Über die Sammlung

Die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin hat ihre Ursprünge in den kurfürstlich-brandenburgischen, später königlich-preußischen Kunstsammlungen und blickt damit auf eine über 350-jährige Geschichte zurück. Sie gehört zu den weltweit umfangreichsten Museen zur Kunst und Kultur der griechischen und römischen Antike.

Der vielfältige Bestand umfasst Skulpturen, Architekturteile, Inschriften, Vasen, Bronzen und Terrakotten, aber auch Schmuckstücke aus Edelmetall und Edelsteinen (Gemmen und Kameen) sowie Gläser und Elfenbeine. Das Sammlungsspektrum reicht von der ägäischen Bronzezeit bis zur spätrömischen Zeit. Dadurch ergeben sich bisweilen Überschneidungen mit den Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte, des Vorderasiatischen Museums und der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst. All diese Kollektionen stellen den Besuchern ihre Schätze auf der Museumsinsel Berlin vor – ebenso wie die Antikensammlung, die hier in drei Bauten zu Hause ist: im Pergamonmuseum, im Alten Museum und im Neuen Museum.

Neben Objekten aus der griechischen und römischen Welt nennt die Sammlung auch Funde aus Etrurien, Zypern und der nördlichen Schwarzmeerregion ihr Eigen. Die meisten dieser Stücke gelangten durch Ankauf, Schenkung oder Fundteilung nach Berlin.

Besonderen Interesses erfreuen sich seit jeher die Funde aus den Grabungen der Berliner Museen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Griechenland (Olympia, Samos), der Türkei (Pergamon, Magnesia am Mäander, Priene, Milet und Didyma) sowie auf Zypern (Marion, Tamassos). Die Rekonstruktionen von Architekturelementen in originaler Höhe, vor allem die ergänzte Westfront des Pergamonaltars (180–160 v. Chr.) sowie das römische Markttor von Milet (um 100 n. Chr.) im Pergamonmuseum, faszinieren Jahr für Jahr mehr als eine Million Besucher.

Im Alten Museum lässt sich besonders sinnfällig betrachten, welch grundlegende Rolle der Antikensammlung in der Berliner Museumslandschaft zukommt: Hier, im ersten öffentlichen Museum der Stadt, durchschreiten die Besucher die an das römische Pantheon erinnernde Rotunde. In dieser begrüßen sie zwei römische Viktorien, zwischen denen sie die beliebteste antike Skulptur der Antikensammlung erblicken: den "Betenden Knaben". Dieses Bildprogramm entwarf bereits der Architekt des Museums, Karl Friedrich Schinkel, für das 1830 eröffnete Museum. Heute stimmt es den Besucher wieder auf den Rundgang durch die antiken Kunstwerke in diesem Haus ein.

Die Antikensammlung in Berlin ist eine der ältesten ihrer Art nördlich der Alpen. Ihre Wurzeln liegen in der Kunstsammlung der brandenburgischen Kurfürsten, die sich zeitweise auf der Schwanenburg in Kleve befand. Dort sind in einem Inventar von 1648 Antiken nachweisbar, die auch heute noch zum Berliner Bestand gehören. Bereits 1701 wurden zahlreiche Marmorskulpturen, Bronzen, Terrakotten, Vasen, Lampen und Gläser in einer prachtvollen mehrbändigen Publikation, dem "Thesaurus Brandenburgicus", ediert. Diese Werke waren zusammen mit anderen Gegenständen aus der kurfürstlichen Kunstkammer im königlichen Antikenkabinett des Berliner Stadtschlosses ausgestellt.

Etwa einhundert Jahre später entwickelten preußische Reformer um Wilhelm von Humboldt die Idee eines jedermann zugänglichen öffentlichen Museums. Der erste Museumsbau in Berlin entstand nach den Plänen des Architekten Karl Friedrich Schinkel. Es ist das heute unter dem Namen Altes Museum bekannte Haus, das direkt gegenüber dem königlichen Stadtschloss erbaut und 1830 eröffnet wurde. In ihm waren anfangs alle Antiken vereint. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs die Sammlung rasch an und erweiterte ihre Ausstellungsfläche in das 1855 eröffnete Neue Museum. Die großen Ausgrabungen am Ende des 19. Jahrhunderts bereicherten den Bestand in besonders umfänglichem und reichem Maße: Durch Fundteilung gelangten zahlreiche großformatige Architekturteile und Skulpturen nach Berlin, für die ein eigenes Museum geplant wurde. Dieses, das Pergamonmuseum, konnte an der Stelle eines kurzlebigen Vorgängerbaues 1930 eröffnet werden. In seinen Architektursälen haben die monumentalen Rekonstruktionen des Pergamonaltars, des Markttors von Milet und anderer antiker Bauten im Maßstab 1:1 angemessenen Platz gefunden.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die ausgestellten ebenso wie die in den Depots lagernden Objekte verpackt und in Bunker inner- und außerhalb Berlins verlagert. Die Museumsbauten erlitten durch Bombardierungen große Schäden. Nach Ende des Krieges wurden alle in Berlin befindlichen Kunstgegenstände der Antikensammlung von der Roten Armee nach Moskau oder Leningrad gebracht. Die außerhalb der Stadt von den Alliierten aufgefundenen Antiken kamen in "Collecting Points".

Im Jahre 1958 gab die Sowjetunion eineinhalb Millionen Kunstwerke, darunter auch die Friesplatten des Pergamonaltars, an die DDR zurück; die Antikensammlung bezog neben den Architektursälen nun den gesamten Nordflügel des Pergamonmuseums. Fast gleichzeitig richtete die neu gegründete Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Westteil Berlins ein Antikenmuseum im westlichen Stülerbau (heute Sitz der Sammlung Berggruen) gegenüber dem Schloss Charlottenburg ein. Die Bestände der Antikensammlung wurden fortan getrennt im westlichen und östlichen Teil der Stadt aufbewahrt und ausgestellt. Infolge der politischen Wiedervereinigung konnten auch die Staatlichen Museen zu Berlin und damit die getrennte Antikensammlung wieder zusammengeführt werden.

Aufwendige Restaurierungen am Pergamonaltar (1994–2004) und am Markttor von Milet (2006–2008) leiteten die Phase der großen Veränderungen ein, die im Zusammenhang mit dem Masterplan Museumsinsel stehen. 2010/11 zogen die griechischen und römischen Skulpturen aus dem Nordflügel des Pergamonmuseums in das Alte Museum um. Seitdem breitet die Antikensammlung wieder, wie schon bis zum Jahre 1939, auf beiden Geschossen des Alten Museums ihre Kostbarkeiten aus: Mittelpunkt und Herz der Sammlung ist die Rotunde mit den Marmorstatuen antiker Götter; in den benachbarten Sälen des Hauptgeschosses wird griechische Kunst des 10. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. gezeigt. Im Obergeschoss sind in kulturhistorischen Zusammenhängen etruskische und römische Kunstwerke zu sehen. Im 2009 wiedereröffneten Neuen Museum wird in einer sammlungsübergreifenden Ausstellung altzyprische und provinzialrömische Kunst gezeigt.

Die Publikationen der Antikensammlung finden Sie in der Bibliographie der Staatlichen Museen zu Berlin.

Die Antikensammlung präsentiert ihre einzigartigen Objekte im Alten Museum, im Pergamonmuseum und im Neuen Museum auf der Museumsinsel Berlin.

Informationen zu Adressen, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Verkehrsverbindungen finden Sie auf den Seiten dieser Museen.

Bei Fragen Rund um Ihren Museumsbesuch wenden Sie sich bitte an die Infoline der Staatlichen Museen zu Berlin:


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