Zaubergärten der Seele
Buchkunst und Glasfensterentwürfe von Melchior Lechter (1865-1937)

28.07.2006 bis 17.09.2006

Kunstbibliothek

"Ich schmücke kein Buch, ich mache ein Buch". Mit dieser Maxime war Melchior Lechter angetreten, um Text, Bild, Schrift, Satz, Farbe, Papier und Einband seiner Idee des Gesamtkunstwerkes Buch unterzuordnen. Nach einer Lehre als Glasmaler in seiner Geburtsstadt Münster war Lechter 1884 zum Kunststudium nach Berlin gezogen. Hier lernte er 1895 Stefan George kennen. Lechters Wohnatelier in der Kleiststraße wurde bevorzugter Treff des George- Freundeskreises. Durch George erhielt Lechter entscheidende Impulse, sich der Buchgestaltung zu widmen. Dem Vorbild der englischen Pressendrucke folgend übernahm er seit 1897 die Gesamtausstattung von Publikationen ihm nahe stehender Autoren. Lechters Bücher zeugen immer von einer besonderen Hingabe zum Text bis zur Identifizierung mit dem Inhalt. 1909 gründete er im Verlag Otto von Holten die "Einhorn-Presse", in der die Prachtausgabe Thomas von Kempens "Vier Bücher von der Nachfolge Christi" erschien. Andere Druckwerke künden von Lechters Hinwendung zur buddhistisch-brahmanischen Mystik, die in einer Asienreise ihren Höhepunkt fand. Ein breiteres Publikum erreichte der Künstler durch seine Glasfenster und Raumausstattungen, von denen der im Krieg zerstörte Pallenberg-Saal für das Museum für angewandte Kunst in Köln die wohl bedeutendste Arbeit ist.

Nach der Lechter-Retrospektive des Westfälischen Landesmuseums Münster, wo sich der Nachlaß des Künstlers befindet, zeigt nun die Kunstbibliothek - konzentriert auf Buchkunst, Gebrauchsgraphik und Entwürfe für die Glasmalerei - Arbeiten Lechters aus eigenem Bestand, ergänzt durch wertvolle Leihgaben aus Münster.