Über das Institut

Die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin ist die weltweit größte Institution ihrer Art. Seit fast 200 Jahren werden hier hochwertige Kunstrepliken aus überwiegend Berliner, aber auch aus europäischen Museen angefertigt. Als Kunstmanufaktur sieht die Gipsformerei ihre Aufgabe darin, Tradition respektvoll zu behandeln und einmalige Kunstwerke nach überlieferten Fertigungsmethoden, mit sorgfältigster Handarbeit und reichem Spezialwissen zu schaffen. Dadurch repräsentiert sie einzigartig ein Stück Kultur- und Architekturgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin.

Nahezu 7.000 Abformungen von Originalkunstwerken aller Epochen und Weltkulturen zählen zum außergewöhnlichen Bestand dieses traditionsreichen Hauses. Neben Abgüssen von Werken der europäischen und ägyptischen Kunstepochen finden sich Objekte aus Mittel- und Südamerika, Indien und Afrika im Angebot. Das älteste Stück ist die im Original 25.000 Jahre alte Venus von Willendorf, der größte Abguss die 42 Meter hohe Marc-Aurel-Säule aus Rom. Einzigartig ist, dass dem interessierten Käufer der gesamte Formenbestand zur Anfertigung einer Kunstreplik offen steht.

Mehr als jedes andere Material eignet sich der Werkstoff Gips dazu, Feinheiten historischer Originalobjekte wiederzugeben. Verwendet wird für die Herstellung der Kunstrepliken eine spezielle Rezeptur aus feinstem, hochwertigem Alabaster-Gips. Das Anfertigen der Kunstrepliken aus den teilweise 200 Jahre alten Formen ist kompliziert und äußerst zeitaufwendig. Zum Vor- und Nachbereiten der Formen vor dem Abguss kommt, dass eine Vielzahl einzelner Komponenten zusammenzufügen und nachträglich zu modellieren ist. Die wertvollen historischen Formen werden kontinuierlich restauriert, um sie auch künftigen Generationen zu erhalten. Die teilweise sehr alten Formen haben in einigen Fällen ihr zerstörtes, verschollenes oder verwittertes Original überdauert und geben einen Erhaltungszustand wieder, der am Original unwiederbringlich verloren gegangen ist. Der Formenbestand wird auch heute noch stetig erweitert und für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung gestellt.

Die Gipsformerei, die 1819 durch König Friedrich Wilhelm III. als „Königlich Preußische Gipsgussanstalt“ gegründet wurde, gehört seit 1830 zu den Königlichen, heute Staatlichen Museen zu Berlin. Damit ist sie deren älteste Institution. Unter der Leitung Christian Daniel Rauchs, des bedeutendsten klassizistischen Bildhauers in Preußen, wurde in den ersten Jahren eine eigene Sammlung von Gipsabgüssen für die Königlichen Museen zu Berlin aufgebaut. Seiner Vermittlertätigkeit in Italien sind wichtige Abformungen zu verdanken, die dort entstanden. Die Werkstatt arbeitete unter anderem für Studiensammlungen der Akademie der Künste und der Berliner Universität. Aber auch kunstinteressierte Bürger sollten die Möglichkeit erhalten, originalgetreue Abgüsse aus dem gesamten Formenbestand zu erwerben. So waren zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe und die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt begeistert von der Qualität der hier gefertigten Objekte.

Nach Umzügen in das Sockelgeschoss des Alten Museums und in das Königliche Gießhaus in der Münzstraße wurde 1891 der eigens für die Gipsformerei errichtete Neubau in der Charlottenburger Sophie-Charlotten-Straße bezogen. Hier befinden sich seitdem Formerwerkstatt, Malerateliers und die Lager für die historischen Formen und Modelle.

Ausstellungen der Gipsformerei

Die Abguss-Sammlung Antiker Plastik umfasst etwa 2.000 Gipsabgüsse griechischer und römischer Skulpturen. Sie dient der universitären Lehre und Forschung und soll zugleich als Museum die Skulpturen der Antike einem breiten Publikum zugänglich machen.

Die Ausstellung vermittelt einen umfassenden Überblick über die Geschichte der griechischen und römischen Plastik. Der zeitliche Bogen erstreckt sich von der Kykladenkultur des 3. Jahrtausends v. Chr. bis zur geometrischen und archaischen Epoche, von der Skulptur der Klassik und des Hellenismus bis zur Plastik des Römischen und des Byzantinischen Reiches um etwa 500 n. Chr. Ausgewählte Stücke anderer antiker Kulturen des Mittelmeerraumes ergänzen die Sammlung.

Schloßstraße 69b
14059 Berlin

Öffnungszeiten
Do – So 14 – 17 Uhr (Eintritt frei)

Werke aus der Gipsformerei und den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei

Rotes Rathaus, Berlin

Die Staatlichen Museen zu Berlin stellen in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Senatskanzlei des Landes Berlin eine Auswahl an Gipswerken Berliner Bildhauer aus den Jahren 1790 bis 1850 aus. Alte Nationalgalerie, Skulpturensammlung und Gipsformerei haben dafür einzigartige, selten gezeigte Werke zur Verfügung gestellt. Für ein besseres Verständnis der Arbeiten und ihres historischen wie baulichen Kontextes sorgen Fotografien aus den Beständen der bpk. Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte. Mit Werken von Johann Gottfried Schadow, Christian Friedrich Tieck, Christian Daniel Rauch, Ludwig Wilhelm Wichmann, Friedrich Drake und anderen bietet die Ausstellung ein Panorama der Berliner Bildhauerschule, die nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch im europäischen Maßstab höchste Bedeutung besaß. Die Auswahl folgt jedoch nicht vordergründig einem topografischen Interesse. Vielmehr vermittelt sie einen Eindruck von der Dynamik gesellschaftlicher Umbrüche, die Preußen prägten: So wird das Zeitalter Humboldts besichtigt.

Die Ausstellung zeigt authentische Gipse des 19. Jahrhunderts. Sie bringt Entwürfe, Modelle und Abgüsse höchster Qualität zusammen, die einen Einblick in die technische Seite des Umgangs mit diesem Material geben. Der Gips wird in seinem ästhetischen Selbstwert erfahrbar. Vor allem aber führt die Ausstellung durch die Präsentation von Bauschmuck aus dem Berliner Stadtschloss, von Denkmalentwürfen für den städtischen Raum und Porträts berühmter Persönlichkeiten des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens die Vielfalt der Funktionen von Kunst und der Verwendungsmöglichkeiten des Gipses vor Augen. Mit den Gipsen verbindet sich die Entstehung einer neuartigen Erinnerungskultur, die Popularisierung und Verbürgerlichung der Kunst im Zeitalter zwischen den Revolutionen.

Berliner Rathaus
Säulensaal
Rathausstraße
10178 Berlin

Öffnungszeiten
Mo – Fr 9 – 16 Uhr (Eintritt frei)

Postanschrift:
Sophie-Charlotten-Straße 17/18
14059 Berlin

Tel.: 030 / 326769 11
Fax: 030 / 326769 12
gf[at]smb.spk-berlin.de

Leitung: Miguel Helfrich
Werkstatt: Thomas Schelper und Stefan Kramer
Verkauf: Roland Wilhelm