Ornamentstichsammlung

Die Ornamentstichsammlung der Kunstbibliothek gehört zu den weltweit größten ihrer Art. Ihre Wurzeln liegen in der Privatsammlung des französischen Architekten Hippolyte Destailleur, die 1879 für die Bibliothek des Deutschen Gewerbe-Museums in Berlin erworben wurde. Von Anbeginn war der Begriff "Ornamentstich" weit gefasst, sodass sich in den Beständen neben grafischen Entwürfen für alle Bereiche der angewandten Kunst auch bildliches und literarisches Quellenmaterial zu Kunsttheorie, Perspektiv- und Proportionslehre, Ikonografie und Ikonologie, zu Emblematik und Kalligrafie sowie Traktatliteratur finden.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Ornamentstichsammlung in 160 Kisten verpackt und im Tiefparterre des Kunstgewerbemuseums, heute Martin-Gropius-Bau, gelagert. Der Katalog von 1939 verzeichnet 5.369 Titel und 140 Nachträge. Sechs Jahre später war die Hälfte der gebundenen Stichfolgen und Quellenwerke verloren, darunter alle großformatigen Bände. Bis heute arbeitet die Kunstbibliothek daran, diese Lücken zu schließen. Mittlerweile besitzt sie wieder alle wichtigen Standard- und Meisterwerke zur europäischen Ornamentgeschichte.

Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden Werke französischer Ornamentschöpfer des 17. und 18. Jahrhunderts: Jean le Pautre, Jean Bérain, Daniel Marot, Jean-Antoine Watteau und Juste-Aurèle Meissonnier. Das deutsche Rokoko-Ornament ist durch Stichfolgen von François de Cuvilliés, Franz Xaver Habermann, Johann Esaias Nilson und Jeremias Wachsmuth eindrucksvoll belegt. Einen weiteren Akzent setzen die mit Stichen ausgestatteten Schriften italienischer Architekten des 15. bis 17. Jahrhunderts, etwa Leone Battista Albertis, Sebastiano Serlios, Giacomo Barozzi da Vignolas, Andrea Palladios, Andrea Pozzos, Germani Boffronds und Jacques-François Blondels.

Eine unschätzbare Quelle für Topografie und Denkmalpflege sind Ansichtenwerke wie das von Matthes Daniel Pöppelmann über den Dresdner Zwinger, Karl Friedrich Schinkels Sammlung architektonischer Entwürfe oder die venezianischen Veduten Antonio Canalettos. Zu den wichtigsten Publikationen archäologischer Topografie zählen eine Sammlung römischer Bauten und Kunstwerke aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, das "Speculum Romanae Magnificentiae" des in Rom tätigen französischen Stechers und Verlegers Antonio Lafreri, sowie die seit 1748 in Rom erschienenen Werke Giovanni Battista Piranesis.

Für die Geschichte menschlicher Formenbildung ist die Ornamentstichsammlung ein Quellenfundus ersten Ranges. Deshalb hat die Kunstbibliothek ihre Bestände der Ornamentik als "Abstraktion vor der Abstraktion" in Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum in Prag und dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst in Wien (MAK) in einem EU-Projekt über das Internet zugänglich gemacht. Das Projekt "Ornamental Prints. Dissemination of Design from the Renaissance to the Biedermeier Period" begreift das Ornament nicht als Nebensache, sondern als ein zentrales Phänomen der Kunstgeschichte.

Im Studiensaal der Kunstbibliothek werden die Objekte der Sammlungen auf Bestellung vorgelegt. Der Studiensaal ist offen für Studierende, Forscher und alle Kunstbegeisterte

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