Utagawa Kunisada (1786-1865): Kaomise-Aufführung, Farbholzschnitt, Tokugawa-Zeit, 1858 (Ausschnitt)

Kaomise
Kabuki-Theater in Edo

von: 23.11.2010 bis: 13.03.2011

Museum für Asiatische Kunst

Seit dem späten 17. Jahrhundert ist das Kabuki-Theater die populärste, einheimische Theaterform in Japan. Zu Musikbegleitung führen die durchweg männlichen Schauspieler in einer abwechslungsreichen Mischung aus Dialogen, Gesang und Tanz bis hin zur Akrobatik actiongeladene Heldensagen, tragische Liebesgeschichten und burleske Lustspiele auf. Die beliebtesten Darsteller und Szenen aus den erfolgreichsten Stücken wurden schon sehr bald Gegenstand eines ausgeklügelten Vermarktungssystems, welches den Starkult unter anderem durch den Druck erschwinglicher Blätter im Vervielfältigungsmedium des Holzschnitts befeuerte.

Zu den Höhepunkten des Theaterjahres zählten die alljährlich im elften Monat des Mondkalenders abgehaltenen Premieren zur Saisoneröffnung, bei denen sich meist das ganze Ensemble einer Spielstätte den Fans präsentierte. Dieses Ereignis ist als "Kaomise" bekannt. Wörtlich bedeutet der Begriff "die Gesichter zeigen" und meint, dass sich alle für die kommende Spielzeit engagierten Stars dem Publikum zeigen. Diese Stars, die ihre Bühnennamen in der Regel über Generationen weitergaben, wählten für dieses Ereignis in aller Regel besonders dramatische Stücke. Ein Beispiel hierfür ist das Drama "Shibaraku" (Einen Augenblick!).

Szenen aus Kaomise-Aufführungen, die den Bühnenraum ausleuchten sowie Darstellungen des Gedränges vor der Fassade eines Theaters in Edo und der energiegeladenen Atmosphäre im Innenraum ergänzen die auf einzelne Schauspieler fokussierten Blätter. Im frühen 19. Jahrhundert boten die Holzschnittmeister mit Einblicken in die für gewöhnliche Theaterbesucher unzugänglichen Garderobenräume exklusive und intime Bilder der Stars dieses bis heute beliebten Unterhaltungsgewerbes.

Veranstalter:

Museum für Asiatische Kunst