Sammlung Fotografie

Die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek zeigt ihre Ausstellungen seit Juni 2004 im Museum für Fotografie gegenüber dem Bahnhof Zoologischer Garten. Hier hat auch die Helmut Newton Stiftung ihren Sitz. Im restaurierten Kaisersaal kann die Sammlung Fotografie alle Formen der Fotografie vom 19. bis zum 21. Jahrhundert, von der Frühzeit der Fotografie bis zu künstlerischen Werken der Gegenwart ausstellen. Der Bestand wird am Kulturforum bewahrt und ist nach Anmeldung im Studiensaal der Kunstbibliothek zu betrachten.

Bereits 1868 wurden für die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums, heute Kunstbibliothek, Fotografien als "lehrhafte Vorbilder der Baukunst und des Kunsthandwerks" erworben. Heute umfasst die Sammlung Fotografie rund 160.000 Aufnahmen in der Sammlung künstlerischer Fotografien und dem Bildarchiv. Hinzu kommt ein reicher Bestand an Messbildern, historischen Postkarten und Fotografennachlässen.

Das Bildarchiv mit seinen derzeit etwa 50.000 Aufnahmen diente als sammlungsgeschichtlich ältester Teil zunächst der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums als Anschauungsmaterial. Das Themenspektrum reicht von Architektur- und Stadtansichten, Dokumentar- und Sachaufnahmen bis hin zu Reisebildern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Griechenland, dem Nahen und Fernen Osten. Urheber dieser Bilder waren meist kommerzielle Ateliers und Fotografen, etwa Edouard Baldus, Domenico Bresolin, Robert MacPherson, Samuel Bourne, Eugène Atget, F. Albert Schwartz, Werner Mantz und Arthur Köster. Die Künstlerstudien zeigen Landschaften, Pflanzen- und Tierdarstellungen, Akte und Porträts.

Auch die Sammlung künstlerischer Fotografien wurde einst zur Dokumentation, um beispielhafte "Verfahren des Bilddrucks" vorzuführen, angelegt. Die ersten Konvolute stammten 1914 und 1916 von Ernst Juhl und Fritz Matthies-Masuren, die die sogenannte Kunstfotografie in Deutschland bekannt machten. Die rund 300 Aufnahmen wurden zwischen 1880 und 1915 von Fotografen wie Edward Steichen, Alfred Stieglitz, Heinrich Kühn und Hugo Henneberg konzipiert. Um der Fotografie Anerkennung als Kunst zu verschaffen, experimentierten sie mit aufwendigen Abzugstechniken und imitierten malerische und grafische Texturen. Ihre Motive, wie Landschaft, Porträt und Genre, zeigen den Einfluss von Impressionismus, Jugendstil und Symbolismus.

In den 1920er-Jahren entwickelte sich unter den Schlagworten "Neues Sehen" und "Neue Sachlichkeit" ein neues visuelles Bewusstsein. Für die Sammlung künstlerischer Fotografie wurden zwischen 1929 und 1932 rund 100 Inkunabeln des "Neuen Sehens"“ erworben – allen voran von der legendären Werkbundschau "Film und Foto", die 1929 aus Stuttgart übernommen wurde. Zu den wichtigsten Bildautoren zählen Max Burchartz, Hans Finsler, Florence Henri, Helmar Lerski, László Moholy-Nagy, Oskar Nerlinger, Albert Renger-Patzsch und Sasha Stone.

Erst in den 1990er-Jahren begann wieder eine stetige Sammlungstätigkeit. Zudem gelangten Nachlässe und größere Konvolute in die Sammlung, so von dem Kunstfotografen Otto Ehrhardt, von Martin Badekow, der in den 1920er-Jahren eines der bekanntesten Berliner Porträt-Ateliers unterhielt, das große Pressebildarchiv Willy Römer, Fotografien von Bernhard Larsson, der in den 1960er-Jahren als Reporter in Ost- und West-Berlin arbeitete, und von Ludwig Windstosser, dem führenden Industriefotografen der Nachkriegszeit.

Um die 28.000 Aufnahmen bedeutender Bauten und Stadtansichten enthalten die etwa 300 Messbildalben. Ursprünglich zur Staatlichen Bildstelle Berlin gehörend, gelangten sie nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sammlung. Die rund 42.000 Postkarten von Landschaftsaufnahmen über Reisebilder und Stadtansichten bis zu Porträts umspannen die Zeit vom Ende des 19. bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert.

Im Studiensaal der Kunstbibliothek werden die Objekte der Sammlungen auf Bestellung vorgelegt. Der Studiensaal ist offen für Studierende, Forscher und alle Kunstbegeisterte

Eine Veranstaltung mit großzügiger Unterstützung durch den Verein der Freunde des Museums für Fotografie

Im Mai 2010 konnte im zweiten Obergeschoss des Museums für Fotografie der Kaisersaal nach grundlegender Renovierung und Neugestaltung wiedereröffnet werden. Nach den Entwürfen von Kahlfeldt Architekten entstand ein großzügiger, allen Ansprüchen an die moderne Präsentation von Fotografie genügender Ausstellungssaal. Seit seiner Eröffnung 2004 hat sich das Museum für Fotografie als zentrale, integrative Schnittstelle für Fotografie bei den Staatlichen Museen zu Berlin etabliert: Mit seinen Ausstellungen von der Reisefotografie des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Fotoinstallationen hat es sich in der Fotoszene positioniert, eine Fachbibliothek aufgebaut, Tagungen und Vortragsreihen wurden veranstaltet.

In Vorbereitung der Wiedereröffnung fand in Berlin das Symposium "Fotografie im Museum" statt. Es stellte die Entwicklung in Berlin in den europäischen Kontext, um das Museum für Fotografie im Netzwerk der großen Fotomuseen und -sammlungen neu zu verorten. Kolleginnen und Kollegen aus deutschen und europäischen Institutionen stellten die Arbeit ihrer Häuser vor.

Dabei galt das Augenmerk vor allem Institutionen, die sich seit 1999 neu etabliert oder ausgerichtet hatten. Die Debatte konzentrierte sich auf drängende Fragen der Fotografie am Ende ihrer analogen Ausformung: Welche Fotografien werden gesammelt und bewahrt, wie werden sie erforscht und der Öffentlichkeit angeboten?

Im Folgenden können die auf der Tagung gehaltenen Vorträge und Diskussionen heruntergeladen werden. Einige Vorträge wurden als leicht überarbeitete Mitschriften publiziert, andere wurden von den Autoren für die Publikation verändert. Die Typoskripte der Diskussionen erstellte Katrin Baumgarten, die Redaktion übernahmen Astrid Bähr, Ludger Derenthal und Kristina Lowis.

Die Vorträge:

Begrüßung
Wilfried Wiegand, Verein der Freunde des Museums für Fotografie

Fotografie in Berliner Museen und Institutionen
Florian Ebner, Fotografische Sammlung der Berlinischen Galerie, Berlin [Download Vortrag PDF]
Matthias Harder, Helmut Newton Stiftung, Berlin
Stephan Erfurt, C/O Berlin, Berlin [Download Vortrag PDF]

Fotografie in deutschen Museen
F. C. Gundlach, Stiftung F. C. Gundlach, Hamburg [Download Vortrag PDF]
T. O. Immisch und Anja Jackes, Sammlung Photographie der Stiftung Moritzburg, Halle an der Saale [Download Vortrag PDF]
Andreas Krase, Technische Sammlungen Dresden [Download Vortrag PDF]
Claude W. Sui, Forum Internationale Photographie (FIP) der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim [Download Vortrag PDF]

Fotografie in europäischen Museen
Ingrid Fischer Jonge, Museet for Fotokunst, Odense [Download Vortrag PDF]
Frits Gierstberg, Nederlands Fotomuseum, Rotterdam [Download Vortrag PDF]
Monika Faber, Albertina, Fotosammlung, Wien [Download Vortrag PDF]
Xavier Canonne, Musée de la Photographie, Charleroi [Download Vortrag PDF]

Die Staatlichen Museen zu Berlin und die Fotografie
Hans-Peter Frentz, Bildagentur bpk
Raffael Gadebusch, Fotografie im Museum für Asiatische Kunst
Moritz Wullen, Kunstbibliothek und Sammlung Fotografie
Ludger Derenthal, Museum für Fotografie [Download Vortrag PDF]

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