Takahashi Hiroaki (1871 - 1944)
Im Sonnenschein nach dem Schneefall - Das Rote Tor im Stadtteil Hongô
Farbholzschnitt, 1926, Inv. Nr. 6262a-29.74/5

Moderne japanische Grafik aus den Beständen des Museums

von: 20.12.2005 bis: 19.03.2006

Museum für Asiatische Kunst

Wechselausstellung im Kabinett für Japanische Grafik

Der japanische Holzschnitt ist ein lebendiges und vielseitiges Feld künstlerischer Auseinandersetzung. Das Museum für Ostasiatische Kunst präsentiert in seiner Ausstellung die vielfältige Kunstrichtung mit Werken aus eigenen Beständen.

Ursprung des japanischen Holzschnitts sind die so genannten Ukiyoe, technisch überragende vielfarbige Drucke mit Themen aus der vergänglichen Welt der Vergnügungsviertel. Diese entstanden in einem arbeitsteiligen System, in dem ein Verleger Produktion und Absatz organisierte. Nach der Vorlage des Grafikers schnitten Holzschnitzer die verschiedenen Blöcke, mit denen Drucker die Arbeit ausführten.

Im Zuge der radikalen Modernisierung Japans ab 1868 setzten sich auch im Druck neue Techniken durch. So galt der Holzdruck bald als veraltete Vervielfältigungsmethode, die zwar in der Gebrauchsgrafik weiter erfolgreich angewandt wurde, jedoch nicht als Kunstform anerkannt war. Die staatliche Kunstförderung konzentrierte sich zunächst auf westliche Malerei, insbesondere Bleistiftzeichnung und Ölmalerei, deren verschiedene Strömungen unter dem Begriff yôga zusammengefasst wurden. In den 1880er Jahren wurde wiederum zunehmend traditionelle japanische Malerei, nihonga, gelehrt.

Im 20. Jahrhundert wurde das arbeitsteilige System und die Themen des Ukiyoe mit den so genannten shin hanga, "neue Drucke", weiter entwickelt. Sie zeigten Schauspieler, schöne Frauen, Pflanzen und Vögel sowie Landschaften. Darüber hinaus wurden neue Themen, wie etwa das Porträt, eingeführt oder Aspekte der westlichen Kunst rezipiert.

Die Auseinandersetzung mit westlicher Künstlergrafik, unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner, Eduard Munch oder den Brücke-Künstlern, bildete Anfang des 20. Jahrhunderts die so genannte sôsaku-hanga-Bewegung um Yamamoto Kanae (1882-1946) und ihre "kreativen Drucke" heraus. Neben dem Holzschnitt, der längs zur Faserrichtung geschnittene Druckstöcke mit ihrer charakteristischen Maserung verwendet, wurden auch westliche Techniken, wie Holzstich (in quer zur Faser geschnittenen Druckstöcken), Lithographie, und Radierung eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg experimentierten die dieser Bewegung verbundenen Künstler auch mit neuen Materialien: Furnierholz hob die Restriktionen des Formats auf, Blätter, Schnur und ähnliche Materialien erweiterten die technischen Möglichkeiten des Holzschnitts. Obwohl die Eigenproduktion ein identitätsstiftendes Moment für die sôsaku-hanga-Künstler war, wurden für größere Auflagen auch Drucker, manchmal sogar Schnitzer engagiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete sich den Druckkünstlern beider Strömungen ein begeistertes ausländisches Publikum und die moderne japanische Druckkunst blühte auf. Zunehmende Sammlertätigkeit und internationale Auszeichnungen, etwa für Saitô Kiyoshi und Munakata Shikô, gepaart mit Ausstellungen und Kursen im In- und Ausland förderten die Anerkennung dieser Kunstrichtung.

Veranstalter:

Museum für Asiatische Kunst