3D-Modell des Pergamonaltars

Im Rahmen des Masterplans Museumsinsel wird das Pergamonmuseum seit 2013 abschnittsweise saniert, der Saal mit dem Pergamonaltar ist seit Herbst 2014 bis voraussichtlich 2023 geschlossen. Mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien konnten die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin  sowie das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung im September 2014 einen aufwendigen 3D-Scan des mehr als 2.000 Jahre alten Meisterwerkes hellenistischer Kunst realisieren. Daraus entstand das 3D-Modell des Pergamonaltars.

Vom Laserscan bis zum 3D-Modell

Der Scan erfolgte im Zeitraum von zwei Wochen vor der Schließung unter Leitung von Pedro Santos, Leiter der Abteilung Digitalisierung von Kulturerbe des Fraunhofer IGD. In der ersten Woche planten die Fraunhofer-Forscher zusammen mit den Berliner Museen die Durchführung, in der zweiten Woche konzentrierten sich Santos und seine Kollegen tagsüber auf die photogrammetrische Erfassung des 113 Meter langen Gigantomachie-Frieses. Nachts erfassten sie die gesamte Halle inklusive aller Friese und Kolonnaden mittels 3D-Laserscannern. Der Abschluss der digitalen Erfassung erfolgte am letzten Öffnungstag, dem 29. September 2014.

Mit einem Laserscanner, der im Ausstellungsgebäude nach und nach an 51 Scanpositionen platziert wurde, ermittelten die Forscher insgesamt 176 Millionen 3D-Punkte pro Messung. Sie erreichten damit ein Scanergebnis von fünf Millimetern Auflösung. Der Große Fries wurde zudem zeilen- und spaltenweise entlang einer berechneten Matrix alle 63 cm horizontal und alle 50 cm vertikal, mit Überlappungen in fünf Ausrichtungen (zentrisch sowie schräg oben, links, unten und rechts) automatisiert abfotografiert. Hierfür entwickelte das Team unmittelbar vor dem Einsatz einen 8 m langen mobilen Ausleger mit einem beweglichen Kopf zur Positionierung und Orientierung der Spiegelreflex-Kamera. Dabei entstanden insgesamt 8.065 2D-Farbbilder mit 24,2 Megapixeln pro Bild. Aus diesem Bildersatz ließ sich ein 3D-Modell des Frieses mit einer Auflösung von 300 Mikrometern errechnen.

Beide Scanverfahren wurden nun aufwendig in ein 3D-Modell zusammengeführt, das in höchster Auflösung rund 90 Gigabyte umfasst und sich aus etwa 580 Millionen Dreiecken zusammensetzt. Es wurde am 24. Mai 2016 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und steht nun für zahlreiche Verwendungen in Forschung, Museumspräsentation oder Reproduktion zur Verfügung. Besucher können den Pergamonaltar bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten im Pergamonmuseum nun zumindest online besuchen. Zusätzlich zur Darstellung des Gesamtmodells sollen zukünftig auch verschiedene Detailmodelle, wie hier beispielhaft ein Teil des Südfrieses, abrufbar sein.