Geschichte

Die Kunstbibliothek entstand 1868. Im Jahr zuvor war auf Initiative des Großen Berliner Handwerkervereins das Deutsche Gewerbe-Museum zu Berlin gegründet worden, das neben einer Unterrichtsanstalt auch eine Bibliothek erhielt. Dass die Kunstbibliothek heute nicht nur eine wichtige Forschungsbibliothek ist, sondern zudem über eine bedeutende Sammlung grafischer Bildzeugnisse zur angewandten Kunst verfügt, hat in dieser Konstellation ihren Ursprung. So bestimmte das Gründungsprogramm des Museums – Rückbesinnung auf handwerkliche Qualitäten – auch die Erwerbungsrichtlinien der Bibliothek. Historische Kenntnisse über Stil, Technik, Material und Methoden sollten Künstlern und Gewerbetreibenden vermittelt werden. Bereits in der Satzung von 1867 wurde der besondere Charakter der Bibliothek festgelegt: Nicht nur wissenschaftliche und künstlerische Bücher und Zeitschriften, sondern auch Zeichnungen und Fotografien herausragender kunstgewerblicher Erzeugnisse sollten gesammelt werden. So entstand eine umfassende Muster- und Vorbildersammlung für alle Bereiche des Kunsthandwerks.

Für die Entwicklung der Bibliothek spielte Peter Jessen, ihr Direktor von 1886 bis 1924, ein zentrale Rolle. Wichtige, die Struktur der Kunstbibliothek heute noch prägende Erwerbungen wie die Lipperheidesche Kostümbibliothek, die Nachlässe der Architekten Joseph Maria Olbrich und Hippolyte Destailleur oder des Fotografen Ernst Juhl fallen ebenso in seine Amtszeit wie die Loslösung vom Gewerbe-Museum. 1881 hatte das Museum, inzwischen unter dem Namen Kunstgewerbemuseum, mit Bibliothek und Unterrichtsanstalt einen Neubau in der Prinz-Albrecht-Straße bezogen. Dieses nach Plänen von Martin Gropius und Heino Schmieden errichtete Gebäude, heute Martin-Gropius-Bau, verdeutlicht, welch wichtige Position die erst wenig zuvor gegründete Institution mittlerweile in der Berliner Bildungslandschaft einnahm. Da der vorhandene Platz für die stark anwachsende Sammlung der Bibliothek jedoch nicht ausreichte, wurde diese 1905 in einen Erweiterungsbau verlegt, der ausreichend Stellfläche für Bücher und grafische Sammlungen sowie großzügige Lese- und Studiensäle bot. Dem Lesesaal war erstmals ein kleiner Raum angegliedert, in dem Wechselausstellungen gezeigt wurden. Nachdem die Bibliothek bereits 1894 als selbstständige Abteilung der Königlichen Museen dem Gewerbe-Museum gleichgeordnet worden war, manifestierte dieser Umzug die Unabhängigkeit der Bibliothek von den musealen Sammlungen des Gewerbe-Museums und ebnete ihr den Weg zu einem eigenständigen wissenschaftlichen Forschungsinstitut. 1924 erhielt sie den Namen, den sie bis heute trägt: Kunstbibliothek.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden wichtige Teile der Bibliotheks- und Sammlungsbestände ausgelagert. Die Nutzung der Bibliothek war jedoch noch bis 1944 möglich. Nach Kriegsende konnten Teile der Bestände an ihrem provisorischen Standort in Berlin-Dahlem bereits 1947 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. 1954 folgte der Umzug in die Jebensstraße in Berlin-Charlottenburg.

Die nächste Etappe in der wechselvollen Geschichte der Bibliothek kündigte sich 1962 mit den Planungen für das Kulturforum an, die 1987 mit dem Beginn des Neubaus für Kunstbibliothek und Kupferstichkabinett nach Plänen Rolf Gutbrods, überarbeitet durch das Büro Hilmer & Sattler, konkret wurden. In den neuen Räumen am Kulturforum erhielten die Buch- und Sammlungsbestände zu Architektur, Buch- und Medienkunst, Fotografie, Mode und Grafikdesign 1994 ihren bis heute gültigen Standort. 2004 wurde das Museum für Fotografie als Teil der Kunstbibliothek in der Jebensstraße eröffnet und schließlich im Jahre 2012 die Archäologische Bibliothek im Archäologischen Zentrum nahe der Museumsinsel Berlin.

Die Standorte der Kunstbibliothek

Kunstbibliothek
Staatliche Museen zu Berlin
Matthäikirchplatz 6
10785 Berlin

Das Stammhaus der Kunstbibliothek am Kulturforum ist ein kunstwissenschaftliches Forschungszentrum mit einer der weltweit größten Spezialbibliotheken zur Kunstgeschichte der westlichen Welt von der Spätantike bis in die Gegenwart. Hier werden zudem die äußerst vielfältigen, umfangreichen Museumssammlungen der Architektur, der Buch- und Medienkunst, des Grafikdesigns, der Fotografie und der Mode bewahrt.

Das Forschungszentrum bietet den Besuchern einen öffentlichen Lesesaal für die Bibliotheksbestände und einen Studiensaal für die Museumssammlungen an. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt finden hier ideale Arbeitsbedingungen. Ebenso ist das Haus am Kulturforum ein Eldorado für alle, die in der Geschichte des Designs und der Stile Inspiration und Anregung suchen.

Zur Lebendigkeit des Forschungsbetriebs am Kulturforum gehört ein vielfältiges Programm von Vortragsreihen, Buchpräsentationen, Künstlergesprächen und Führungen. Im Ausstellungsraum der Kunstbibliothek finden darüber hinaus wechselnde Präsentationen zu ausgewählten Schwerpunkten der Sammlungen und Forschungen statt. Großformatige Ausstellungen zu epochen- oder sammlungsübergreifenden Themen werden in den Sonderausstellungshallen des Kulturforums gezeigt.

Museum für Fotografie
Staatliche Museen zu Berlin
Jebensstraße 2
10623 Berlin

Das Museum für Fotografie am Bahnhof Zoologischer Garten ist das Ausstellungshaus der Kunstbibliothek für ihre fotohistorischen Sammlungen. Partner der Kunstbibliothek ist hier die Helmut Newton Foundation, die im Erdgeschoss und in der Beletage untergebracht ist. Vor dem Umzug der Kunstbibliothek an das Kulturforum im Jahr 1994 befanden sich in diesem Gebäude auch die übrigen Museumssammlungen der Kunstbibliothek, die Buchbestände, der Lesesaal und die Verwaltungsräume.

Im Kaisersaal, der im 2. Geschoss liegt, zeigt die Kunstbibliothek in Wechselausstellungen ihre fotografischen Schätze, mit denen sie den Blick auf zentrale Themen der Fotografiegeschichte öffnet. Durch ambitionierte Ausstellungen wie "Ein neuer Blick. Architekturfotografie aus den Staatlichen Museen zu Berlin" (2010), "Mikrofotografie. Schönheit jenseits des Sichtbaren" (2010/11) oder "Das Koloniale Auge. Frühe Porträtfotografie in Indien" (2012) hat das Museum in den letzten Jahren internationale Strahlkraft erlangt.

Der angrenzende, nördliche Fürstensaal, in dem sich auch das Büro des Vereins der Freunde des Museums für Fotografie befindet, bietet Raum für Vorträge, Symposien und Lesungen. Für den südlichen Fürstensaal planen die Kunstbibliothek und die Universität der Künste Berlin die Einrichtung eines Experimentierlabors zur Erprobung innovativer kuratorischer und fotokünstlerischer Konzepte.

Archäologisches Zentrum
Staatliche Museen zu Berlin
Geschwister-Scholl-Straße 6
10117 Berlin

Die archäologische Abteilung der Kunstbibliothek hat ihren Sitz im 2012 eröffneten Archäologischen Zentrum gegenüber der Museumsinsel Berlin. Sie entstand durch Zusammenlegung der in mehr als 150 Jahren gewachsenen Buchbestände der großen archäologischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin: des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung, der Antikensammlung, des Museums für Islamische Kunst, des Museums für Vor- und Frühgeschichte und des Vorderasiatischen Museums.

Für die Neuaufstellung auf mehr als 1.000 Quadratmetern wurde der Bestand von 150.000 Medien nach internationalen Bibliotheksstandards systematisiert und ist nun zum Großteil in einem Freihandbereich direkt zugänglich. Die archäologische Filiale der Kunstbibliothek ist als lebendiger Ort der Forschung konzipiert, in der Archiv- und Quellenstudien, Forschung mit Sammlungsobjekten sowie Bibliotheksnutzung und elektronische Informationsversorgung gleichzeitig möglich sind.

Darüber hinaus steht der Lesesaal den Benutzern des Zentralarchivs offen. Das Zentralarchiv repräsentiert mit seinen Akten und Archivalien sammlungsübergreifend die Geschichte der ehemals Königlichen, heute Staatlichen Museen zu Berlin. Es versteht sich als Stätte der Forschung und zugleich als „historisches Gedächtnis“ der Museen. Zur Arbeit mit den Beständen des Archivs hält die Kunstbibliothek in Freihandaufstellung Literatur zur Geschichte der einzelnen Museen bereit sowie eine vollständige Sammlung der von den Königlichen/Staatlichen Museen zu Berlin seit ihrer Gründung im Jahre 1830 publizierten Bestands- und Forschungsliteratur.

Die Publikationen der Kunstbibliothek finden Sie in der Bibliografie der Staatlichen Museen zu Berlin.

Kunstbibliothek am Kulturforum:
Matthäikirchplatz 8
10785 Berlin

Kunstbibliothek im Archäologischen Zentrum:
Geschwister-Scholl-Straße 6
10117 Berlin

Kunstbibliothek im Museum für Fotografie:
Jebensstraße 2
10623 Berlin

Alle Standorte sind vollständig rollstuhlgeeignet

Ausstellungsbereiche am Kulturforum:

Mo geschlossen
Di 10:00 - 18:00 Uhr
Mi 10:00 - 18:00 Uhr
Do 10:00 - 18:00 Uhr
Fr 10:00 - 18:00 Uhr
Sa 11:00 - 18:00 Uhr
So 11:00 - 18:00 Uhr

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Besuch planen

Informationen zu den Öffnungszeiten der Bibliotheken und anderen Standorten entnehmen Sie bitte den Hinweisen auf den folgenden Seiten:

Kunstbibliothek am Kulturforum
Kunstbibliothek im Archäologischen Zentrum
Lipperheidesche Kostümbibliothek
Fachbibliotheken der Sammlungen
Museum für Fotografie

Postanschrift:
Matthäikirchplatz 6
10785 Berlin

Tel.: 030 / 266424101
Fax: 030 / 266424199
kb@smb.spk-berlin.de

Direktor: Prof. Dr. Moritz Wullen
Stellvertretender Direktor: Dr. Joachim Brand

Café und Restaurant im Kulturforum
Frau Rave
Tel.: 030 / 266428501

Buchhandlung Walther König