Khurasan - Land des Sonnenaufgangs: Eine Kulturlandschaft als Kerngebiet für die Ausprägung materieller Kultur der islamischen Welt und ihre Verortung in Sammlungen und musealen Präsentationen

Khurasan ist eine historisch bedeutende Kulturlandschaft, deren Ausdehnung im Laufe der Geschichte unterschiedlich definiert wurde. In frühislamischer Zeit bezeichnete man das Gebiet zwischen der großen Salzwüste (Dasht-i Kavir) im heutigen Iran und dem Amu Darya (Oxus) im Osten als Khurasan. Die nördliche Grenze bildeten die Wüstensteppen Mittelasiens, nach Süden hin schloss sich die Provinz Sistan an. Prägend für das geographisch vielfältige Gebiet ist der Kontrast zwischen weiten unwirtlichen Wüstensteppen und dicht besiedelten Kulturgebieten, deren Kern große städtische Zentren bildeten. An erster Stelle sind hier Marw, Nishapur, Balkh und Herat zu nennen. Die Städte waren durch ein dichtes System von Routen miteinander verbunden, die dem regionalen und überregionalen Handelsverkehr dienten. Für die Kulturgeschichte von Khurasan ist die Funktion als Transitgebiet zwischen Zentral- und Ostasien und dem Westen von prägender Bedeutung.

Ziel des Forschungsprojektes ist die Herausarbeitung regionaler Charakteristika, die Untersuchung transregionaler Beziehungsgefüge und des sozio-ökonomischen Kontexts sowie die Aufbereitung der Forschungsergebnisse für die mediale und museale Präsentation des Themas. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bamberg und dem Linden-Museum Stuttgart, Staatliches Museum für Völkerkunde.

Das Museum für Islamische Kunst besitzt eine etwa 15.000 Scherben umfassende Sammlung fragmentierter Gefäßkeramik aus verschiedenen Fundorten in Khurasan, die Anfang des 20. Jahrhunderts erworben wurde. Ergänzt wird diese Kollektion durch eine große Gruppe intakter Gefäße. Basierend auf der Analyse der Formen, Dekore und verwendeten Techniken und ergänzt durch archäometrische Analysen wird das gesamte keramische Material systematisch untersucht. Der Abgleich mit Funden aus archäologischen Ausgrabungen ermöglicht es, Herstellungsorte oder –regionen zu bestimmen und auf diesem Weg Aussagen über lokale oder regionale Charakteristika der materiellen Kultur von Khurasan zu treffen. Ergänzt wird die Analyse des Materials durch die Auswertung historischer Schriftquellen und theoretischer Texte, mit dem Ziel, die politischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen abzustecken und übergeordnete Fragen zur Bedeutung von materieller Kultur als kulturraumkonstituierende und –repräsentierende Konstante zu diskutieren.

Kooperationspartner: Institut für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie, Universität Bamberg (Prof. Dr. L. Korn, Leiter des Forschungsverbunds) Museum für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (Prof. Dr. S. Weber/PD Dr. U. Franke) Linden-Museum Stuttgart, Staatliches Museum für Völkerkunde (Prof. Dr. I. de Castro/Dr. A. Krämer) 
Wissenschaftliche Mitarbeiter (Museum für Islamische Kunst): Dr. habil. Martina Müller-Wiener, Dr. Pierre Simeon 
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung Laufzeit: März 2014-März 2017