Forschung

Seit seiner Gründung im Jahre 1873 ist das Ethnologische Museum nicht nur ein Ort der Ausstellung und Vermittlung, sondern auch ein Forschungsinstitut, das sich an wissenschaftlichen Projekten und Forschungsreisen beteiligt. Ihre Resultate sind vor allem die umfangreichen Sammlungen, die durch Ethnologen und Archäologen, Religions- und Musikwissenschaftler, Philologen, Kunsthistoriker und andere interdisziplinär erfasst und erforscht werden.

Forschungsprojekte des Ethnolgischen Museums

Deutschsprachige Werke von Reisenden und Forschern in Alaska, der Nordwestküste Amerikas und den angrenzenden Gebieten
Seit dem 18. Jahrhundert waren deutsche Reisende aktiv an der wissenschaftlichen Erforschung des Nordpazifiks und der angrenzenden Gebiete beidseits der Beringstraße in Nordsibirien und Nordwestamerika beteiligt. Sie beobachteten, dokumentierten und sammelten. Ihre naturwissenschaftlichen und ethnologischen Sammlungen gelangten in deutsche, russische und nordamerikanische Institutionen und Museen. Ihr umfangreicher schriftlicher Nachlass, zum Teil verfasst in deutscher Sprache, wurde der frühen internationalen Forschergemeinschaft zugänglich gemacht, aber nicht mehr neu aufgelegt. Er enthält die frühesten ethnografischen, historischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über diese Weltregionen. Ausgewählte Werke von Autoren unterschiedlicher Herkunft zeigen, wie bekannt und wichtig alle diese Unternehmungen zu ihrer Zeit waren und bis heute sind.

Betreuerin: Prof. Dr. Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums
Kooperationspartner: Georg Olms Verlag AG Hildesheim
Finanzierung: Fritz Thyssen Stiftung
Laufzeit: seit 2006

Internationales Graduiertenkolleg
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Internationale Graduiertenkolleg "Zwischen Räumen. Bewegungen, Akteure und Repräsentationen der Globalisierung" eröffnet der sozial- und kulturwissenschaftlichen Globalisierungsforschung neue Perspektiven. Durch den Dialog zwischen Disziplinen und verschiedenen Wissenschaftstraditionen in Deutschland und Mexiko möchte das Forschungsprogramm einen Beitrag zu einem transnationalen und interdisziplinären Forschungsfeld leisten. Arbeitsschwerpunkte des Kollegs sind die Bewegungen zwischen unterschiedlichen Weltregionen und die neuen Räume, die diese in historischen und aktuellen Phasen der Globalisierung erschließen.

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Rinke, FU Berlin; Prof. Dr. Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums, u. a.
Kooperationspartner: Freie Universität Berlin, Lateinamerika-Institut; Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Romanistik; Universität Potsdam, Institut für Romanistik; Colegio de México, Universidad Nacional Autónom de México (UNAM); Centro de Investigaciones y Estudios Superiores en Antropologia Social (CIESAS)
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: seit 2009

The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations
Beteiligung an der Forschergruppe C-5 (Common Sense Geography)


Projekte:

1. Cognitive Perception and the Presentation of Space and Place in Mesoamerica – Präkolumbische Mappingverfahren des Alten Mexiko bis in die frühe Neuzeit
Das Projekt untersucht kartenähnliche Dokumente der vorkolonialen mesoamerikanischen Kulturen und zeigt den Wandel, dem diese Darstellungen durch den Kontakt mit den spanischen Eroberern unterworfen waren. Ausgehend von den wenigen erhalten geblieben Kodizes aus der vorspanischen Zeit befasst sich das Publikationsvorhaben mit dem Zusammenstoß zweier kognitiver Welten: der des Alten Mexiko und der des ausgehenden Spätmittelalters in Europa. Beider Vorstellungen und Präsentationsformen finden in den als Landkarte strukturierten „Mapas“ und "Lienzos" zu neuen hybriden Formaten und einem indigen-europäischen Stilgemisch.

2. The representation of space and place in Mesoamerica – Der Lienzo Seler II im Ethnologischen Museum
Der "Lienzo Seler II (Coixtlahuaca II)", ein frühkolonialzeitliches kartenähnliches Baumwolltuch aus dem Tal von Coixtlahuaca, Oaxaca, in Mexiko, befindet sich heute im Ethnologischen Museum. Der "Lienzo" ist ein "Übergangsdokument", das heißt, er weist überwiegend Daten im präkolumbischen Stil auf, ergänzt durch europäische Darstellungen und Glossen. Durch eine Feldforschung sollen alle auf dem "Lienzo Seler II" abgebildeten Ortschaften mit den archäologisch nachgewiesenen Siedlungen abgeglichen und geprüft werden, ob auf dem "Lienzo" dargestellte Pyramiden, Treppenstrukturen, Gebäude oder markante natürliche Strukturen wie etwa Felsen oder Höhlen nachweisbar sind.

Betreuerin: Prof. Dr. Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: seit November 2012

Im Rahmen des DFG-geförderten Projekts werden circa 6.000 historische Fotografien aus Lateinamerika digitalisiert, wissenschaftlich erschlossen und über SMB-digital zur Verfügung gestellt. 

Bearbeiter: Dr. Michael Kraus
Koordination: Dr. Manuela Fischer, Dr. Richard Haas, Dr. Maria Gaida, Wissenschaftliche Mitarbeiter des Ethnologisches Museums
Kooperationspartner: Dr. Stefan Rohde-Enslin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Museumsforschung
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft in der Förderlinie: Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS)
Laufzeit: 2010–2013

Die 1915 ins Leben gerufene "Königlich Preußische Phonographische Kommission" hatte das Ziel, Sprache und Musik von in deutschen Kriegsgefangenenlagern festgehaltenen Ausländern zu dokumentieren. Renommierte deutsche Wissenschaftler waren an diesem Projekt beteiligt, die Gesamtleitung lag bei Prof. Carl Stumpf, dem Gründer des Berliner Phonogramm-Archivs.

In den Beständen des Berliner Phonogramm-Archivs im Ethnologischen Museum stellt die Wachswalzensammlung "Phonographische Kommission" mit 1.022 Walzen den umfangreichsten der historischen Bestände dar. Bei den Tondokumenten handelt es sich ausschließlich um Musikaufnahmen, die durch entsprechende Dokumentationen (Aufnahmeprotokolle, Liedtexte in Originalsprache und Übersetzung, Zeichnungen und Fotos, Korrespondenzen) ergänzt werden. In den Aufnahmen ist eine Vielzahl von ethnischen Gruppen, vorzugsweise aus europäischen Ländern und deren damaligen überseeischen Gebieten, vertreten.

Ziele des Projekts sind die Erschließung und Digitalisierung der Walzenaufnahmen der "Phonographischen Kommission" sowie aller damit verbundenen schriftlichen Unterlagen, die Zusammenführung dieser Digitalisate mit den entsprechenden Beständen des Lautarchivs der Humboldt-Universität zu Berlin in einer gemeinsamen Datenbank und die anschließende öffentliche Präsentation.

Betreuer: Prof. Dr. Lars-Christian Koch, Leiter der Abteilung Musikethnologie, Medien-Technik und Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums; Dr. Susanne Ziegler
Kooperationspartner: Humboldt-Universität zu Berlin, Helmholtz-Zentrum
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 2012–2015

Dank der finanziellen Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland konnten am 26. März 2012 auf Initiative des Deutschen Konsulats Kolkata (im Deutschen "Kalkutta") zwei Projekte zur Digitalisierung historischer Tondokumente begonnen werden. Digitalisiert werden sollen in einem Teilprojekt etwas 800 Schellackplatten eines Privatsammlers aus Kolkata, hauptsächlich Aufnahmen bengalischer Theatermusik sowie kompletter Theaterstücke. Das zweite Teilprojekt umfasst eine private Sammlung von Musikaufnahmen auf Tonbändern und Kassetten aus den Jahren 1960 bis 1985, auch diese Kollektion wurde in Kolkata angelegt.

Initiiert, konzipiert und technisch ausgestattet wurden die Projekte von der Abteilung Musikethnologie, Medientechnik und Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums. Sie verantwortete auch die Schulung der ortsansässigen Mitarbeiter, die nun die Arbeiten vor Ort durchführen. Ziel ist es, die Aufnahmen sowie die dazugehörigen Informationen im Internet bereitzustellen. Entsprechende Vereinbarungen mit den Sammlern wurden getroffen.

Betreuer: Prof. Dr. Lars-Christian Koch, Leiter der Abteilung Musikethnologie, Medien-Technik und Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums
Kooperationspartner: Deutsches Konsulat Kolkata, Indien
Finanzierung: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
Laufzeit: 2012–2013

Ziel des geplanten Vorhabens ist die Digitalisierung historischer und zeitgenössischer Musikinstrumente Südasiens – mit einem Schwerpunkt auf der um 1900 angelegten Sammlung Sourindo Mohan Tagores, Kolkata – in erweiterten Objekt-Perspektiven und vertiefenden Metadatenstrukturen als Grundlage einer auch mit musikarchäologischen Methoden zu entwickelnden Rekonstruktionsforschung. Zunächst soll die Sammlung S. M. Tagore vollständig digital erschlossen werden. Dabei spielen 3D- und CT-Aufnahmen eine Schlüsselrolle. Zusätzlich sollen auf dieser Basis Vergleichsobjekte aus dem geografischen Bereich Südasien des Bestandes im Ethnologischen Museum digital erfasst werden (etwa 430 Instrumente). Mit den gewonnenen Daten wird es möglich sein, Untersuchungen zur zeitlichen Einordnung über Materialbearbeitung, Kulturtechniken in der Nutzung (Patina, Spielspuren), ästhetische Prinzipien und Handwerkstechniken vorzunehmen, die sonst nur mit aufwendigen Untersuchungen vor Ort möglich wären. In diesem Zusammenhang soll eine Datenbank angelegt werden, die – ergänzt durch eine erweiterte Recherche in anderen europäischen und indischen Sammlungen – als Grundlage zur Rekonstruktion und in begrenztem Umfang zum Nachbau beschädigter oder zerstörter Instrumente dienen kann. Gleichzeitig werden damit Voraussetzungen geschaffen für eine mittelfristig zu erstellende europaweite Datenbank mit Modellcharakter für weitere ähnliche Projekte im Bereich der Musikinstrumentenforschung.

Betreuer: Prof. Dr. Lars-Christian Koch, Leiter der Abteilung Musikethnologie, Medien-Technik und Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums
Kooperationspartner: Deutsches Archäologisches Institut
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 2012–2014

Besuchereingang

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14195 Berlin

eingeschränkt rollstuhlgeeignet

Verkehrsverbindungen

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Bus M11, X83 (U Dahlem-Dorf); 101 (Limonenstraße); 110 (Domäne Dahlem)

Mo geschlossen
Di 10:00 - 17:00 Uhr
Mi 10:00 - 17:00 Uhr
Do 10:00 - 17:00 Uhr
Fr 10:00 - 17:00 Uhr
Sa 11:00 - 18:00 Uhr
So 11:00 - 18:00 Uhr

Öffnungszeiten an Feiertagen unter Besuch planen
Die Ausstellungen im 2. Obergeschoss werden um 11:00 Uhr geöffnet. Angemeldete Veranstaltungen für Gruppen sind ab 10:00 Uhr möglich.Die Ausstellung Kunst aus Afrika ist seit dem 3. Juni 2013 geschlossen.
Weiterhin zugänglich ist der Einführungsteil bis zum "Kamerun-Thron", sowie Afrika in Berlin, "Das Königreich Benin" und "Bamum. Tradition und Innovation im Kameruner Grasland"

JuniorMuseum

Öffnungszeiten
Sa + SO | 11 bis 18 Uhr für Individualbesucher
Jeden 2. + 4. So | 14 - 16 Uhr | Workshop für Familien mit Kindern von 4 - 6 Jahren | 9 EUR. Für Workshops ist eine Anmeldung bis 3 Werktage vor Beginn erforderlich.

Di - Fr | 9 bis 17 Uhr nur für angemeldete Gruppen mit Führungen
(Führungsanmeldung mindestens 14 Tage im Voraus)
Zugang für betreute Gruppen nur über Arnimallee

Information und Anmeldung

Tel.: 030 - 266 42 4242 (Mo - Fr 9 - 16 Uhr)
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E-Mail: service@smb.museum

Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

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Jahreskarte Staatliche Museen zu Berlin
Ab 25,- EUR
Weitere Informationen

Tel.: 030 / 266424242 (Mo - Fr 9 - 16 Uhr)
Fax: 030 / 266422290
service@smb.museum

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Direktorin: Prof. Dr. Viola König
Stellvertretender Direktor: Dr. Richard Haas

Café und Restaurant eßkultur in den Museen Dahlem
Frau Claus
Tel.: 030 / 8301433
Website

Buchhandlung Walther König
Frau Heilmann
Tel.: 030 / 83203581