Liu Dan, Twelve Views of Little Openwork (Detail), 1994

Über Schönheit
"Zwölf Ansichten eines Steins" von Liu Dan

von: 19.03.2005 bis: 16.05.2005

Museum für Asiatische Kunst

Sonderausstellung im Raum für Neue Kunst

Mit der Ausstellung der Bildfolge "Zwölf Ansichten eines Steins" des 1953 in Nanjing, VR China, geborenen und heute in New York lebenden Künstlers Liu Dan präsentiert das Museum für Ostasiatische Kunst einen Aspekt des Projektes "Über Schönheit", das zeitgleich im Haus der Kulturen der Welt veranstaltet wird. Im Zentrum dieses breit angelegten Programms steht der zeitgenössische Diskurs über Schönheit im Kontext von künstlerischer Kreativität und ästhetischer Diskussion. Die präsentierten Positionen stellen gängige Schönheitsideale in Frage und konfrontieren den Betrachter mit ungewohnten Sichtweisen.

In seiner zu einem Leporelloalbum montierten Bildfolge porträtiert Liu Dan aus zwölf verschiedenen Blickrichtungen einen kostbaren Gelehrtenstein mit dem Namen Xiao linglong (Kleine Durchbrucharbeit), der sich im Besitz des Sammlerpaares Ian und Sue Wilson befindet. Ohne Vorder- oder Hintergrund anzudeuten und auf einen interpretierenden Kontext verzichtend, behandelt der Künstler den Stein wie ein Individuum, dessen inneres Wesen er mittels präziser Darstellung seines Äußeren zu ergründen sucht. Damit schafft er eine virtuelle Realität, die uns in die Lage versetzt, den Stein so zu betrachten, als drehten wir ihn in der Hand um seine Achse. Die äußerste Hingabe und die ausgeprägte technische Fertigkeit, mit der Liu Dan seine Werke kreiert, machen ihn zu einer außergewöhnlichen Erscheinung in der zeitgenössischen Kunstszene. Damit bewegt er sich ebenso abseits des Mainstream wie fast 400 Jahre vor ihm Wu Bin (tätig ca. 1583-1626), der 1610 "Zehn Ansichten eines Steins" in vergleichbar vollendeter Meisterschaft auf einer Querrolle festhielt.

Begleitet werden die zwölf Ansichten Liu Dans durch Aufschriften des Künstlers, die vorwiegend philosophische Betrachtungen seines Künstlerfreundes Mu Xin (geb. 1927) über Steine und das Sammeln derselben wiedergeben. Der Charakter der perfekten Kalligraphie im kaishu-Stil (Regelschrift) korrespondiert in idealer Weise mit der Malerei.

Veranstalter:

Museum für Asiatische Kunst