Das Institute für Museumsforschung | © Staatliche Museen zu Berlin / Achim Kleuker

Zur Entwicklung von europaweiten Standards der Wissensspeicherung ist eine Bestandsaufnahme sowohl der bisher existierenden Formate der Informationsspeicherung erforderlich als auch der Standards der inhaltlichen Strukturierung und Aufbereitung von Information (zum Beispiel in Museumsdatenbanken, in übergreifenden Dateien wie Gesamtverzeichnissen, Werklisten, Künstlerlexika, in Thesauri, Schlagwortlisten, Klassifikationen zur Inhaltsbeschreibung und so weiter). Diese Aufbereitung betrifft sowohl den rein fachlichen Austausch zwischen Museen als auch den offen auf dem Internet angebotenen Zugang zu digitalen Ressourcen für das allgemeine Publikum. Das Institut für Museumsforschung erarbeitet daher in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern Empfehlungen für Grundinventarisierungsschemata (zum Beispiel "Leitfaden für die Dokumentation von Museumsobjekten" [DOWNLOAD pdf], Anleitungen für die Dokumentationspraxis (Spectrum), technische Datenaustauschformate und -instrumente wie LIDO sowie für den Museumsbereich relevante Vokabulare.

Eine ganze Reihe von Fragen, die für Museen relevant sind, werden in Deutschland und weltweit in Normen behandelt, das heißt, man versucht, ein gemeinsames Grundgerüst festzulegen, gemeinsam gültige Regelungen niederzuschreiben, eine Struktur für das Handeln in bestimmten Bereichen zu schaffen. Ziele sind stets Arbeitserleichterung und Kostenersparnis sowie verbesserte Austauschbarkeit und Kompatibilität zwischen jeweils einzelnen Dienstleistungen, Produkten und Systemen, also zum Beispiel innerhalb eines Museums, eines regionalen Museumsverbandes, zwischen Museen bei ihren Leihverträgen, Datenlieferungen und so weiter weltweit.

Solche Normen werden in der Internationalen Organisation für Normung (ISO) erarbeitet, im Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN), das auch der deutsche Partner in der ISO ist, und im Comité Européen de Normalisation (CEN) für Europäische Normen (EN), ebenfalls deutscherseits durch das DIN. Die Arbeit an ISO-, EN- und DIN-Normen erfolgt durch ehrenamtliche Experten in den einzelnen Ländern. Aus dem Bereich der Staatlichen Museen zu Berlin ist beispielsweise auch das Rathgen-Forschungslabor Teilnehmer.

Zur Leiterin der internationalen Museumsstatistik-Arbeitsgruppe ISO/TC 46/SC 8/WG 11 wurde Prof. Monika Hagedorn-Saupe bestellt, stellvertretende Leiterin des Instituts für Musuemsforschung und unter anderem zuständig für die nationale Museumsstatistik in Deutschland. Die Arbeit an der Norm soll, von Herbst 2012 an gerechnet, in 48 Monaten abgeschlossen sein. Sie wird in enger Zusammenarbeit mit EGMUS (European Group on Museum Statistics) stattfinden, einer Gruppe, die sich mitsamt ihren Vorformen bereits seit 1996 jährlich trifft und museumsstatistische Daten in Europa austauscht sowie eine Vereinheitlichung der Statistiken und der zugrunde liegenden Erhebungsbögen anstrebt, damit museumsstatistische Angaben in Europa möglichst weitgehend vergleichbar werden.

Im Bereich der europäischen Normung behandelt das Komitee CEN/TC 346 kulturelles Erbe, Konservierung, ortsfestes und bewegliches Kulturerbe. Das Programm umfasst über 50 geplante Normen, viele jedoch zu spezialisierten Einzelaspekten. Eine der Arbeitsgruppen des Komitees CEN/TC 346 befasst sich mit den Definitionen der technischen Begriffe im Bereich "Kulturerbe", an dieser Gruppe ist Axel Ermert vom Institut für Museumsforschung beteiligt. Die Norm mit einer Empfehlung für die Handhabung von Schauvitrinen ist noch nicht abgeschlossen. Kurz vor der Verabschiedung steht eine Normierung zum Thema Verpackungsmethoden (Transport und Verpackung). Einer der Diskussionspunkte zwischen Museumsvertretern und Dienstleistern, aber auch zwischen den einzelnen Ländern ist dabei, ob bei jeder Ausleihe eine vorhergehende Ortsbesichtigung stattfinden soll – der Aufwand wird von vielen Experten als zu hoch eingeschätzt.