Forschung

Mit seiner reichen Kunst- und Archäologiesammlung ist das Museum für Islamische Kunst eine der führenden Forschungseinrichtungen zur materiellen Kultur des Nahen Ostens und angrenzender Gebiete. Die Forschungs-, Restaurierungs- und Ausstellungsprojekte setzen sich besonders intensiv mit dem urbanen Erbe des Nahen und Mittleren Osten auseinander. Der hierfür relevante Sammlungsbestand rührt vor allem aus verschiedenen großen Ausgrabungen, vor allem denen in der sasanidischenHauptstadt Ktesipon und der berühmten Kalifenstadt Samarra im Irak (1911 und 1913), mit der die islamische Archäologie begründet wurde, bis zu den Funden aus der abbasidischen Hauptstadt Raqqa in Syrien und aus dem mongolischen Sommerpalast Tacht-e Sulaiman in Iran.

Aktuell arbeiten und forschen zusammen mit den Mitarbeitern des Museums für Islamische Kunst mehr als fünfzehn Wissenschaftler und Assistenten in verschiedenen Projekten, die mit den Sammlungen verknüpft sind. Diese Vorhaben gelten der wissenschaftlichen Erschließung und Kontextualisierung, Technologie und Werkstoffen, Restaurierung und Konservierung sowie Dokumentation. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die besuchergerechte Präsentation der neuen Dauerausstellung im dann sanierten Pergamonmuseum gelegt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern erweist sich zur Forschung auf diesen Themengebieten als unverzichtbar.

Das Museum für Islamische Kunst ist Mitglied
- des Exzellenzcluster Topoi (The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations) der DFG (Ktesiphon. Vermittlung von archäologischer Forschung im Museum anhand der Architekturtraditionen in sasanidischer und islamischer Zeit, Research Project C-3-1)

- des Forschungsprogramms "Europe in the Middle East – The Middle East in Europe" der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Fritz Thyssen Stiftung und des Wissenschaftskollegs zu Berlin

- des Forschungsprogramms "Connecting Art Histories in the Museum: The Mediterranean and Asia 400–1650" des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, der Max-Planck-Gesellschaft und der Staatlichen Museen zu Berlin

- des Sonderforschungsbereichs der DFG/Freien Universität Berlin "Episteme in Bewegung" (Gegenstände des Transfers. Konzepte zur Vermittlung von Transferprozessen zwischen Nahem Osten und Europa in der Vormoderne im musealen Kontext)

- der Planungsgruppe des Zentrums Transkulturelle Kunstgeschichte "Art Histories. Kunstgeschichte und Ästhetische Praktiken"; Forschungs- und Fellowship-Programm am Forum Transregionale Studien.

Forschungsprojekte des Museums für Islamische Kunst

Die (inter-)kulturelle Bildung ist ein wichtiger Teil im Prozess der Entwicklung gesellschaftlicher Kompetenzen und Integration. Sie ermöglicht Kindern und Jugendlichen die bewusste Begegnung mit anderen Kulturen, baut Berührungsängste ab und trägt zum Verständnis und zur Verständigung zwischen den Kulturen nachhaltig bei. Das Pilotprojekt "Kulturgeschichten aus dem Museum für Islamische Kunst" richtet sich an zehn- bis elfjährige Kinder.

Anhand eines überregionalen Surveys mit intensiver Praxisarbeit (Workshops, Interviews, Fragebögen) und in enger Kooperation mit Lehrkräften sowie Bildungsinstitutionen wurden neue Vermittlungsformate entwickelt: Die "Kulturgeschichten" sind fünf Zeit-Kultur-Reisen, die die Schülerinnen und Schüler in die Vergangenheit verschiedener Länder wie der Türkei, Ägyptens, Syriens, Persiens oder entlang der Seidenstraße mitnehmen. Sie verbildlichen, besonders verdeutlicht an Objekten aus der Sammlung des Museums, den jahrhundertelangen engen Austausch zwischen Kulturen und Religionen.

Weitere Informationen: www.kulturgeschichten.info

Projektleitung: Güven Günaltay
Projektmitarbeiter: Dr. Andrea Becker, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dr. Stefan Weber, Direktor, Museum für Islamische Kunst
Projektträger: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Freunde des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e. V., Bahçeşehir Universität, Istanbul
Laufzeit: 2012 (Verlängerungsantrag 2013–2014)

Konzepte zur Vermittlung von Transferprozessen zwischen Nahem Osten und Europa in der Vormoderne im musealen Kontext

Teilprojekt des SFB 980 "Episteme in Bewegung", Freie Universität Berlin

Das Transferprojekt entwickelt in Kooperation zwischen dem Museum für Islamische Kunst und der Freien Universität Berlin Konzepte, um Prozesse des Wissenstransfers im musealen Kontext zu visualisieren und zu vermitteln. Ziel ist es, die museums- und forschungsgeschichtlich bedingte kulturräumliche Verengung der "islamischen" Kunst durch eine Vergegenwärtigung der engen Verbindungen zu anderen kulturellen Kontexten zu erweitern. Dadurch soll die komplexe Geschichte transkultureller Beziehungen einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden.

Weitere Informationen

Projektleitung: Dr. Vera Beyer, Freie Universität Berlin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin: Isabelle Dolezalek
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Sophia Vassilopoulou, Museum für Islamische Kunst
Museologische Mitarbeiterin: Cornelia Weber
Ausstellungsarchitektur: Youssef el-Khoury
Projektträger: DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft, Freie Universität Berlin
Laufzeit: November 2012 bis Oktober 2016

Seit 1986 wird von der Universität Warschau, Institute of Archaeology, Department of Egyptian and Nubian Archaeology und Department of Papyrology, im Kloster Deir al-Malak in Naqlun, Faijum-Oase, Ägypten, restauriert und gegraben, Letzteres in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Antikenverwaltung und dem Polnischen Archäologischen Institut in Kairo. Die Grabungsleitung liegt in den Händen von Prof. Dr. h. Włodzimierz Godlewski. An dieser Unternehmung sind Vertreter weiterer Institute aus anderen europäischen Ländern beteiligt. 

Vonseiten des Museums für Islamische Kunst nimmt Gisela Helmecke seit 2002 an den Grabungen teil. Ihre Aufgaben liegen in der Aufarbeitung von Kleinfunden, speziell im Lesen arabischer Inschriften. Hauptsächlich betrifft das Textilien und Münzen, aber auch Grabsteine, Keramik, Metallgefäße und Papiere. Vor allem bei den Textilien ergeben sich wichtige Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Bearbeitung entsprechender Artefakte im Museum für Islamische Kunst.

Gisela Helmecke ist zugleich Gründungsmitglied der 1996 entstandenen, internationalen Forschungsgruppe "Textiles from the Nile Valley", deren Hauptaugenmerk der Erforschung textiler Objekte gilt, die aus Ägypten stammen oder dort gefunden wurden. Sie datieren aus der Zeit von etwa 100 bis 1000. Neben speziellen textilgeschichtlichen Themen werden in Zweijahresabständen die jeweils neuen archäologischen Befunde vorgestellt. Die Mitwirkung an diesem Projekt ermöglicht einen intensiven und ertragreichen Austausch mit den Fachkollegen und eine bessere Bearbeitung der Textilien im Museum für Islamische Kunst.

Kooperationspartner: Universität Warschau, Institute of Archaeology, Department of Egyptian and Nubian Archaeology und Department of Papyrology; Institut Français d’Archéologie Orientale (IFAO) in Kairo; Universität Leiden, Faculteit der Geesteswetenschappen, Leiden Institute for Area Studies, SMES Egyptologie; Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin
Ansprechpartnerin: Gisela Helmecke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Museum für Islamische Kunst

Vermittlung von archäologischer Forschung im Museum anhand der Architekturtraditionen in sasanidischer und islamischer Zeit

Ktesiphon liegt 32 Kilometer südlich von Bagdad, direkt neben der alten seleukidischen Hauptstadt Seleukia. Der bereits in hellenistischer Zeit besiedelte Ort wurde unter den Sasaniden zur Hauptstadt ausgebaut. 637 fiel die Stadt an die Araber, die sie aufgrund der Topographie als al-madā’en (die Städte) bezeichneten. Das alte Ktesiphon blieb zunächst Sitz eines Gouverneurs, verlor aber nach der Gründung Bagdads (762 n. Chr.) rasch an Bedeutung. Die berühmten Überreste des großen Palastbezirks mit dem großen Iwan (Taq-e Kisra) sind über Jahrhunderte als Ikone des alten Irans im kollektiven Gedächtnis geblieben. Der Iwan, die frontal offene, überwölbte Audienzhalle, wurde in der islamischen Architektursprache zu einer der wichtigsten architektonischen Vokabeln. 

Das Museum für Islamische Kunst (E. Kühnel), die Deutsche Orient-Gesellschaft (1928/29, E. Reuther) und das Metropolitan Museum of Art, New York (1931/32) waren an zwei Ausgrabungen beteiligt. Diese brachten im Stadtbezirk mehrere Iwane und Stuckdekor sowie zahlreiche weitere Funde in Häusern aus den spätsasanidischen und frühislamischen Siedlungsschichten zutage. Der Stuckdekor ist eine der Grundlagen für die späteren Entwicklungen in Samarra. Sie befinden sich heute hauptsächlich im Museum für Islamische Kunst und im Metropolitan Museum of Art in New York.

Aktuelle Forschungen

Das Projekt hat zum Ziel, adäquate Wege zur Vermittlung archäologischer Forschungsergebnisse für einen breiten Interessentenkreis zu erschließen. Angesichts der sich immer mehr spezialisierenden Forschung, interdisziplinärer Methoden und vielfach gefächerter Ergebnisse erfordert das Verständnis der so gewonnenen, hochspezialisierten Informationen ein immer größeres Vorwissen, das durch die interessierte Öffentlichkeit nicht mehr ohne Weiteres aufgebracht werden kann.

Anhand der Architekturfragmente aus Ktesiphon und verwandter Sammlungsbestände, die sich im Museum für Islamische Kunst befinden, wird exemplarisch der Weg von der Forschung am Objekt bis hin zur Vermittlung im musealen Kontext aufgezeigt. Dabei soll ein Best-Practice-Modell zwischen Forschung und Museum an einem konkreten Beispiel entwickelt werden.

Ein eng aufeinander abgestimmtes Forschungsprogramm verbindet die grundsätzliche Erschließung des Materials aus der Perspektive der Restaurierung und Konservierung mit der Frage nach dem Kontext, darzustellen über eine Visualisierung, und einer geeigneten Präsentationsform, die unter Mitwirkung eines Ausstellungsarchiteken und einer Museumsforscherin entsteht. Das Ziel der Zusammenarbeit ist die Konzeption einer Ausstellung, in der die Objekte präsentiert und die oben genannten Aspekte thematisiert werden.

Kooperationspartner: Freie Universität Berlin, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Technische Universität Cottbus, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Projektleitung: Prof. Dr. Bernhard Graf, Institut für Museumsforschung; Prof. M. Knaut, Studiengang Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik, HTW Berlin; Prof. D. Lengyel, TU Cottbus, Lehrstuhl Darstellungslehre; Dr. St. Weber, Direktor, Museum für Islamische Kunst
Projektmitarbeiter: Lori Steinmüller (Restauratorin), Christine Gerbich (Museumsforscherin), Youssef El-Khoury (Bauforscher)
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Jens Kröger, PD Dr. Ute Franke, Stellvertretende Direktorin, Museum für Islamische Kunst , Stephanie Fischer, Restauratorin, Museum für Islamische Kunst; C. Toulouse, BTU Cottbus Projektträger: DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft, Topoi Research Project C-3-6
Laufzeit: November 2012 bis 2016

Das Museum für Islamische Kunst präsentiert seine einzigartigen Objekte im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel Berlin.

Informationen zu Adresse, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Verkehrsverbindungen finden Sie hier.

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Direktor: Dr. Stefan Weber