Nischenwand aus dem Schloss Balkuwara, Samarra mit Stuckdekor im "Schrägschnittstil", Grabungsfoto 1911–13 | © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Foto: Ernst Herzfeld

Samarra und die Kunst der Abbasiden

Die rund 125 Kilometer nördlich von Bagdad, am Tigris gelegene Stadt Samarra im heutigen Irak gehört zu den überragenden Orten der islamischen Kunstgeschichte und Archäologie. Hier wurden die ersten systematischen Ausgrabungen einer islamischen Ruine unternommen. Die Stadt diente von 836 bis 883 vorübergehend als Regierungssitz der abbasidischen Kalifen und löste in dieser Zeit die eigentliche Hauptstadt Bagdad ab. Von hier aus wurde das bedeutendste und größte Reich der gesamten islamischen Geschichte regiert, mit einer geografischen Spannbreite von Nordafrika bis in das westliche Zentralasien. Das Vorhaben geht auf den ehemaligen Leiter der islamischen Abteilung des Kaiser Friedrich-Museums, heute Bode-Museum, Friedrich Sarre, und seinen Kollegen, den Archäologen Ernst Herzfeld, zurück. Unter dessen Leitung konnten in den Jahren 1911 und 1912/13 zwei Ausgrabungen durchgeführt werden. 

Die über 57 Quadratkilometer große Ruine ist flächenmäßig eine der umfänglichsten archäologischen Stätten der Alten Welt und Schlüsselort einer zentralen Periode der islamischen Geschichte: Das abbasidische Reich war im 9. Jahrhundert das politisch-ökonomische Drehkreuz des gesamten Vorderen Orients mit engen Handelsbeziehungen nach Byzanz, Europa und Ostasien. Ein großer Teil der Samarra-Funde gelangte an das Museum für Islamische Kunst in Berlin, darunter etwa neunzig ornamentierte Stuckplatten sowie zahlreiche weitere Fundobjekte, die das gesamte Spektrum an Formen und Materialien abdecken, die im privaten wie herrschaftlichen Haushalt eine Rolle spielten. Weitere Funde kamen nach dem Ersten Weltkrieg nach London und wurden von dort aus in der Welt verteilt.

Aktuelle Arbeiten
Mit dem geplanten Umzug des Museums für Islamische Kunst im Jahr 2019 innerhalb des Pergamonmuseums ist eine Neuaufstellung der Sammlung beabsichtigt. Dabei gilt es auch, den Komplex „Samarra“ aufzuarbeiten und den Besuchern zugänglich zu machen. Erstes Ziel ist die Erstellung eines Gesamtkataloges der Berliner Samarra-Sammlung. Mit Unterstützung des Doktoranden Matt Saba, University of Chicago, konnte 2012 erstmalig der gesamte Baudekor des Grabungskonvolutes systematisch erfasst und in das Museumsdokumentationssystem (MDS) eingespeist werden. Ein 2013 beginnendes Projekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW, Th. Bremer, K. Kohlmeyer) wird in den nächsten zwei Jahren einen großen Teil des Fundkomplexes dreidimensional digitalisieren und aufbereiten, um eine wichtige Grundlage für aufbauende wissenschaftliche Untersuchungen zu schaffen. Es ergeben sich daraus auch verschiedene Möglichkeiten zur Kontextualisierung der Museumsobjekte in virtuellen Darstellungen.

2012 erfolgten naturwissenschaftliche Untersuchungen der Samarra-Stucke durch Mariam Sonntag, einer Restaurierungsstudentin der HTW. Sie untersucht im Rahmen ihrer Masterarbeit, inwieweit es sich bei den Stuckplatten um Originalsubstanz, überarbeitete Originalsubstanz oder aber um Gipsnachformungen oder -abgüsse handelt. Weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen zu Stuck, Holz und Freskenmalereien mit dem Rathgen-Forschungslabor sollen sich anschließen.

Zurzeit werden außerdem die Ergebnisse der Samarra-Konferenz von 2010 publiziert. Dr. Jens Kröger, ehemaliger Oberkustos des Museums für Islamische Kunst, recherchiert in diesem Zusammenhang in den Berliner Archiven zur Grabungsgeschichte Samarras. Im Februar 2012 fand ein Strategietreffen an der Freer Gallery/Smithsonian Institute, Washington, in der sich ein großer Teil des Nachlasses Ernst Herzfelds befindet, statt, um künftige internationale Kooperationen zum Thema Samarra zu besprechen.

Kooperationen: Mariam Sonntag, HTW Berlin (Prof. A. Jeberien, Prof. C. Stadelmann); Matt Saba, University of Chicago (Prof. P. Perlekamp); ab 2013 HTW Berlin (Prof. Th. Bremer, Prof. K. Kohlmeyer) mit dem Projekt "Modulares mobiles System zur hochpräzisen 3D-Dokumentation von Kulturgut (MOSYS 3D)", dabei ist eine halbe Mitarbeiterstelle für die wissenschaftliche Samarra-Aufarbeitung vorgesehen.
Ansprechpartnerin: Dr. Julia Gonnella, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Museum für Islamische Kunst 
Projektmitarbeiter: S. Struth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Projektträger: MOSYS 3D durch EFRE (Land Berlin), "Innovative Maßnahmen – Inno"
Laufzeit: offen

Das Museum für Islamische Kunst präsentiert seine einzigartigen Objekte im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel Berlin.

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Direktor: Prof. Dr. Stefan Weber
Stellvertretende Direktorin: Dr. Ute Franke