Über die Sammlung

Die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin knüpft zeitlich an die Sammlungsbestände der Neuen Nationalgalerie an und zeichnet die vielfältigen Entwicklungen in der Kunst seit 1960 bis in die Gegenwart nach: die Umbrüche und Neudefinitionen in der Malerei, die Fortsetzungen der klassischen Skulptur in der Objektkunst, die besondere Rolle der Fotografie und die multimedialen Entwürfe in Video und Film. Dabei wurde bewusst auf eine historisch festgelegte Präsentation verzichtet und ein offenes, sammlungsübergreifendes Konzept gewählt, das alle von Künstlern benutzten Medien einschließt. Trotz der großzügigen Räumlichkeiten ist es nicht möglich, alle Werke des Hauses zu zeigen. Die reichen Bestände der Sammlung werden deshalb in wechselnden, thematischen Ausstellungen präsentiert.

Der Zusatz "Museum für Gegenwart" spielt auf die 1919 im Kronprinzen-Palais eröffnete und 1937 von den Nationalsozialisten geschlossene Dependance der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst an. Der damalige Direktor Ludwig Justi hatte das "Museum der Gegenwart" nach dem Ende des Kaiserreichs als eines der ersten Staatsmuseen für die "Kunst der Lebenden" eingerichtet.

An diese progressive Tradition anknüpfend, ist der Sammlungsbereich des "Museums für Gegenwart" bewusst auf die Kunst seit 1960 festgelegt worden. Durch die Sicherung der Privatsammlung von Erich Marx, die im Hamburger Bahnhof nicht nur ihren endgültigen Standort gefunden hat, sondern auch auslösendes Moment für die aufwendige Umgestaltung des Museums war, ist dieses Sammlungskonzept in der Eröffnungsausstellung 1996 durch die großartigen Werkblöcke von Joseph Beuys, Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Cy Twombly beeindruckend veranschaulicht worden. Ausgehend von diesen Pionieren der Entgrenzung aller traditionellen Kunstformen legt das Museum in seinen Ausstellungen und Programmen den Schwerpunkt auf die Interdisziplinarität zeitgenössischer Kunst.

Die Sammlung der Nationalgalerie zeichnet sich im Bereich des erweiterten Kunstbegriffs besonders durch ihren Bestand an Künstlerräumen aus – etwa von John Cage, Bill Viola, Peter Campus, Hans-Peter Feldmann, Wolf Vostell, Rebecca Horn, Marcel Broodthaers oder Aernout Mik.

In der Malerei zählen Arbeiten von Gerhard Richter, A. R. Penck, Sigmar Polke und Imi Knoebel zu zentralen Ausgangspunkten der Sammlung. Ihre Werke gehen bei der Auswahl der Motive nicht von der Realität, sondern von einer medial geformten Wirklichkeit aus und prägen die Malerei bis heute. Arbeiten jüngerer Künstler wie Michel Majerus, Corinne Wasmuht oder SUSI POP veranschaulichen die Veränderbarkeit des Visuellen im Zeitalter des Computers.

Im Jahr 2002 konnten die Bestände des Hamburger Bahnhofs durch den Erwerb der Studiensammlung zur Konzeptkunst und Arte povera von Egidio Marzona wesentlich erweitert werden.

Filmische Werke, u.a. von Rosa Barba Matthew Buckingham, Omar Fast, Davis Lamelas und Melvin Moti bilden einen weiteren Schwerpunkt der jüngeren Sammlungsbestände der Nationalgalerie.

Die benachbarte Disziplin der Fotografie versammelt Arbeiten der sogenannten Becher-Schule: von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky und Thomas Ruff, aber auch Beispiele inszenierter und konzeptueller Fotografie und Werke, die den Grenzbereich zwischen Fotografie und Malerei ausloten.

Mit der 2005 vom Verein der Freunde der Nationalgalerie gegründeten "Stiftung für zeitgenössische Kunst" konnten für die Sammlung der Nationalgalerie Arbeiten konzeptueller Strömungen der Kunst nach 1980 verstärkt erworben werden. Hierzu zählen Werke von Hans-Peter Feldmann, Andrea Fraser, Christopher Williams oder Heimo Zobernig.

Als Dauerleihgabe kam im Jahr 2004 die Friedrich Christian Flick Collection in den Hamburger Bahnhof. Die über 1.500 erstklassigen Werke zeitgenössischer europäischer und nordamerikanischer Kunst werden in wechselnden thematischen und monografischen Ausstellungen präsentiert. Für diese Sammlung wurden die hinter dem Hauptgebäude liegenden Rieckhallen erschlossen. Im Februar 2008 überließ Friedrich Christian Flick der Nationalgalerie 166 Arbeiten aus dieser Sammlung als Schenkung, darunter Hauptwerke von Isa Genzken, Martin Kippenberger, Bruce Nauman, Raymond Pettibon und Wolfgang Tillmans. Seit dem Vermächtnis des Konsuls und Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, mit dem er 1861 den künstlerischen Grundstock der Nationalgalerie stiftete, hat keine Einzelperson der Nationalgalerie eine derart große Schenkung zukommen lassen. 

Die Sammlungen im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Die Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof umfasst rund 1.500 Werke von etwa 150 Künstlerinnen und Künstlern. Die Sammlung konzentriert sich im Wesentlichen auf die Kunst der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Sie enthält vorwiegend Arbeiten europäischer und nordamerikanischer, aber auch asiatischer Künstler. Dabei sind einzelne aktuelle künstlerische Positionen mit einer größeren Werkauswahl besonders eindrucksvoll vertreten.

Dichte, Vielfalt und herausragende Qualität der Sammlung führten im Jahr 2004 zu der zunächst für sieben Jahre bis 2011 vereinbarten und nun auf nochmals zehn Jahre bis 2021 verlängerten Kooperation zwischen Friedrich Christian Flick und den Staatlichen Museen zu Berlin. Für diesen Zeitraum stellt der Sammler der Nationalgalerie die rund 1.500 Werke weiterhin als Dauerleihgabe zur Verfügung. Neu von Friedrich Christian Flick erworbene Arbeiten erweitern gelegentlich diese fest umschriebene Dauerleihgabe "Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof".

Die Werke der Sammlung werden von den Kuratoren der Nationalgalerie unter wechselnden Schwerpunkten vorgestellt, von thematischen Überblicksschauen bis hin zu monografischen Präsentationen. Diese Ausstellungen finden überwiegend in den Rieckhallen des Hamburger Bahnhofs statt. Werke der Friedrich Christian Flick Collection sind jedoch auch in anderen Häusern der Nationalgalerie im Zusammenspiel mit der eigenen Sammlung zu sehen.

Kunsthistorisch gesehen stehen im Zentrum der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof drei Positionen der klassischen Moderne, die mit bedeutenden Werken aufscheinen: die zitathafte Malerei von Francis Picabia, die existenzialistisch angelegte Skulptur von Alberto Giacometti und die radikale Konzeptkunst von Marcel Duchamp. Alle drei Positionen weisen innerhalb der Sammlung voraus auf deren eigentlichen Schwerpunkt, auf die Umbrüche und Neuentwürfe in der Kunst nach 1960. Hervorzuheben ist hier insbesondere der große, geradezu einzigartige Werkblock des US-Amerikaners Bruce Nauman, der in der Dichte und Vielschichtigkeit die Essenz des künstlerischen Denkens dieses Künstlers eindrucksvoll zu spiegeln vermag. Ein weiterer wesentlicher Werkblock der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof umfasst die Concept Art, Minimal Art, Fluxus und den poetischen Strukturalismus der 1960er-Jahre mit Arbeiten von Künstlern wie Sol LeWitt, Lawrence Weiner, Robert Ryman, Marcel Broodthaers, Nam June Paik, Dieter Roth, Dan Graham und On Kawara. Das Medium Malerei, das in der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof seinen Ausgangspunkt bei Francis Picabia nimmt, ist mit vorwiegend deutschen Positionen wie Sigmar Polke, Gerhard Richter, Georg Baselitz und Blinky Palermo, aber auch mit Jüngeren, etwa Neo Rauch, Daniel Richter und dem belgischen Maler Luc Tuymans, vorhanden.

Diese interessante Konstellation von Positionen der überwiegend schon klassischen Moderne ist innerhalb der Sammlung eng gekoppelt an die Kunst der nächsten Generation, an Werke und Werkgruppen aktueller Künstler wie Stan Douglas, Isa Genzken, Rodney Graham, Andreas Hofer, Jason Rhoades, Pipilotti Rist, Anri Sala, Beat Streuli, Wolfgang Tillmans oder Jeff Wall. Die Arbeiten der Sammlung umfassen dabei alle Medien von Zeichnung, Druckgrafik und Malerei über Skulptur und Environment bis hin zu Fotografie, Video und Film. Von Künstlern wie Paul McCarthy, Peter Fischli/David Weiss und Stan Douglas existieren in der Sammlung darüber hinaus besonders großformatige Werke: aufwendige Installationen ebenso wie komplexe Filmräume.

Auf dem Gebiet der Fotografie sind umfangreiche Blöcke klassischer Positionen von Albert Renger-Patzsch, Walker Evans, Alfred Stieglitz bis zur Bauhaus-Fotografie zu nennen, die gleichsam einen Ausgangspunkt für zeitgenössische, ebenfalls in der Sammlung zu findende fotografische Haltungen bilden, wie jene von Bernd und Hilla Becher und ihren Schülern, aber auch der konzeptuellen Fotografie etwa von Vito Acconci, Dan Graham oder Gordon Matta-Clark.

Im Frühjahr 2008 schenkte Friedrich Christian Flick der Nationalgalerie 166 Werke aus seiner Sammlung, darunter herausragende Arbeiten von Georg Baselitz, Bruce Nauman, Paul McCarthy, Dieter Roth, Richard Artschwager, Isa Genzken/Wolfgang Tillmans, Stan Douglas, Rodney Graham, Pipilotti Rist, Urs Fischer und Christoph Büchel. Diese Schenkung ist die bislang umfangreichste durch eine Einzelperson seit der Gründung der Nationalgalerie im 19. Jahrhundert.

Mit den Werken der Sammlung Marx wurde der Hamburger Bahnhof im Jahr 1996 eröffnet. Seitdem gehören die von dem Berliner Unternehmer Dr. Erich Marx erworbenen Werke zu den Ausstellungen des Museums. Herausragende Arbeiten von Künstlern wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg oder Andy Warhol haben die Sammlung international berühmt gemacht. Zahlreiche Werke dieser Künstler sind dauerhaft ausgestellt. Die Bleiarbeiten Anselm Kiefers und insbesondere der große "Mao" (1973) von Andy Warhol können geradezu als Signets des Museums gelten. Die Sammlung Marx ist eine unbefristete Dauerleihgabe an die Nationalgalerie, die von den Kuratoren des Museums in wechselnden Präsentationen vorgestellt wird.

Im Zentrum der Sammlung Marx stehen fünf große Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und Andy Warhol. Von ihnen enthält die Sammlung umfassende Werkkomplexe, die es erlauben, die jeweilige künstlerische Entwicklung vom Frühwerk bis zu den jüngsten Arbeiten nachzuvollziehen. Einige von ihnen stehen für gänzlich neue künstlerische Wege und können in diesem Sinne als Schlüsselwerke der Kunstgeschichte gelten: etwa die frühe Collage-Arbeit "Pink Door" (1954) von Robert Rauschenberg, das verdoppelte Starbild „Double Elvis“ (1963) von Andy Warhol oder die "Straßenbahnhaltestelle" (1976) von Joseph Beuys.

Überdies zeichnet sich die Sammlung Marx durch zahlreiche Arbeiten nordamerikanischer Künstler aus: Bedeutende Werke von Dan Flavin, Donald Judd, Roy Lichtenstein und Bruce Nauman verdichten den Blick auf künstlerische Entwicklungen der 1960er- und 1970er-Jahre. Spätere Pop-Art-Nachfolger wie Keith Haring oder Jeff Koons finden sich darüber hinaus ebenso in der Sammlung wie die subtilen Fotoinszenierungen von Cindy Sherman oder die stark körperbezogenen Arbeiten von Matthew Barney.

Malerei umfasst die Sammlung in verschiedenen Ausprägungen: Großformatige Werke so unterschiedlicher Künstler wie Sandro Chia, Enzo Cucchi, Rainer Fetting oder Georg Baselitz dokumentieren die Renaissance einer expressiven europäischen Malerei in den 1980er-Jahren. Formale und abstrakte Antworten auf diese Entwicklung durch amerikanische Künstler wie Fiona Rae oder Peter Halley oder den Deutschen Günther Förg lassen sich ebenfalls nachvollziehen. Im Bereich der Gegenwart verweist die Sammlung auf aktuelle Malerei-Positionen von Daniel Richter, Eberhard Havekost und Frank Nitsche. Bemerkenswerte Einzelwerke ergänzen diesen zeitgenössischen Teil der Sammlung Marx: Neben großen Fotografien von Thomas Struth und Andreas Gursky gehören zur Sammlung Marx auch Skulpturen von Rachel Whiteread, Gemälde von Zbigniew Rogalski oder raumgreifende Arbeiten von Ugo Rondinone.

Die Sammlung Marzona gehört zu den bedeutendsten Sammlungen zur konzeptuellen Kunst der Jahre 1965 bis 1978, mit Werken der Konzeptkunst, der Land- und Minimal Art sowie der Arte povera. Sie umfasst über 600 herausragende künstlerische Arbeiten, u.a. von Ronald Bladen, Daniel Buren, Sol Lewitt, Mario Merz und Charlotte Posenenske, die heute im Hamburger Bahnhof und im Kupferstichkabinett bewahrt werden. Parallel dazu befindet sich in der Kunstbibliothek das Archiv der Sammlung Marzona mit zahlreichen Büchern und Zeitschriften, Plakaten und Einladungen, Schallplatten, Filmen, Fotografien und Briefen. Dieses Archiv ist für die Forschung und das interessierte Publikum in der Kunstbibliothek öffentlich zugänglich.

Die Sammlung Marzona wurde zusammengetragen von Egidio Marzona, einem leidenschaftlichen Sammler, der die Kunstentwicklung der 1960er- und 1970er-Jahre mit großer Intensität begleitete. Bereits Mitte der 1960er-Jahre gründete Marzona auf Anregung des Galeristen Konrad Fischer und in intellektueller Nähe zur Düsseldorfer Akademie eine eigene Galerie sowie einen Verlag, die Edition Marzona. Der Aufbau der Sammlung begann in dieser Zeit, ganz nach dem Leitbild eines enzyklopädischen Archivs. In der Sammlung sind Objekte von etwa 150 Künstlerinnen und Künstlern aufgehoben, entsprechend den intermedialen künstlerischen Arbeitsweisen sowohl dreidimensionale Objekte aus unterschiedlichsten Materialien als auch Zeichnungen, Skizzen, Collagen und Mischtechniken auf Papier sowie Fotografien. Neben diesen Objekten sammelte Marzona mehrere Tausend Einladungskarten, Ausstellungskataloge und Plakate, die in ihren oft ungewöhnlichen Gestaltungen als Umsetzungen künstlerischer Konzepte zu verstehen sind. Die Sammlung Marzona ist in der Vielfalt und Komplexität dialektisch zwischen den Polen der Ordnung und Unordnung eingespannt, in eine offene, flexible Struktur künstlerischer Positionen, deren materiale und mediale Strategien und Realisierungen variierten, sich veränderten, erweiterten und korrigiert wurden.

Die Publikationen der Nationalgalerie finden Sie in der Bibliographie der Staatlichen Museen zu Berlin.

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