Das Foto zeigt eine Installation im historischen Kaisersaal.
Reiner Leist: Window. Installation im Kaisersaal, 2006 | © August Haverkamp

Forschung

Die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek nutzt das Museum für Fotografie auch als Plattform, um ihre Forschungsprojekte einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. So entsteht in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin (UdK) eine Plattform für junge Fotokünstler und Kuratoren. Unter dem Titel „Seen by“ werden Ausstellungen ausgewählter Werke der Studierenden der UdK von externen KuratorInnen gestaltet. Die Ausstellungen werden durch Workshops vorbereitet, in dem mit den Studierenden ein gemeinsames Konzept erarbeitet wird. Dies etabliert nicht nur eine neue Lehrform, sondern ermöglicht auch ein dichtes thematisches Zusammenwirken der Arbeiten.

Der Vortragssaal im Museum für Fotografie wird für zahlreiche Tagungen, Abendvorträge, Buchpräsentationen und Workshops genutzt, die oft im Zusammenhang mit den Ausstellungen im Kaisersaal stehen. Der Saal steht auch anderen Institutionen für Veranstaltungen zur Geschichte und Gegenwart der Fotografie offen.

Forschungsprojekte des Museums für Fotografie


Symposium "Fotografie im Museum", 21. bis 23. November 2008


Im Mai 2010 konnte im zweiten Obergeschoss des Museums für Fotografie der Kaisersaal nach grundlegender Renovierung und Neugestaltung wiedereröffnet werden. Nach den Entwürfen von Kahlfeldt Architekten entstand ein großzügiger, allen Ansprüchen an die moderne Präsentation von Fotografie genügender Ausstellungssaal. Seit seiner Eröffnung 2004 hat sich das Museum für Fotografie als zentrale, integrative Schnittstelle für Fotografie bei den Staatlichen Museen zu Berlin etabliert: Mit seinen Ausstellungen von der Reisefotografie des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Fotoinstallationen hat es sich in der Fotoszene positioniert, eine Fachbibliothek aufgebaut, Tagungen und Vortragsreihen wurden veranstaltet.

In Vorbereitung der Wiedereröffnung fand in Berlin das Symposium "Fotografie im Museum" statt. Es stellte die Entwicklung in Berlin in den europäischen Kontext, um das Museum für Fotografie im Netzwerk der großen Fotomuseen und -sammlungen neu zu verorten. Kolleginnen und Kollegen aus deutschen und europäischen Institutionen stellten die Arbeit ihrer Häuser vor.

Dabei galt das Augenmerk vor allem Institutionen, die sich seit 1999 neu etabliert oder ausgerichtet hatten. Die Debatte konzentrierte sich auf drängende Fragen der Fotografie am Ende ihrer analogen Ausformung: Welche Fotografien werden gesammelt und bewahrt, wie werden sie erforscht und der Öffentlichkeit angeboten?

Im Folgenden können die auf der Tagung gehaltenen Vorträge und Diskussionen heruntergeladen werden. Zu den Tagungsbeiträgen klicken Sie bitte hier.

Eine Veranstaltung mit großzügiger Unterstützung durch den Verein der Freunde des Museums für Fotografie

Der Piktorialismus zählt in seiner internationalen Vernetzung, seiner Auseinandersetzung mit der Malerei und in seiner Vielfalt technischer Ausprägungen zu den vielgestaltigsten Kapiteln der Fotografiegeschichte. Mit der „Kunstphotographie um 1900“ entstand eine fotografische Stilrichtung, die vor allem von ambitionierten Amateuren in Abgrenzung zu etablierten  Berufsateliers getragen wurde. Sie verschaffte sich ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit neuen bildtechnischen Gestaltungen und ästhetischen Überlegungen zur Fotografie als Kunstform Anerkennung. Ernst Juhl (1850-1915) gehörte als Ausstellungsorganisator, Redakteur und Sammler zu den wichtigsten Förderern der kunstfotografischen Bewegung in Europa. Seine Kollektion wurde vom Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg sowie von der Kunstbibliothek Berlin erworben und bildet hier neben der Sammlung Matthies-Masuren den Kern ihrer künstlerischen Bestände um 1900 und ist der Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens.

Unser Projekt zielt auf eine interdisziplinäre Analyse des Phänomens „Piktorialismus“, die sowohl die Medienwissenschaften als auch die Kunstgeschichte und die Kunstsoziologie einbezieht. Zentraler Ansatzpunkt zur Vernetzung und Diskussion war das international besetzte Symposium „Inspirationen – Interaktionen: Kunstfotografie um 1900 neu betrachtet" („Inspirations – Interactions: Pictorialism Reconsidered“). Es fand vom 21. bis 23. November 2013 im Fürstensaal des Museums für Fotografie statt. Im Rahmen des Projektes werden zudem die kunstfotografischen Bestände der Kunstbibliothek vollständig bearbeitet. Die Erforschung dieser Bestände bildet zusammen mit dem Archiv Enno Kaufhold die Grundlage für die Forschungsdatenbank http://piktorialismus.smb.museum.

Wissenschaftliches Team: Dr. Ludger Derenthal, Christine Kühn, Claudia Pfeiffer, Ulrich Rüter, Wissenschaftliche Mitarbeiter, Kunstbibliothek; Lars Spengler, freier Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Gefördert durch den Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien
Laufzeit: 2013–2014

Experimentelles Ausstellungslabor
Laufzeit: 2013 ff.
Kooperationspartner: Universität der Künste Berlin (UdK)
Finanzierung: Stiftung Preussischer Kulturbesitz
Wissenschaftliches Team: Dr. Ludger Derenthal (Kunstbibliothek), Prof. Dr. Tanja Michalsky (UdK)  

Die Ausstellungsserie „seen by“ ist ein im Museum für Fotografie installiertes Laborprojekt für die Entwicklung innovativer kuratorischer und künstlerischer Strategien in der Fotokunst. Alternierend zur Auswahl der Werke durch UdK-Angehörige wird die Ausstellung nach Auswahl der Kuratoren durch einen Workshop vorbereitet, in dem mit Studierenden ein gemeinsames Kon­zept entwickelt wird. Damit wird nicht nur eine neue Lehrform etabliert, sondern auch ein dichtes thematisches Zusammenwirken der künstlerischen Arbeitsprozesse ermöglicht, die sich in ganz unterschiedlichen ‚Publi­kationen’ niederschlagen können: von Ausstellungen und Performances bis hin zu Lesungen und Vortragsreihen.

Link zur Ausstellung

Archäologie, Kunstgeschichte sowie Ethnologie ist neben ihrer Etablierung als akademische Disziplinen um 1900 nicht nur das Arbeiten mit Objekten, sondern auch mit Fotografien gemeinsam, die zu Substituten ihrer Forschungsgegenstände wurden. Ausgehend von neuesten Studien über die Materialität von Fotografien und Fotoarchiven betrachtet der Forschungsverbund „Foto-Objekte“ Dokumentarfotografien als dreidimensionale, von historischen Vorgängen geformte Objekte, die als Träger von sedimentiertem Wissen in sozialen und kulturellen Kontexten agieren. Er untersucht vergleichend, wie sich die Herausbildung der geisteswissenschaftlichen Methoden, die Entwicklung und Verbreitung fotografischer Techniken sowie die Errichtung fachbezogener Fotoarchive in den Jahrzehnten vor und nach 1900 wechselseitig bedingten. Im Zentrum stehen dabei Techniken und Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens an und mit Fotografien. Sie sind „Foto-Objekte“ im doppelten Sinne: Nicht nur bilden Fotografien Objekte ab, sondern sind selbst, aufgrund ihrer körperlichen, affektiven, historischen und transformativen Qualitäten, materielle Artefakte. Das Projekt soll das wissenschaftliche Potenzial der Fotoarchive in Museen, Universitäten und Forschungsinstituten erschließen sowie ein Modell für die fächerübergreifende Vernetzung verschiedener Sammlungen entwickeln. Gleichzeitig kann es neue Erkenntnisse im Hinblick auf disziplinenübergreifende Prozesse der Kanonbildung liefern.

Für die interdisziplinäre Bearbeitung dieser Frage arbeiten in dem Verbundprojekt vier Institutionen zusammen, an denen eine Fotosammlung existiert und Forschung betrieben wird. Das Netzwerk besteht aus den Partnern: Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, Max-Planck-Institut, Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek und Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, sowie dem Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Untersucht werden an der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek Architekturfotografien aus den USA und Europa um 1900: Aufnahmen abrissgefährdeter kolonialer Bauwerke an der Ostküste der USA des amerikanischen Fotografen Frank Cousins (1851-1925) und der Fotobestand vorbildhafter historischer und zeitgenössischer Bauten aus verschiedenen europäischen Ländern des Architekturverlags Ernst Wasmuth A.G.. Sie erlauben eine Analyse der engen Verbindung zwischen Fotografie, Denkmalschutz und der Betrachtung historischer und zeitgenössischer Architektur, wie sie für die Zeit um 1900 charakteristisch ist. Architekturfotografie spielte eine entscheidende Rolle im zeitgenössischen Diskurs über Architektur und Ästhetik sowie in der Denkmalpflege.

Dank der im Verbund versammelten Vielfalt an Kompetenzen und Fotoarchivierungspraktiken aus Museum, Universität und Forschungsinstitut können die zentralen Thesen des Vorhabens erarbeitet werden: die spezifische Materialität der Fotografie in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, die Veränderungen der Fotografien selbst durch unterschiedliche Nutzungen und Gebrauchsweisen, die Überlagerung der Bildinhalte durch die verschiedenen wissenschaftlichen Fachdiskurse.

Laufzeit: 2015 – 2018
Kooperationspartner: Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-Planck-Institut (Photothek), Antikensammlung SMB, Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Europäische Ethnologie)
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunktes „Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen
Wissenschaftliches Team:  Dr. Ludger Derenthal (Leiter), Stefanie Klamm (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Andras Veg (Studentische Hilfskraft)

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Leiter der Sammlung Fotografie: Dr. Ludger Derenthal

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