diesen Bestand und die "Galerie des 20. Jahrhunderts" zu beherbergen, wurde 1962 Mies van der Rohe mit einem Museumsneubau beauftragt. Im September 1965 kam der Architekt zur Grundsteinlegung nach Berlin. Zwei Jahre später wohnte er dem wohl spektakulärsten Bauschritt, der hydraulischen Anhebung des gigantischen Stahldachs, ebenfalls persönlich bei. Am 15. September 1968 wurde das Gebäude unter dem Namen "Neue Nationalgalerie" eröffnet. Bereits dieser Titel sollte den Aufbruch signalisieren, den man im Westen mit der Museumsgründung verband.

Bis heute hat sich die architektonische Struktur des Gebäudes kaum verändert. Der urbane Kontext hingegen war extremen Wandlungen unterworfen: Nahezu zeitgleich mit der Neuen Nationalgalerie wurde auf der gegenüberliegenden Seite der Potsdamer Straße mit dem Bau der Staatsbibliothek begonnen, es folgten der Kammermusiksaal neben der bereits bestehenden Philharmonie, weitere Museen am Kulturforum und nach der Wiedervereinigung die Neubebauung des Potsdamer Platzes.

Besuchereingang

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Direktor der Nationalgalerie: Udo Kittelmann
Leiter der Neuen Nationalgalerie: Dr. Joachim Jäger

Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten ist die Neue Nationalgalerie ab 1. Januar 2015 für mehrere Jahre geschlossen.